Wann geht es mit der Ortsumfahrung von Merkendorf weiter? Christoph Eichler vom Staatlichen Bauamt in Ansbach informierte den Stadtrat über den Stand der Dinge. Und er ließ sich sogar zu einer Prognose hinreißen, wann die ersten Bagger anrücken könnten.
Das Thema brennt den Menschen in Merkendorf unter den Nägeln. Die Besucherstühle waren so gut gefüllt wie selten bei einer Stadtratssitzung. Das Bauamt arbeitet derzeit an einer zweiten Tektur zu den Planungsunterlagen. Was Trassenverlauf, Brückenbauten oder die Lage von Kreisverkehren angeht, habe sich aber rein gar nichts verändert, machte Eichler als Leiter der Abteilung Planung im Staatlichen Bauamt deutlich.
Auch bei den Baukosten gibt es keine neuen Zahlen. 13,7 Millionen Euro lautete die Schätzung für die 2,6 Kilometer lange Strecke, die das Staatliche Bauamt vor drei Jahren veröffentlicht hat. Eichler geht zwar von einem Preisanstieg aus, „aber wir liegen deutlich unter 20 Millionen Euro”. Damit werde eine wichtige Schallmauer nicht durchbrochen.
Gut 9300 Fahrzeuge rollen im Schnitt jeden Tag auf der B13 durch Merkendorf, gut 1000 sind schwere Lkw. 75 Prozent der Fahrzeuge sind Durchgangsverkehr. Mit der Umgehungsstraße soll die Bevölkerung entlastet werden. Die geplante Trasse führt südwestlich am Kernort von Merkendorf vorbei. Sie soll am Energiepark beginnen und etwa auf halber Strecke zwischen dem südlichen Ortsschild von Merkendorf und der Heglauer Kreuzung auf die bestehende B13 treffen.
Eichler ging im Stadtrat auf die bisherigen Schritte im Genehmigungsverfahren ein. Er erinnerte daran, dass der Bund die Umgehung im Verkehrswegeplan in den vordringlichen Bedarf aufgenommen hat. Damit hatte die Ansbacher Behörde überhaupt erst die Möglichkeit, mit den Planungen zu beginnen. Ende August 2019 wurde das Planfeststellungsverfahren, das für ein solches Großprojekt erforderlich ist, eröffnet.
Die Einwendungen, die bis Januar kamen, hat das Bauamt bis August beantwortet. Weil sich die Vorschriften geändert haben, waren Nachbesserungen erforderlich. Unter anderem müssen nun die Auswirkungen eines solchen Projekts auf das Klima deutlich genauer untersucht werden. Auch zum Thema Entwässerung änderten sich die Vorschriften. Eine Tektur zu den Unterlagen wurde nachgereicht.
Ein umfangreiches Amphibienschutzkonzept wurde erstellt. Es sieht eine Umsiedelung der Tiere vor. Um vom Ortsrand Merkendorfs zu den Laichgewässern im Süd-Westen zu gelangen, müssten die Amphibien nämlich die neue Umgehung queren. Dazu müssen zusätzliche Flächen erworben werden. Das Konzept liegt seit Jahresanfang 2025 vor. Damals war man im Bauamt noch optimistisch, dass im Sommer alle Unterlagen beisammen sind, um mit einer zweiten Tektur das Verfahren wieder anlaufen zu lassen.
Doch der Bund Naturschutz hat viele Einwendungen gemacht und ein Gutachten vorgelegt, das zum Schluss kam, die Umfahrung sei nicht erforderlich. Die Fachleute im Bauamt arbeiten noch daran, alle Argumente der Naturschützer zu entkräften. „Wir sind fast fertig”, sagte Eichler im Merkendorfer Stadtrat. Im ersten Quartal 2026 soll das Antwortpaket auf dem Tisch liegen. Parallel dazu soll die zweite Tektur zur Planung abgeschlossen sein.
Bei diesen Arbeiten ist größte Sorgfalt erforderlich, machte Eichler als Leiter der Planungsabteilung deutlich. Denn wenn gegen ein solches Projekt geklagt wird, dann immer dagegen, dass die geltenden Richtlinien bei der Planung nicht eingehalten worden seien. Je penibler gearbeitet wurde, desto weniger Aussicht auf Erfolg haben Klagen.
Sobald das Planfeststellungsverfahren mit einem positiven Bescheid der Regierung von Mittelfranken abgeschlossen ist, besteht Baurecht. Eichler: „Dann brauchen wir nur noch das Geld vom Bund.” Grundsätzlich ist der Fachmann vom Bauamt aber sehr optimistisch: „Die Maßnahme ist gesetzt.”
Ohne sich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, wagte Eichler die Prognose: „Das dauert in der Regel weniger als ein Jahr.” In Dinkelsbühl seien die Mittel innerhalb eines halben Jahres freigegeben worden. Dann müssen die Leistungen natürlich noch ausgeschrieben werden.
Anders ausgedrückt: „Wenn der Beschluss vorliegt, dauert es roundabout zwei Jahre, bis ein Bagger anrückt”, sagte Eichler. Vorausgesetzt, es gibt keine Klagen. Das würde die Realisierung auf unbestimmte Zeit verzögern.
Dem Stadtrat legte der Planer nahe, eine Stellungnahme zur zweiten Tektur abzugeben. Eine positive Stellungnahme der Stadt verstehe die Regierung als klares Signal. Im Stadtrat wird die Umfahrung unterschiedlich gewertet. Eine Mehrheit begrüßt sie jedoch.