Gerade erst erneuert und frisch aufgehübscht, schon wieder stark in Mitleidenschaft gezogen: Einen Fall von Vandalismus beklagt die Stadt auf dem Parkplatz am ehemaligen Messegelände. Die mutmaßlichen Verursacher sind bereits ausgemacht: Es sind Anhänger motorisierter Pferdestärken.
Unzählige Schlaglöcher hatten das weitläufige Areal unweit der Kreuzung zwischen Hohenzollernring und Schalkhäuser Landstraße seit langem verunziert. Es bildeten sich bei Niederschlägen Pfützen, Erscheinungsbild wie Nutzungsmöglichkeiten der Parkflächen waren nach den Wintermonaten zumindest eingeschränkt. Das rief die Verwaltung auf den Plan, die den Bauhof mit Ausbesserungsarbeiten auf dem städtischen Grundstück betraute.
Doch kaum hatten die Mitarbeiter der Stadt die Schlaglöcher aufgefüllt, eine neue Schotterdecke aufgetragen und zusätzlich als Abschluss eine Anti-Staub-Schicht aufgebracht, rief das nach Ansicht der Stadt gleich wieder „alte Bekannte“ auf den Plan. Die Spurenlage vor Ort lässt an der Vermutung auch kaum Zweifel: Hier waren Drifter unterwegs und haben – nicht nur sprichwörtlich – ihre Kreise gezogen.
Unter Driften ist das bewusst eingeleitete Übersteuern eines im besten Fall heckgetriebenen Autos zu verstehen. Es lenkt stärker in die Kurve ein, als es der Radius vorgibt. Damit es sich dabei nicht dreht, lenkt der Fahrer gegen: Die Vorderräder zeigen dabei scheinbar entgegengesetzt zur Kurve.
Aus polizeilicher Sicht kommt das Driften einer Ordnungswidrigkeit gleich, für die aber durchaus ein Bußgeld und Punkte in Flensburg fällig werden kann. Einen konkreten Tatbestand in der Straßenverkehrsordnung (StVO) gibt es nicht, der diese Fahrtechnik ausdrücklich verbietet. Jedoch verstößt Driften insofern gegen gültige Verkehrsregeln, weil es andere gefährden, behindern oder belästigen kann und unnötigen Lärm wie vermeidbare Abgase verursacht.
Erlaubt ist es lediglich auf Privatgelände, weshalb das Driften in Fahrsicherheitszentren ganz offiziell geübt werden kann. Im öffentlichen Raum oder wie im aktuellen Fall auf einer städtischen Fläche ist es verboten. Zumal auf dem Parkareal am ehemaligen Messegelände ein nicht unerheblicher Schaden im fünfstelligen Bereich entstanden ist.
Die Drifter haben dort mit ihren im Fachjargon Donuts genannten Kreiseln mehrere tiefe Spurrillen hinterlassen. Zudem wurden durch das starke Beschleunigen beim Anfahren gerade ausgebesserte Unebenheiten wieder aufgeworfen. Mehr als ärgerlich findet das die Stadt. Eine ähnlich gelagerte Problematik hat man auch im Parkhaus am Bahnhof festgestellt. Auch dort sind beinahe regelmäßig Drifter unterwegs. Der Parkplatz am Rewe-Markt an der Meinhardswindener Straße war in der Vergangenheit ebenfalls ein Treffpunkt der PS-Freunde. Doch nun wird das Areal am Abend immer abgesperrt.
„Wir wissen nicht, um wie viele Personen es sich handelt, aber es gibt eine Auto-Poser-Szene“, bestätigte Rolf Kühnhold, Erster Polizeihauptkommissar in der Dienststelle am Karlsplatz, auf FLZ-Anfrage. Unweit davon hatte sich die Szene während der Sommermonate im vergangenen Jahr auf der Promenade und am Schlossplatz gezeigt. „Bei uns sind deshalb Beschwerden eingegangen“, berichtet Kühnhold.
Bislang waren die Fälle allesamt im Bereich der Ordnungswidrigkeiten angesiedelt. Doch die Donuts am Messe-Parkplatz haben teure Spuren hinterlassen. Um die Staubentwicklung zu reduzieren, hatte das Betriebsamt Hartgesteinssplitt auf dem Parkplatz aufgebracht. So verringern sich die Feinbestandteile, die Entwicklung von Staub wird minimiert. „Die Kosten für die Aufbereitung des Parkplatzes betragen rund 10.000 Euro“, teilt die Stadt mit.
Das Geld möchte man sich wiederholen, die Stadt stellt Anzeige gegen unbekannt und behält sich für den Fall Regressforderungen vor. „Es handelt sich um Sachbeschädigung, das ist strafrechtlich relevant“, sagt auch Polizeihauptkommissar Kühnhold und verspricht: „Wir werden ein Auge darauf haben.“