„Schau mer mal.” Das hatten wohl auch die vielen neugierigen Theaterfreunde gedacht, die die Plätze der NeuStadtHalle restlos füllten. Sie wurden nicht enttäuscht. Denn die tolle Komödie „Hollerbuschs Traum”, die die Darstellerinnen und Darsteller mit und ohne Handicap zeigten, bot den Gästen Witz und Tiefgang.
„Wir spielen nie ein Stück, das es schon gibt”, erzählt Heike Pfänder, die bereits seit 2004 den Part der Regie erledigt. Jedes Stück der vor 21 Jahren gegründeten Theatergruppe, bei der es sich um ein Angebot von Diakoneo Wohnen Rothenburg und Obernzenn handelt, entstehe als demokratischer Prozess. Generell gilt: Das jeweilige Thema wählen die Darstellenden selbst. Für das aktuelle Stück sei es die Angst, die die Schauspielerinnen und Schauspieler besonders als Folge der Pandemie verspürten.
Durch spezielle Techniken wie Improvisation entwickle man dann die Story und die passenden Figuren. Ganz entscheidend sei, dass die Stücke trotz ernster Themen den Humor böten, den man für die Überwindung vieler Hürden gut gebrauchen könne. Diejenigen, gegen die die illustre Dorfgemeinschaft des Stückes ankämpfte, waren dementsprechend kurios. Denn – genauso wie die Pandemie die klassischen Abläufe der Gesellschaft beeinflusst– entsteht dieses Problem auch für das Dorf.
Das Problem schafft kein Virus, es entsteht dadurch, dass der Zeiger der Rathausturmuhr abgefallen ist. Für das Dorf schafft das doppelten Ärger. Erstens den Zeitsparzwang des Bürgermeisters, für den die Veränderung etwas Hochüberforderndes darstellt. Zweitens entgeht dem Ort durch die defekte Uhr die wichtige Auszeichnung durch den Kulturerbepfleger, für den die Bewohnerinnen und Bewohner extra das tolle Fest veranstaltet hatten.
Dass das Oberhaupt des Gremiums für Kulturpflege trotzdem nicht erschien, dürfte darin begründet sein, dass den begehrten Preis andere bekommen. Wahrscheinlich die Neustädter für das Polieren der Pflasterfugen, orakelten die Dörflerinnen und Dörfler, was die Besucherinnen und Besucher des Stücks zum Lachen brachte.
Die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner wussten ja auch, dass die Probleme für ihren Ort die Folgen echter Intrigen waren. Besonders Laetizia Hollerbusch profitiert davon. Denn wenn das Gremium das Rathaus und dessen Turmuhr nicht als Denkmal schützt, gibt es den Außenaufzug für die Klinik, die den Patientinnen und Patienten Schönheitschirurgie als Vollmond-OP bietet. Holger Nepomuk, merkwürdiger Misanthrop und KI-Spezialist, hat so seine Methoden, die für Laetizia ideal passen.
Die Darstellenden boten die kluge Story wunderbar dar. Die witzigen Dialoge, die komisch dargebrachten Gesten und die raffinierte Mimik waren das Rezept für einen tollen inklusiven Theaterabend, dessen dorfkomödiantischen Charakter auch die Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt, Neustadts stellvertretende Bürgermeisterin Heike Gareis und stellvertretender Landrat Reinhard Streng genossen.
Doch selbst als es kurzfristig schlecht um die Geschicke des Dorfes steht, schafft das Stück für den Ort und das Publikum Happy Ends, verbunden mit den frohen Botschaften, dass wir vieles selbst gestalten dürfen, dass vegetarische Bratwürste Glück schaffen und durch Duschen Beziehungen entstehen. Nicht zu vergessen: Eierkuchen stellen Patentrezepte für den Dorffrieden dar.