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Veröffentlicht am 21.10.2024 14:00

„Eigentlich ein Skandal“: Besuch aus Japan für eine Bürgerinitiative in Ansbach

Besuch aus Fernost hat am Wochenende die Bürgerinitiative (BI) „Etz langt’s!“ bekommen. Eine Delegation aus Japan kam nach Ansbach, um sich über die Fortschritte mit Blick auf das Kasernengift in Katterbach zu informieren. Die Gäste hofften auf Anregungen, wie man dieses Problem in Okinawa lösen könnte.

Verseuchtes Grundwasser und zum Beispiel Kartoffeln, Nachweise im Blut von Menschen, neugeborene Kinder, die im Verhältnis zu anderen Japanern kleiner auf die Welt kommen: Die Gäste aus Okinawa kennen die von per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) verursachten Probleme nur zu gut.

Kein Wunder, in der Präfektur Okinawa ist die Präsenz der US-Streitkräfte besonders hoch. Rund 70 Prozent der Stützpunkte in Japan befinden sich hier, wie die siebenköpfige Delegation, die aus Mitgliedern einer Bürgerinitiative und einem TV-Team besteht, berichtete.

Der Name der Initiative bezieht sich auf die Region Ginowan und lautet übersetzt ungefähr „Ginowan-Gesellschaft, die schönes Wasser zurückbekommen will“. Dies schilderte Journalistin Yoshiko Susanne Brzezinka. Hauptprotagonistin sei Yumi Nakasone, Mutter dreier Kinder und Mitglied eines Stadtrats.

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Zum Kasernenzaun nahe dem Flugfeld

Vertreter von „Etz langt’s!“ begaben sich mit den japanischen Gästen am Samstag zum Beispiel zum Kasernenzaun nahe dem Flugfeld: also dem Ort, wo die PFC unter dem Boden schlummern, wie sich „Etz langt’s!“-Pressesprecher Boris-André Meyer ausdrückte. Die Japaner „haben auch Erfahrungen mit Hubschraubern“.

Sie lenkten den Blick auf den US-Standort Futenma. Dieser liege sehr dicht an der Besiedlung, teilten die Besucher mit. Auf dem Universitätsgelände sei schon einmal ein Helikopter abgestürzt. Am Zaun nahe dem Katterbacher Flugfeld präsentierten sich die japanischen Aktivisten mit T-Shirts, die symbolhaft eine Rübe als Gesicht zeigten.

Vor zehn Jahren wurde die Verseuchung festgestellt

Boris-André Meyer überreichte ihnen eine Fahne seiner Bürgerinitiative. Er sagte, „dass es viele, viele Parallelen gibt“. Allerdings berichteten die japanischen Aktivisten auch von Sexualkriminalität durch US-Militärangehörige.

Bereits am Freitag waren Meyer, Jürgen Wolf und die Gäste aus Japan aufeinandergetroffen – in der Feuerbachakademie, um mit Dr. Alfred Meyerhuber zu sprechen. Dessen Kanzlei vertritt Wolf im Prozess gegen die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Ein historisches Datum, wie Meyer betonte. Der Grund: Exakt vor zehn Jahren wurde die PFC-Verseuchung festgestellt.

Meyer berichtete der Delegation, was in dieser Zeit alles geschehen ist. Und er machte deutlich, wie wichtig es ist, dass international zusammengearbeitet wird. „Das steigert den Druck für den Schutz des sauberen Wassers in Ansbach und Okinawa“, sagte Meyer. „Ich hoffe, dass wir gemeinsam einen Schritt weiterkommen.“ Dazu passt, dass die Japaner vor ihrem Ansbach-Besuch auch in Genf bei den Vereinten Nationen waren, um das Problem vorzubringen.

Das Oberlandesgericht Nürnberg sah es anders

Rechtsanwalt Meyerhuber gab der Delegation einen kurzen Einblick in die rechtlichen Schritte. Er erzählte von der Ablehnung der Klage wegen der PFC-Verseuchung rund um die Kaserne am Landgericht Ansbach. „Die Gründe waren merkwürdig“, blickte er zurück.

Anders hat es schließlich das Oberlandesgericht Nürnberg gesehen, wie der Anwalt darlegte. Aktuell werde ein Sachverständigen-Gutachten erstellt.

Der große Kritikpunkt ist für Meyerhuber, „dass niemand geholfen hat. Nicht die Bundesrepublik, nicht die USA und auch nicht die Stadt Ansbach.“ Jetzt, nach Inbetriebnahme der Filteranlage, schmücke sich der Oberbürgermeister mit fremden Federn, wurde Meyerhuber deutlich. Und ganz allgemein: „Eigentlich ist es ein Skandal, dass man eine Vergiftung hinnimmt, lange nichts tut und dann nur Schrittchen für Schrittchen.“

Am Samstag besuchte die Delegation auch Wolfs Anwesen. Die Vertreter der Bürgerinitiative beteten vor Ort für seinen Erfolg, wie Boris-André Meyer erklärte. Die hiesige Initiative „Etz langt’s!“ luden sie ihrerseits nach Japan ein.

Vertreter beider Bürgerinitiativen nahmen das Kasernengelände von außen in Augenschein. Ein TV-Kameramann filmte. (Foto: Oliver Herbst)
Vertreter beider Bürgerinitiativen nahmen das Kasernengelände von außen in Augenschein. Ein TV-Kameramann filmte. (Foto: Oliver Herbst)
Vertreter beider Bürgerinitiativen nahmen das Kasernengelände von außen in Augenschein. Ein TV-Kameramann filmte. (Foto: Oliver Herbst)

Von Florian Schwab und Oliver Herbst
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