Eigentümerdialog in Ansbach: Stadt zeigt Möglichkeiten bei Sanierungen | FLZ.de | Stage

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 18.07.2025 14:25

Eigentümerdialog in Ansbach: Stadt zeigt Möglichkeiten bei Sanierungen

Das historische Erbe in weiten Teilen der Altstadt ist für viele Immobilienbesitzer eine schwere Hypothek. Im Rahmen der angestrebten Belebung der Innenstadt hat die Citywerkstatt in Kooperation mit der städtischen Verwaltung den Eigentümerdialog ins Leben gerufen. Die Auftaktveranstaltung könnte als Versprechen für die Zukunft gelten.

So voll war das Kunsthaus in der Reitbahn selten, „da haben wir offensichtlich den Nerv getroffen”, meinte Oberbürgermeister Thomas Deffner freudig. Über 70 Hausbesitzer waren der Einladung der Stadt gefolgt. Wie Gregor Heilmaier, Moderator der Citywerkstatt, gleich zu Beginn feststellte, sollte die Zusammenkunft im übergeordneten Sinn vor allem einem Zweck dienen: In den Dialog treten, miteinander sprechen und dabei Wege finden, wie nicht mehr zeitgemäße Immobilien zukunftsfähig gemacht werden können. Dazu passte, dass sich alle Beteiligten vorstellten und erste Fragen beantworteten.

Das Bild, das die Altstadt derzeit abgibt, mag auf den ersten Blick durchaus pittoresk und architektonisch attraktiv erscheinen. Hinter den Fassaden aber sieht es nicht selten anders aus. Zudem stellt sich durch das geänderte Einkaufsverhalten vieler Menschen und das Aufkommen des Online-Handels immer häufiger die Frage der Nutzung von Immobilien. Wohnungen statt Einzelhandel ist das Schlagwort für die Innenstadt, das auch der OB in seiner Begrüßung bemühte. „Wir müssen uns dem Wandel stellen.”

Finanzieller Anreiz für die Sanierung

Eine klare und freilich wenig überraschende Botschaft. Neu und für viele Menschen durchaus bemerkenswert ist dabei jedoch die Charmeoffensive der Stadt, die Eigentümer in der vielschichtigen Frage einer Sanierung ganz handfest und pragmatisch zu unterstützen. Mit fachlicher Expertise, aber auch einem finanziellen Anreiz. Sowohl die Stadt als auch die Regierung von Mittelfranken bezuschussen mit der Beteiligung an der Planung bereits den ersten Schritt einer Sanierung. Konkret: Würde die Bestandsaufnahme und Zukunftsanalyse eines betagten Gebäudes mittlerer Größe 20.000 Euro kosten, übernehmen Stadt und Freistaat 75 Prozent dieser Kosten.

Mit dem Schwabacher Architekturbüro Helmut Rester, der die Ausschreibung der Stadt für sich entschied, wurde ein in Fragen der Modernisierung denkmalgeschützter Gebäude sehr erfahrener Begleiter für diesen Weg gewonnen. Rester schilderte anhand etlicher Beispiele, wie Alt-Immobilien saniert und für eine neue Nutzung umgebaut werden können. So wurde aus einer ehemaligen Druckerei etwa ein Hotel, aus einer einstigen Kneipe ein Dorf-Gemeinschaftshaus.

Denkmalschutz bringt Immobilienbesitzer zum Zucken

Hilfestellung für Immobilienbesitzer versprach auch Stadtplanerin Andrea Heinlein, die in ihrem Vortrag auf die ausgewiesenen Sanierungsgebiete im Altstadtbereich einging, über Fördermöglichkeiten berichtete und das Wohl und Wehe des Denkmalschutzes beleuchtete. Ein Großteil der Innenstadt mit ihren 470 Baudenkmälern ist davon betroffen. „Da zuckt jeder gleich”, meinte Heinlein augenzwinkernd.

Auch deshalb nahm sie dieses Thema in den Fokus und erklärte die Unterschiede zwischen einem Einzeldenkmal und dem in einem Ensemble - nebst den Möglichkeiten einer Förderung und steuerlichen Abschreibungsvarianten. Etwas grundsätzlich formuliert gilt demnach: Im Ensemble interessiert die Behörde nur die Fassade, im Einzeldenkmal geht es auch um Details.

„Immer einen Puffer einplanen”

Wie Heinlein gaben auch die anwesenden Vertreter von Banken den Hausbesitzern verschiedene Ratschläge. Kredite sollten realistisch gestaltet werden, um eine teure Nachfinanzierung zu vermeiden. Zudem sollte „immer ein Puffer” eingebaut werden, um bei plötzlichen Unbilden gewappnet zu sein. Der entscheidende Rat aber lautete: Auf dem Weg einer Sanierung sollten zunächst alle möglicherweise beteiligten Personen und Institutionen ins Boot geholt werden. Sprich: vom Steuerberater über Kommune und Denkmalschutzbehörde bis hin zur finanzierenden Bank. „Nicht einfach loslegen”, lautet die Devise.

Nach dem städtischen Konzeptpapier wird jährlich mit vier bis sieben Objekten gerechnet, die untersucht werden können. Im Idealfall entstehen daraus Pilotprojekte, die Schule machen. „Wir hoffen, dass wir vom Erfolg überholt werden”, bilanzierte Heilmaier nach dem Auftakt, dem dann weitere ins Detail gehende Eigentümerdialoge folgen sollen.

Exakt 470 Baudenkmäler finden sich in Ansbachs Altstadt. Nun soll die Sanierung von historischen Immobilien Rückenwind erhalten. (Foto: Walter Röber)
Exakt 470 Baudenkmäler finden sich in Ansbachs Altstadt. Nun soll die Sanierung von historischen Immobilien Rückenwind erhalten. (Foto: Walter Röber)
Exakt 470 Baudenkmäler finden sich in Ansbachs Altstadt. Nun soll die Sanierung von historischen Immobilien Rückenwind erhalten. (Foto: Walter Röber)

Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
north