Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist auf dem Vormarsch. In Bayern ist sie bislang zwar noch nicht angekommen, dennoch will man im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim auf mögliche künftige Fälle vorbereitet sein. Deshalb wurde nun eine dritte Annahmestelle für Wildschweinaufbrüche und -häute im Landkreis eingerichtet.
Zu finden ist sie in Bad Windsheim auf dem Gelände des städtischen Bauhofs. Zwei weitere Annahmestellen existieren bereits in Markt Bibart und Uffenheim. „Es geht darum, Effektketten zu unterbrechen“, erklärte Dr. Uwe Knickel, Leiter der Veterinärverwaltung am Landratsamt, bei einem Ortstermin den Sinn der Stationen. Denn auch ein vermeintlich gesund geschossenes Tier könne Träger des Erregers sein.
Grundsätzlich ist es Jägern zwar erlaubt, in „Friedenszeiten“ – wenn also keine ASP in der Region ausgebrochen ist – den Aufbruch, also die Eingeweide der Wildschweine, im Wald zu vergraben, so Knickel. Würden diese jedoch von einem anderen Tier ausgegraben, könnte sich die Infektkette schließen – dann würde sich die Schweinepest weiter verteilen. Bis man die betroffenen Tiere erwischt, könne es länger dauern.
„Um das zu verhindern, bietet man den Jägern an, den Aufbruch in den Tonnen der Annahmestellen zu entsorgen.“ Damit keine zu weiten Fahrten nötig sind, setzt man auf mehrere Stationen. Von dort werden die Tierreste dann von der Tierkörperbeseitigung aus Walsdorf abgeholt.
Knickel habe sich selbst einen Eindruck vom Seuchengeschehen in Hessen verschafft – ein Bundesland von mehreren, in dem sich die ASP bereits verteilt. „Es breitet sich nach Norden und Süden weiter aus. Gott sei Dank noch nicht Richtung Osten“, erklärte der Veterinär. Kilometerlang wurden an Bundesstraßen Zäune errichtet, um zu verhindern, dass infizierte Wildschweine in die Odenwald-Gebiete gelangen.
Würde die ASP in unserer Region ausbrechen und auf Hausschweinbestände übergehen, würde das große wirtschaftliche Auswirkungen bedeuten, betonte Knickel. „Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir alles tun, wenn es auch nur ein Mosaikstein ist, um präventiv vorzusorgen.“
Franziska Zeilinger-Latka, Abteilungsleiterin Öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt, dankte stellvertretend für den verhinderten Landrat Dr. Christian von Dobschütz besonders der Stadt Bad Windsheim für die Bereitstellung des Standortes und Bauhof-Leiter Johannes Popp, der für die Annahmestelle verantwortlich zeichnet.
Ein solcher Koordinator sei unerlässlich, um die Station zu betreiben, erklärte Knickel. Seitens der Behörde beschaffe man gerne die einige Tausend Euro teuren Tonnen und organisiere die Abholung der Tierreste. Den Koordinator vor Ort könne man aber nicht stellen. Wichtig sei zudem ein Jägerverein, der das Angebot unterstütze und bewerbe. Das habe das Beispiel Markt Bibart gezeigt, wo die Station sehr gut angenommen werde, so Knickel.
Der Standort am Bad Windsheimer Bauhof sei deshalb passend, weil er über Strom und Wasser verfügt und nicht direkt von vorbeilaufenden Bürgern einsehbar ist. Zudem wurde das Gelände angepasst, damit Flüssigkeiten ablaufen können. Die geleerten Behältnisse müssten schließlich auch gesäubert werden. Zwei 240-Liter-Tonnen, eine davon als Reserve, stehen in Bad Windsheim zur Verfügung.
Für den Bad Windsheimer Jägerverein wiederum war schnell klar, dass man sich engagieren will. „Das war ganz logisch. Wir pachten ja Reviere von Landwirten. Also haben wir auch ein Interesse daran, dass es ihnen gut geht und sie ihren Beruf ausüben können“, erklärte der Vorsitzende Wolfgang Engelhardt. Manfred Merz, Leiter der Hegegemeinschaft Frankenhöhe, betonte zudem, dass die Jägerschaft insgesamt dazu aufgerufen sei, die Schwarzwilddichte zu reduzieren – auch vor dem Hintergrund der ASP. „Das bedingt intensives Jagen.“
Zudem gab er einen praktischen Einblick: Wenn der Jäger nachts ein Wildschwein erlegt, bricht er das Tier draußen im Wald auf und muss dann die Eingeweide aufsammeln und entsorgen. „Wenn er dann erst nach Uffenheim oder Markt Bibart fahren muss, wird es schwierig“, so Merz, weshalb er die Station in Bad Windsheim ausdrücklich begrüßt.
Bad Windsheims Stadtförster Sven Finnberg fragte zudem, was mit Wildschweinen passiert, die bei einem Verkehrsunfall verenden. Meist werde dann eine „Probe gezogen“, erklärte Knickel, auch wenn in solchen Fällen das Auto zum Tod des Tieres führte. Unfallwild sollte generell genauso gesondert entsorgt werden. Teils habe man Kadaver auch schon abholen lassen.
Abgaben in Bad Windsheim sind montags bis freitags jeweils zwischen 10 und 12 Uhr möglich. Die Station werde bei Bedarf eigens geöffnet, um zu vermeiden, dass unkontrolliert Überreste entsorgt werden, so Popp. Eine vorherige Anmeldung unter der Telefonnummer 09841/6529830 ist erwünscht. Übrigens: Eine vierte Station ist in Planung und „fast spruchreif“, wie Uwe Knickel ankündigte. Er ließ aber noch offen, wo sie sich befinden könnte.