Am Sonntag werden es 1339 Brautage sein, auf die Sigi Brückler mit Stolz zurückblicken kann. Der Braumeister im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim geht nach 30 Jahren mit diesem Tag in den Ruhestand.
Zum Abschied hat Sigi Brückler aus seinen Gästebüchern eine kleine Ausstellung konzipiert, bei der die Besucherinnen und Besucher einen Einblick in das Brauen im Museum und in seine Arbeit bekommen. Die Chronik beginnt zu seinem Leidwesen erst ab dem 100. Brautag. „Schade, dass ich das die ersten 100 Tage nicht auch schon gemacht habe“, bedauert er. 100 von etwa 2000 Seiten zeigt die Ausstellung im Kommunbrauhaus aus Schlüsselfeld.
Über den vielen Bildern und Zeitungsausschnitten hängen von ihm gezeichnete Porträts von Persönlichkeiten, die in den 30 Jahren seinem Brauhaus ein Gesicht gegeben haben. Politiker und Menschen aus dem Brauereiwesen sind darunter, aber, wer genau hinschaut, entdeckt auch ein Selbstporträt des Braumeisters. Den früheren Bezirkstagspräsidenten Richard Bartsch zeichnete Brückler ebenso wie den aktuellen, Peter Daniel Forster. Auch die Museumsleiter Professor Dr. Konrad Bedal und Dr. Herbert May sowie die früheren Bad Windsheimer Bürgermeister Wolfgang Eckardt und Bernhard Kisch sind dabei.
Die Ausstellung zeigt auch ein Stück des Lebens von Brückler. „Mein Leben wäre ärmer gewesen, hätte ich hier nicht gebraut“, sagt der 72-Jährige. Wenn er am Brauen ist, lebt er zeitlos. Seine Frau musste auf die Frage, wann er nach Hause kommt, immer hören: „Wenn ich fertig bin!“
Als er 1995 im Freilandmuseum als Gast weilte, war das Kommunbrauhaus noch Baustelle. Da sei er von Jürgen Strauß von der Bürgerbräu angesprochen worden, ob er sich vorstellen könnte, hier in Zukunft Bier zu brauen. Doch das wollte er eigentlich hier nicht tun. „Auf dem ‚alten Gerütsch‘ wird der Sigi nicht brauen“, habe er damals gesagt.
Doch dann schaltete sich Gerhard Scheubel aus Schlüsselfeld ein, der letzte Besitzer des Brauhauses. Dieser habe ihn überzeugt, am ersten Brautag 1996 zu brauen. Scheubel habe als leidenschaftlicher Brauer den Brautag zelebriert. Und nach diesem Tag ging Brückler heim – „und wie selbstverständlich als zukünftiger Freilandmuseumsbraumeister“.
Als er nach dem zweiten Brautag an Pfingsten erklärt hatte, „kaputt“ zu sein, sagte seine Frau Ruth zu ihm: „Das machst Du nicht.“ Als er das erzählt, lacht seine Frau im Hintergrund. Ihm war damals klar: „Das muss sich ein wenig einrenken.“
Im ersten Jahr waren es schätzungsweise 15 Brautage. Schließlich könne ja nur so viel Bier hergestellt werden, wie auch verkauft werden kann. „Wirt und Brauer – das muss passen.“ Und mit Elmar Röder in der benachbarten Gastwirtschaft aus Mühlhausen passt es.
Dem hat Brückler auch den ersten goldenen Zwickelschlüssel verliehen. Aber auch die Brasilianerin Liane Riente Abrantes, eine Austauschschülerin aus Rio de Janeiro, besitzt zum Beispiel einen solchen. So oft es ging, hatte sie ihm während ihrer Aufenthalte beim Brauen geholfen. Sechs hat er insgesamt vergeben. Er selbst besitzt den Schlüssel aus Messing. Aber egal aus welchem Metall, mit diesem speziellen Schlüssel kann man in jeder Brauerei ein Bier herauslassen.
Viele Gäste hat Brückler schon erlebt, darunter auch der ehemalige Skirennläufer Markus Wasmeier. Der hat übrigens selbst mal in seiner Schlierseer Heimat ein Freilichtmuseum mit historischen Gebäuden eröffnet, natürlich mit einer Brauerei.
Was offen bleibt, ist die Nachfolge von Brückler. Einfach werde das nicht werden, denn es ist ja doch eine sehr alte Brauerei. An erster Stelle steht da die Sauberkeit, dann ist laut Brückler der Besucher wichtig und erst an dritter Stelle kommt das Bierbrauen. Aber vielleicht findet sich ja ein Meister, hofft Brückler, der einen solchen im Blick hat. Denn die Brauerei im Museum sei ein Zugpferd, ist er überzeugt.
Wenn er hier am Sonntag fertig ist, dann wird ihm nicht langweilig. Ein Wort, das er auch gar nicht kennt. Da gibt es eine Wandergruppe. Und seine Familie.
Bislang hat er in vielen Brauereien sein Leben verbracht, bevor er sich zuletzt nur noch der Museumsbrauerei gewidmet hat. Und in seinem Wohnort Thüngersheim (Landkreis Würzburg), wo er der Liebe wegen seit 50 Jahren wohnt, war er auch schon in der „sehr artverwandten Weinkellerwirtschaft“ tätig.
Nein, zu Hause braut er nicht privat weiter. Das Equipment hatte er zwar gekauft, nie gebraucht und mittlerweile wieder verkauft. Schließlich gibt es in Franken ausgezeichnete Helle, sein Lieblingsbier. Dazu braucht er nicht die malzgeschwängerte Luft.
Am Sonntag sind beide Brauhäuser im Museum in Betrieb, das Kommunbrauhaus aus Schlüsselfeld und das Hofbrauhaus aus Kraisdorf. Brückler freut sich auf viele Besucher und Besucherinnen. Auf Letztere besonders, schließlich darf bei ihm immer eine „schöne Frau die Hopfenaromagabe machen“.