70 Hektar sind viel. Mehr als 75 Fußballplätze passen auf die Fläche. In dieser Größenordnung könnte sich das „Solarprojekt Ziegendorf“ bewegen, das in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates vorgestellt wurde. Die Begeisterung im Gremium hielt sich in Grenzen – weil dafür eine politische Neuausrichtung nötig wäre.
Geplant wird das derzeit noch unter dem Arbeitstitel „Solarprojekt Ziegendorf“ firmierende Vorhaben von den Unternehmen Statkraft und Deutscher Bauservice, die bei den Vorbereitungen und der schlüsselfertigen Umsetzung der Anlage Hand in Hand arbeiten. Federführend ist dabei der norwegische staatseigene Betrieb Statkraft, der bereits seit 1999 Energie-Projekte in Deutschland vorantreibt und nun ein Auge auf die bislang vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen zwischen Petersaurach und Lichtenau direkt an der Autobahn geworfen hat.
Im ersten Schritt wurde bei den Grundstückseigentümern von Vertretern des Deutschen Bauservices die Bereitschaft zum Verkauf abgefragt, zudem wurden die Gemeinderäte aus Petersaurach und Lichtenau eingebunden. Nach Auskunft der Firma besteht „von einem Großteil“ der insgesamt 34 betroffenen Grundstücksbesitzer eine „große Bereitschaft“, ihre Flächen abzugeben.
Allerdings würde ebenfalls ein Großteil der Grundstücke, die vornehmlich auf Petersauracher Gemeindegebiet liegen, von dem Solarpark durchschnitten – sollte sich das PV-Freiflächenprojekt lediglich auf privilegierte Flächen beschränken müssen. „Ist eine Genehmigung über den 200-Meter-Rahmen hinaus möglich“, lautete daher eine der zentralen Fragen der Vertreter der Unternehmen an den Gemeinderat.
In so einem Fall wäre dann eine Bauleitplanung notwendig. Auf den Flächen mit einem maximalen Abstand von 200 Metern vom äußeren Fahrbahnrand muss aufgrund des im Januar 2023 erlassenen Gesetzes zum Ausbau erneuerbarer Energien kein Bebauungsplan erstellt werden. Ein vereinfachtes Verfahren wäre ausreichend.
Die Wunschvorstellung der Unternehmen ist es, die ins Auge gefassten Flächen möglichst zusammenzuhalten und als Einheit zu projektieren – was auch den Vorstellungen und Wünschen der Grundstücksbesitzer entgegenkäme. Bei einem Verkauf blieben sie dann nicht auf einer kleinen und schlecht zu bewirtschaftenden Restfläche sitzen, wie der Vertreter von Statkraft ausführte.
Ein zusammenfassendes Areal von 70 Hektar wäre demnach „die Wunschvorstellung“. Als Mindestmaß, das sich noch wirtschaftlich betreiben ließe, gelten demnach 20 Hektar. Entsprechend würde sich die Energieerzeugung reduzieren. Bei einer Fläche von 70 Hektar mit einer Leistung von 80 MWp könnten rund 17.500 Haushalte versorgt werden.
„Da wird mehr projektiert, als abtransportiert werden kann“, gab CSU-Gemeinderat Daniel Mogge zu bedenken. „Ohne Speicher macht so eine Großanlage keinen Sinn“, argumentierte Sebastian Beck (Liste Einigkeit), und an welchem Punkt solle überhaupt eingespeist werden? Fragen, die schon vor einer möglichen Inbetriebnahme 2028/2029 beantwortet werden sollten.
Speicher sind bei dem Projekt vorgesehen, auch die immer beliebter werdende Bürgerbeteiligung ist laut Auskunft der Firmen möglich und sogar erwünscht. Eine finanzielle Beteiligung zwischen 500 und 10.000 Euro sei möglich, bei Laufzeiten von fünf bis sieben Jahren. „Ein Miteinander ist uns wichtig.“
Die zentrale Frage allerdings muss der Gemeinderat in Petersaurach beantworten. Jürgen Arnold (SPD) sieht die Gemeinde dabei „in einem engen Korsett“. Denn bislang war die gängige Praxis, derartigen Projekten nur auf privilegierten Flächen zuzustimmen. „Wir diskutieren sonst über jeden Quadratmeter“, rief Arnold in Erinnerung. Demgegenüber steht die Aussicht, 90 Prozent der aus dem Projekt anfallenden Gewerbesteuer in die klamme Gemeindekasse fließen zu lassen. Man werde sich Gedanken machen, versprach Bürgermeister Herbert Albrecht.