Ein Mammutprojekt für Petersaurach | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 15.09.2024 15:00

Ein Mammutprojekt für Petersaurach

Neben der Autobahn A6 zwischen Petersaurach und Lichtenau könnten bislang landwirtschaftlich genutzte Flächen künftig der Gewinnung von Energie dienen. Das Projekt wurde nun im Gemeinderat vorgestellt. (Grafik: Statkraft)
Neben der Autobahn A6 zwischen Petersaurach und Lichtenau könnten bislang landwirtschaftlich genutzte Flächen künftig der Gewinnung von Energie dienen. Das Projekt wurde nun im Gemeinderat vorgestellt. (Grafik: Statkraft)
Neben der Autobahn A6 zwischen Petersaurach und Lichtenau könnten bislang landwirtschaftlich genutzte Flächen künftig der Gewinnung von Energie dienen. Das Projekt wurde nun im Gemeinderat vorgestellt. (Grafik: Statkraft)

70 Hektar sind viel. Mehr als 75 Fußballplätze passen auf die Fläche. In dieser Größenordnung könnte sich das „Solarprojekt Ziegendorf“ bewegen, das in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates vorgestellt wurde. Die Begeisterung im Gremium hielt sich in Grenzen – weil dafür eine politische Neuausrichtung nötig wäre.

Geplant wird das derzeit noch unter dem Arbeitstitel „Solarprojekt Ziegendorf“ firmierende Vorhaben von den Unternehmen Statkraft und Deutscher Bauservice, die bei den Vorbereitungen und der schlüsselfertigen Umsetzung der Anlage Hand in Hand arbeiten. Federführend ist dabei der norwegische staatseigene Betrieb Statkraft, der bereits seit 1999 Energie-Projekte in Deutschland vorantreibt und nun ein Auge auf die bislang vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen zwischen Petersaurach und Lichtenau direkt an der Autobahn geworfen hat.

„Große Bereitschaft“ zum Verkauf

Im ersten Schritt wurde bei den Grundstückseigentümern von Vertretern des Deutschen Bauservices die Bereitschaft zum Verkauf abgefragt, zudem wurden die Gemeinderäte aus Petersaurach und Lichtenau eingebunden. Nach Auskunft der Firma besteht „von einem Großteil“ der insgesamt 34 betroffenen Grundstücksbesitzer eine „große Bereitschaft“, ihre Flächen abzugeben.

Allerdings würde ebenfalls ein Großteil der Grundstücke, die vornehmlich auf Petersauracher Gemeindegebiet liegen, von dem Solarpark durchschnitten – sollte sich das PV-Freiflächenprojekt lediglich auf privilegierte Flächen beschränken müssen. „Ist eine Genehmigung über den 200-Meter-Rahmen hinaus möglich“, lautete daher eine der zentralen Fragen der Vertreter der Unternehmen an den Gemeinderat.

In so einem Fall wäre dann eine Bauleitplanung notwendig. Auf den Flächen mit einem maximalen Abstand von 200 Metern vom äußeren Fahrbahnrand muss aufgrund des im Januar 2023 erlassenen Gesetzes zum Ausbau erneuerbarer Energien kein Bebauungsplan erstellt werden. Ein vereinfachtes Verfahren wäre ausreichend.

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Wanderwege in der Gemeinde Simmershofen: Viel Natur für die ganze FamilieAbschied nehmen auf der Burg von ColmbergMehr Sicherheit in Betzendorf: Stadtrat stimmt Verkehrsinseln zuInsinger Gemeinderat startet: Ein Neuer wird gleich zweiter BürgermeisterWie im Stadtwald von Burgbernheim kleine Bäume vor Verbiss geschützt werdenAbschied und Willkommen im Gemeinderat Ohrenbach: Fünf Neugewählte vereidigtGlasfaser für 45 weitere Adressen in Neuendettelsau: Was das die Kommune kostetNach Streit um Heizkraftwerk: Nahwärmenetz für Rügland nimmt eine weitere HürdeMit Flohmarkt und Blaulicht-Einblicken: Freibad-Eröffnung in LichtenauBeim Dorfgemeinschaftshaus Oberscheckenbach hat der Feuerwehrteil PrioritätFünf Großbaustellen in Burgoberbach: Bürgermeister sieht Gemeinde auf gutem WegWegen zweier gleichzeitiger Baustellen drohen in Ippesheim VerkehrsproblemeIn Wettringen werden fünf neue Mitglieder des Gemeinderates vereidigt„Fang mer ou”: Die neue Rathauschefin von Geslau legt mit einem Mundartsatz losVier Stunden lang vereidigt und diskutiert: Das ist der neue Uffenheimer Stadtrat

17.500 Haushalte könnten versorgt werden

Die Wunschvorstellung der Unternehmen ist es, die ins Auge gefassten Flächen möglichst zusammenzuhalten und als Einheit zu projektieren – was auch den Vorstellungen und Wünschen der Grundstücksbesitzer entgegenkäme. Bei einem Verkauf blieben sie dann nicht auf einer kleinen und schlecht zu bewirtschaftenden Restfläche sitzen, wie der Vertreter von Statkraft ausführte.

Ein zusammenfassendes Areal von 70 Hektar wäre demnach „die Wunschvorstellung“. Als Mindestmaß, das sich noch wirtschaftlich betreiben ließe, gelten demnach 20 Hektar. Entsprechend würde sich die Energieerzeugung reduzieren. Bei einer Fläche von 70 Hektar mit einer Leistung von 80 MWp könnten rund 17.500 Haushalte versorgt werden.

„Da wird mehr projektiert, als abtransportiert werden kann“, gab CSU-Gemeinderat Daniel Mogge zu bedenken. „Ohne Speicher macht so eine Großanlage keinen Sinn“, argumentierte Sebastian Beck (Liste Einigkeit), und an welchem Punkt solle überhaupt eingespeist werden? Fragen, die schon vor einer möglichen Inbetriebnahme 2028/2029 beantwortet werden sollten.

Speicher und Bürgerbeteiligung

Speicher sind bei dem Projekt vorgesehen, auch die immer beliebter werdende Bürgerbeteiligung ist laut Auskunft der Firmen möglich und sogar erwünscht. Eine finanzielle Beteiligung zwischen 500 und 10.000 Euro sei möglich, bei Laufzeiten von fünf bis sieben Jahren. „Ein Miteinander ist uns wichtig.“

Die zentrale Frage allerdings muss der Gemeinderat in Petersaurach beantworten. Jürgen Arnold (SPD) sieht die Gemeinde dabei „in einem engen Korsett“. Denn bislang war die gängige Praxis, derartigen Projekten nur auf privilegierten Flächen zuzustimmen. „Wir diskutieren sonst über jeden Quadratmeter“, rief Arnold in Erinnerung. Demgegenüber steht die Aussicht, 90 Prozent der aus dem Projekt anfallenden Gewerbesteuer in die klamme Gemeindekasse fließen zu lassen. Man werde sich Gedanken machen, versprach Bürgermeister Herbert Albrecht.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
north