„Ein ziemlicher Brummer” für Dinkelsbühl: Kontroverse im Stadtrat um Pflegeheim | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 26.09.2025 09:00

„Ein ziemlicher Brummer” für Dinkelsbühl: Kontroverse im Stadtrat um Pflegeheim

Die Erschließungsarbeiten für den zweiten Bauabschnitt im Dinkelsbühler Quartier Gaisfeld IV sind angelaufen. Unter anderem soll in diesem Viertel eine weitere Pflegeeinrichtung entstehen.<br>Neues Wohngebiet Baugebiet Wohnungsbau Eigenheim (Foto: Martina Haas)
Die Erschließungsarbeiten für den zweiten Bauabschnitt im Dinkelsbühler Quartier Gaisfeld IV sind angelaufen. Unter anderem soll in diesem Viertel eine weitere Pflegeeinrichtung entstehen.
Neues Wohngebiet Baugebiet Wohnungsbau Eigenheim (Foto: Martina Haas)
Die Erschließungsarbeiten für den zweiten Bauabschnitt im Dinkelsbühler Quartier Gaisfeld IV sind angelaufen. Unter anderem soll in diesem Viertel eine weitere Pflegeeinrichtung entstehen.
Neues Wohngebiet Baugebiet Wohnungsbau Eigenheim (Foto: Martina Haas)

Ein Wohnbauprojekt im zweiten Bauabschnitt des Quartiers Gaisfeld IV sorgt im Dinkelsbühler Stadtrat für Kopfzerbrechen. Im Gremium gibt es die Sorge, dass das geplante Projekt die Konkurrenz um Pflegekräfte verschärfen könnte und die bestehenden Einrichtungen dadurch gefährdet werden.

Die Investoren von der Ströbel Bau GmbH mit Sitz in Schrozberg (Baden-Württemberg) präsentierten dem Stadtrat am Mittwoch ihr Projekt, das auf der Sonderfläche „SO1” im Gaisfeld IV entstehen soll. Dieses Grundstück hat die Zweckbestimmung „Personen mit Beeinträchtigung”.

Das Projekt, das den Namen „Eisenhut” tragen soll, sieht ein Pflegeheim mit drei Wohngruppen vor. Darin soll es 47 Einzel- und sechs Doppelzimmer geben. Wer das Pflegeheim betreiben soll, wurde in der Sitzung nicht gesagt. Timo und Christian Ströbel vom Bauträger nannten in der Sitzung aber die Träger ähnlicher Angeboten in der Region. Dazu zählen zum Beispiel Diakoneo, aber auch private Anbieter.

Heim finanziert sich aus den Wohnungen

Das Angebot eines Pflegeheims finanziert sich aus den Wohnungen, die in dem Komplex entstehen sollen. Die Rede war von 14 Zwei-Zimmer- und 13 Drei-Raum-Wohnungen, die sich auf vier Geschosse verteilen. Über die genaue Dimension des Baukörpers in Siedlungsrandlage konnten die Investoren keine exakten Angaben machen, wollen diese aber nachreichen. Timo und Christian Ströbel berichteten auch, dass eine ihrer Gesellschaften künftig die Hausverwaltung übernehmen würde, so wie das auch in den anderen Anlagen Usus ist.

Nach der Präsentation fragte der CSU-Fraktionsvorsitzende Klaus Huber, woher das Personal für das Pflegeheim kommen werde und sprach in diesem Zusammenhang von einem „ruinösen Wettbewerb” auf diesem Sektor. Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer (CSU) hakte nach, wo die Personalakquise stattfinden werde.

Das könnte Sie auch interessieren
Vier Stunden lang vereidigt und diskutiert: Das ist der neue Uffenheimer StadtratUnstimmigkeiten: So lief die konstituierende Sitzung in WindsbachMitteilung statt Beschluss: Keine Abstimmung über Bauantrag für Roßmühlen-ProjektVerabschiedung von Rothenburger Stadträten: 282 Jahre ErfahrungViel Applaus und Standing Ovations für ehemalige Stadtratsmitglieder in RothenburgThomas Härpfer vom Stellvertreter-Posten in Leutershausen verabschiedetKünftig gibt es mehr Sitzungen für die Stadtratsmitglieder von AnsbachMut zu Veränderungen in Heilsbronn: Bürgermeisterin Didion und der Rat legen losInteressengemeinschaft macht gegen große Biogas-Anlage in Feuchtwangen mobilIm Stadtrat Wassertrüdingen: Neues Bürgerbündnis scheitert mit VorstoßNeue Schulden und neue Projekte: Hier will sich Windsbach 2026 modernisierenPremiere in Schillingfürst: Großer Andrang bei erster Sitzung von Markus DinzlStadtrat in Herrieden wählt Posten: „Verpasste Chance für neues Miteinander”Wieder ohne Bürgermeister-Eröffnungssprung: Uffenheimer Freibad startet am FreitagFestakt zur Einweihung des sanierten Stadions in Leutershausen
Räume alleine genügen nicht. Ohne Pflegekräfte für Senioren machen neue Häuser keinen Sinn, lautet ein Argument in der Dinkelsbühler Kontroverse.  (Symbolbild: Martin Schutt/dpa)
Räume alleine genügen nicht. Ohne Pflegekräfte für Senioren machen neue Häuser keinen Sinn, lautet ein Argument in der Dinkelsbühler Kontroverse.  (Symbolbild: Martin Schutt/dpa)

Personalmangel spitzt sich zu: Sorge um zu viel Pflegeheime im Raum Dinkelsbühl

Ein geplantes Projekt ruft Kritik hervor. Dadurch wird die Konkurrenz um Mitarbeitende noch größer, fürchtet der Leiter eines Seniorenzentrums in Dinkelsbühl.
24.09.2025 18:14
query_builder4min

Zweifel an der Notwendigkeit

Bürgermeisterin Nora Engelhard (Dinkelsbühl gemeinsam gestalten, DGG), berichtete von der Situation im Stephanus Senioren- und Pflegezentrum in Dinkelsbühl. Dort habe der Leiter Markus Eisen eine vierte Station eröffnen und damit die 30 freien Plätze belegen wollen. Allerdings sei das aufgrund der fehlenden Pflegekräfte nicht möglich gewesen. Engelhard sprach davon, dass 20 Mitarbeitende der Einrichtung mit Jobangeboten anderer neuer Einrichtungen direkt angeschrieben worden seien.

„Der Leiter des Stephanusheimes hat Angst, dass seine Einrichtung draufgeht”, drückte sich die Bürgermeisterin deutlich aus. Und sie sprach auch von „deutlichen Preisunterschieden” zwischen gemeinnützigen und privaten Einrichtungen. Sie mahnte: „Das Stephanusheim darf keine Miesen machen.” Sie sei sich jedenfalls nicht sicher, ob die Stadt die geplante Einrichtung brauche.

Den Bedarf sehe er, meinte Florian Schneider (DGG), aber ein potenzieller Betreiber solle das „schlüssig vorstellen”. OB Hammer dämpfte die Erwartungen: Es werde sich im Vorfeld vermutlich kein Betreiber im Stadtrat präsentieren.

OB fürchtet die Konkurrenz

Die Investoren sprachen im Zusammenhang mit diesen Kritikpunkten von einem „politischen Versagen”. Jetzt deswegen nichts mehr zu bauen, wäre ihrer Ansicht nach aber auch der falsche Weg. OB Hammer fürchtete die Konkurrenz, die jetzt rund um Dinkelsbühl entstehe: „Dinkelsbühl kann dann vielleicht den Bedarf nicht mehr decken.”

Um bauliche Fragen ging es ebenfalls: „Das ist schon ein ziemlicher Brummer”, fasste SPD-Fraktionsvorsitzender Paul Beitzer seine Kritik zusammen. Die vier Geschosse widersprächen den ursprünglich hier vorgesehenen zwei Etagen. Außerdem würde das Grundstück „gut bebaut”, wie er sich angesichts des geplanten Gebäudevolumens ausdrückte.

Heinrich Piott (Wählergruppe Land) wollte es dann genau wissen. Allerdings konnten die Investoren zur exakten Länge und Höhe keine Angaben machen. Er jedenfalls könne bei einer viergeschossigen Bauweise nicht mitgehen. WGL-Fraktionsvorsitzender Georg Piott fürchtete, dass die bestehenden Pflegeheime in Dinkelsbühl „zu Grunde gehen” könnten.

Piotts Fraktionskollege Wilfried Lehr vermisste bei der Vorstellung exakte Zahlen, die den Bedarf in Dinkelsbühl widerspiegeln. Man müsse das Projekt gesamtgesellschaftlich betrachten und nicht nur aus der Perspektive der Investoren, die Häuser bauten und Wohnungen verkaufen, so Lehrs Auffassung.

Sind mit dem Erreichten zufrieden (von links): Dr. Petra Ziegler, Dr. Christoph Hammer, Dr. Markus Naser und Michaela Ebner erläuterten, was sie vom Beschluss in Sachen ANregiomed halten. (Foto: Robert Maurer)
Sind mit dem Erreichten zufrieden (von links): Dr. Petra Ziegler, Dr. Christoph Hammer, Dr. Markus Naser und Michaela Ebner erläuterten, was sie vom Beschluss in Sachen ANregiomed halten. (Foto: Robert Maurer)

Nach ANregiomed-Entscheidung: Erste Reaktionen aus Dinkelsbühl und Rothenburg

Nach dem Krankenhaus-Kompromiss gibt es etwas Optimismus. Die Oberbürgermeister und die Vorsitzenden der jeweiligen Krankenhaus-Fördervereine sind erleichtert.
25.09.2025 06:01
query_builder4min

Auf die Frage, ob es beim vierten Geschoss um eine Gewinnmaximierung gehe, antworteten Timo und Christian Ströbel, dass eine solche Bauweise wirtschaftlicher sei. OB Hammer fügte hinzu, dass die Wohnungen notwendig seien, um die Pflegeeinrichtung gegenzufinanzieren.

„Städtebaulicher Tiefschlag”

Holger Göttler, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Dinkelsbühl, verglich die Dimension des geplanten Gebäudes mit dem Ausmaß des Rohbaus am Ellwanger Kreisel. Er war der Ansicht, dass der Bebauungsplan geändert werden müsste, um das Vorhaben zu realisieren. Seine Meinung zum Projekt: „Das ist ein städtebaulicher Tiefschlag.”

Sein Fraktionskollege Matthias Schreiber kritisierte, dass der Bauinteressent mit seiner viergeschossigen Bauweise das doppelte Volumen errichten könnte als die Menschen, denen auf ihren Grundstücken nur eine zweistöckige Bauweise erlaubt sei. „Zum gleichen Grundstückspreis”, fügte er noch hinzu. Und anschließend wären die Privaten „mit dieser Burg konfrontiert”.

Eines stellten die Investoren am Ende klar: Zweigeschossig würden sie ihr Projekt in Dinkelsbühl nicht realisieren. Um den Grundstücksverkauf sollte es in der nichtöffentlichen Sitzung gehen. Nach Informationen der FLZ soll das Thema in der kommenden Stadtratssitzung noch einmal aufgegriffen werden.

north