So ganz können sie noch nicht glauben, was da am Montag im Verwaltungsrat von ANregiomed passiert ist: Der Kompromiss kam zwar mit Ankündigung, doch angesichts der langen Vorgeschichte hatten Michaela Ebner, Dr. Petera Ziegler, Dr. Markus Naser und Dr. Christoph Hammer durchaus Zweifel, ob die Lösung tatsächlich kommt.
So sitzen die beiden Oberbürgermeister von Rothenburg und Dinkelsbühl sowie die beiden Vorsitzenden der jeweiligen Krankenhaus-Fördervereine noch ein wenig perplex im Saal des Dinkelsbühler Rathauses vor einer kleinen Gruppe Journalisten, um zu erläutern, was das nun für den westlichen Landkreis und angrenzende Gebiete bedeutet. „Der Beschluss hat große Erleichterung gebracht”, fasst Hammer zusammen, was seit Montag an Reaktionen bei ihm aufgelaufen ist.
Die vor der Tür stehende Kommunalwahl hat die Kompromissfindung sicherlich beflügelt: Beide Kliniken bleiben erhalten, müssen aber – ebenso wie Ansbach – Abstriche verkraften. In Rothenburg wird es die Kardiologie nur noch ambulant geben, aber die 24/7-Chirurgie bleibt – mindestens bis 2030. In Dinkelsbühl kann die Tele-Stroke-Unit für Schlaganfallpatienten im bisherigen Umfang fortgeführt werden und die Endprothetik – also die künstlichen Gelenke – läuft ebenfalls weiter. Wenn der Bauabschnitt 6 in Ansbach fertiggestellt ist, soll die Abteilung umziehen – das ist frühestens in fünf Jahren, vermutlich später.
In den vergangenen zwei, drei Jahren haben Ebner, Ziegler, Naser und Hammer stets Seite an Seite gekämpft, um die beiden Standorte als Krankenhäuser zu erhalten. Nach diversen Gutachten und einem Strategieprozess hatte am 19. Februar dieses Jahres die Entscheidung auf der Tagesordnung gestanden, Dinkelsbühl und Rothenburg zu Sektorübergreifenden Versorgern abzuwerten. Was das bedeuten würde, ist bis heute nicht definiert. Klar ist nur, dass viele Angebote nur noch ambulant abgewickelt würden. „Das hat mit dem, was wir landläufig unter einem Krankenhaus verstehen, nichts zu tun”, ist OB Naser überzeugt.
„Wir haben jetzt Häuser, die als Grund- und Regelversorger durchgehen”, bringt Hammer die Entscheidung vom Montag auf den Punkt. Nach seiner Wahrnehmung akzeptieren die Beschäftigten – sie wurden in Personalversammlungen am Dienstag ausführlich informiert – und die Bevölkerung den gefundenen Kompromiss, auch wenn dieser Einschnitte bringt. „Die Menschen haben mitbekommen, was gedroht hat.”
Im Strategieprozess war schließlich auch über die komplette Schließung beider Häuser diskutiert worden, erinnert Naser. Dass es gelungen sei, das zu drehen, sei eine enorme Leistung, befand der OB von Rothenburg. „Der Zusammenhalt von Dinkelsbühl und Rothenburg in dieser Sache war wirklich phänomenal.” Die Protestaktionen hätten letztlich Wirkung gezeigt.
Das sehen auch die Vorsitzenden der Fördervereine so. „Das war eine Teamleistung”, sagt Michaela Ebner und strahlt. „Es ist unglaublich viel gewonnen.” Ganz so euphorisch mag ihre Kollegin aus Dinkelsbühl sich nicht äußern. Aber auch Petra Ziegler ist sehr zufrieden, dass Dinkelsbühl die Tele-Stroke-Unit und die Endoprothetik zumindest auf Zeit behalten kann. Zurücklehnen könne man sich deshalb noch nicht. Denn es gelte zu überlegen, wie es nach dem Umzug nach Ansbach weitergehen kann, sagte Hammer. Aber der größte Druck ist aus dem Kessel.
Ziegler bedankte sich ausdrücklich bei allen, die sich in den vergangenen Jahren an den Veranstaltungen des Fördervereins beteiligt haben und somit ein Zeichen des „passiven bürgerlichen Widerstands” gesetzt haben. Dem schloss Ebner sich eindeutig an. „Wir haben dafür gesorgt, dass der Westen des Landkreises eine Stimme hat.”