Ein neugieriger Wirt, ein diebischer Ehemann sowie dessen Frau, die zugleich die Tochter des Wirts ist und ein heimliches Rendezvous mit einem Gast plant, der wiederum ihren Ehemann bestehlen möchte: Aus diesen Zutaten hat Johann Wolfgang von Goethe um das Jahr 1769 sein Lustspiel „Die Mitschuldigen“ verfasst.
Am Mittwoch um 20 Uhr hat das Stück mit dem Titel „Der doppelte Diebstahl“ unter der Regie von Tobias Rott im Toppler Theater Premiere. Die modernisierte Version des Schauspiels ist die erste Eigenproduktion des Theaters in diesem Jahr. Genau dieses Stück hier zu spielen, war Rotts spontaner Gedanke, als er 2015 das erste Mal im Rothenburger Theater stand. „Ich war entzückt – ja, das ist genau das richtige Wort“, sagt er.
Mittlerweile kennt er die lokale Bühne gut, die er für seine Inszenierung in ein Gasthaus verwandelt. 2018 war er in „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ als Schauspieler zu sehen, 2021 und 2022 in „Der Kredit“. Jetzt hat er die Seiten gewechselt und führt erstmals in Rothenburg Regie.
Zwar sei Goethes Schauspiel schon alt, dennoch spiegelten sich darin aktuelle Themen wider, meint Rott: die Pandemie mit ihren Einschränkungen unter anderem für das Gastgewerbe, der Ukraine-Krieg – „die Zeit ist im Moment so ungewiss wie schon sehr lange nicht mehr“.
Auch der Beweggrund für das Handeln der vier Protagonisten Goethes ist zeitlos, so Rott: „Das ist die Gier – nach Aufmerksamkeit, nach Wollust, nach Geld, nach Informationen.“ Genau daran kranke doch unsere Gesellschaft, sagt der Regisseur. „Der Kapitalismus befördert uns in der Gier, wir wollen immer mehr, sind nie zufrieden.“
Trotzdem sei „Goethes Schauspiel eine brachiale Komödie, eine Mischung aus Groteske, Volkstheater und Romantic Comedy“. Dem Regisseur ist wichtig, nicht in die Albernheit abzugleiten: „Wir wollen komisch um der Komik willen sein.“
Erst 20 Jahre alt war Goethe, als er das Stück geschrieben hat – zunächst als Einakter, den er später zum Dreiakter erweitert hat. „Ein Dreiakter ist es auch bei uns“, so Rott. Die Vorlage habe er „dezent modernisiert“, gemeinsam mit Carsten Golbeck, der zuletzt im Vorjahr Irmgard Keuns Roman „Das kunstseidene Mädchen“ in eine Bühnenversion verwandelt hatte. „Wir haben hier ein bisschen gestrafft und da ein bisschen erweitert, um das Stück prägnanter zu machen.“ Auch ein paar aktuelle Exkursionen kämen nun darin vor.
Anders als in den meisten Stücken, die 50 Jahre oder älter sind, werde die Frau nicht als schwaches Wesen gezeichnet, das von den Männern gerettet werden muss. Vielmehr hat Sophie als Tochter des Wirts, Ehefrau des diebischen Söllers und heimliche Geliebte des Gastes Alceste, am Ende die Macht der Entscheidung: zwischen Geld und der ehelichen Verbundenheit.
Wie die ausfallen wird, verrät der Regisseur noch nicht, verspricht jedoch: Wenn Mackie Heilmann, Peter Bernhard, Daniel Breitfelder und Daniel Dietrich gemeinsam auf der von Cornelia Brey gestalteten Bühne stehen, „gibt das einen tollen und spaßigen Sommerabend“.