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Veröffentlicht am 12.02.2023 14:00

„Etz langt’s“ kritisiert PFC-Verseuchung am Soldatenweiher

Die Bürgerinitiative (BI) „Etz langt’s“ lässt nicht locker: Von der Stadt Ansbach jetzt freigegebene Messdaten vom Soldatenweiher belegten, dass der Urlas mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) verseucht sei. Die BI fordert, die Schadensquelle zu identifizieren.

„Jetzt ist klar, dass der Chemie-Cocktail sogar im Bereich des Soldatenweihers, also weit entfernt vom Feuerlöschplatz in Katterbach, im Grundwasser angekommen ist“, stellte BI-Vorstand André Fitzthum in einer Pressemitteilung fest. Die Probe wurde am 20. Dezember an einer nicht näher bezeichneten Grundwassermessstelle gezogen.

Die Ergebnisse wurden laut Auskunft der Stadt am 17. Januar dem Umweltamt übermittelt und an das Wasserwirtschaftsamt mit der Bitte um Stellungnahme weitergeleitet. Demnach lagen von 13 im Merkblatt des Landesamtes für Umwelt für PFC genannten zwei über der Nachweisgrenze: Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) und Perfluorhexansulfonsäure (PFHxS).

Die US-Armee hatte in der Vergangenheit immer wieder beteuert, dass am Feuerwehr-Übungszentrum am Urlas – anders als am alten Löschplatz in der Katterbach-Kaserne – niemals PFC-haltige Löschschäume zum Einsatz gekommen seien. Boris-André Meyer, Stadtrat der Offenen Linken Ansbach (OLA) und Sprecher der Bürgerinitiative, hält es „für immer wahrscheinlicher, dass die US-Armee dem Ansbacher Stadtrat die Unwahrheit gesagt hat“. Sein Misstrauen ist auch deshalb gewachsen, weil die US-Armee sich auf seine Anfrage hin geweigert habe, die genaue Lage des PFC-Messpunktes am Soldatenweiher zu benennen.

Derweil lässt die Abstromsicherung, die verhindern soll, dass immer mehr PFC übers Grundwasser vom Kasernengelände in Katterbach in die Umgebung transportiert werden, weiter auf sich warten. Über zwei Jahre, nachdem die US-Armee ein Sanierungsgutachten vorgelegt hat, haben die Bauarbeiten noch nicht begonnen. Seit Oktober lief immerhin eine Pilotanlage, um das beste Filtermedium zur Reinigung des Grundwassers zu identifizieren.

Jetzt wartet man in Katterbach auf grünes Licht vom Army Environmental Command (AECOM), der Umweltbehörde der US-Armee. Die Ansbacher Garnison sei informiert worden, dass mit der Genehmigungsplanung in den nächsten Wochen zu rechnen sei, hieß es auf Anfrage der FLZ. Die Ergebnisse des Pilotversuchs würden dabei berücksichtigt.

Sanierung am Milmersbach stockt

„Etz langt’s“-Vorstand Wolfgang Schmidt lenkt derweil den Blick auf die Verhältnisse östlich der Katterbach-Kaserne auf dem Gemeindegebiet von Sachsen bei Ansbach. Hier sollte die Sanierung der Regenwasserkanalisation verhindern, dass PFC den Milmersbach kontaminieren. Diese Maßnahmen seien erfolglos geblieben, so Schmidt. Bei aktuellen Beprobungen im Auftrag des Landratsamtes seien höhere Werte gemessen worden als im Vorjahr.

Seit Monaten steht die Sanierung weiterer Kanäle aus. Auf Anfrage der BI teilte das Landratsamt mit, „dass unserem letzten Kenntnisstand zufolge noch keine Mittelzuweisung für den zweiten Teil der Kanalsanierung ergangen ist“. Schmidt findet, man müsse jetzt „eine Vorleistung des Landratsamtes in Betracht ziehen. Wir können als Region dem PFC-Fiasko nicht mehr tatenlos zusehen.“

Zum Thema ist am morgigen Dienstag, 14. Februar, um 19.30 Uhr in den Ansbacher Kammerspielen der Film „Vergiftete Wahrheit“ über einen Umweltskandal in den USA zu sehen. Im Anschluss diskutiert Wolfgang Schmidt mit Rechtsanwältin Dr. Sylvia Meyerhuber und Dr. Christian Schoen als Moderator. Der Eintritt ist frei.

Der winterliche Soldatenweiher direkt neben der Bundesstraße 14. In einem Wassergraben in der Nähe hat „Etz langt’s“ horrende PFC-Werte gemessen. (Foto: Jim Albright)
Der winterliche Soldatenweiher direkt neben der Bundesstraße 14. In einem Wassergraben in der Nähe hat „Etz langt’s“ horrende PFC-Werte gemessen. (Foto: Jim Albright)
Der winterliche Soldatenweiher direkt neben der Bundesstraße 14. In einem Wassergraben in der Nähe hat „Etz langt’s“ horrende PFC-Werte gemessen. (Foto: Jim Albright)

Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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