Was ist das für ein Geruch? Wer spricht? Was dröhnt da so im Hintergrund? Wie ist die Stimmung im Raum? Manche Menschen nehmen die Details ihrer Umgebung besonders intensiv wahr und können Umweltreize nicht einfach ausblenden. Unter Umständen kann eine sogenannte Hochsensibilität dahinterstecken.
Laut Steffen Häfner, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, handelt es sich dabei um eine „überdurchschnittliche Empfindlichkeit des Nervensystems gegenüber inneren und äußeren Reizen“. Sie zeige sich beispielsweise in einem feinen Gespür für nonverbale und paraverbale Signale, etwa bei minimalen Abweichungen von Mimik und Tonfall.
„Ein solch ausgeprägtes Erleben kann allerdings auch andere Gründe haben“, so der Ärztliche Direktor der Klinik am schönen Moos in Bad Saulgau. In verschiedenen Fällen kann es ihm zufolge Überschneidungen in Verhalten und Erleben geben, die Unterschiede werden aber recht schnell klar. Einige Beispiele:
Dem Facharzt zufolge reichen einzelne psychologische Muster wie „Ich bin schnell überreizt“ nicht aus, um auf Persönlichkeitsmuster, psychische Störungen oder Merkmale einer Neurodivergenz zu schließen.
Wichtig: Hochsensibilität ist keine psychische Störung und keine medizinische Diagnose. Sie wird als Persönlichkeitsmerkmal beschrieben und ist als solche in der Regel nicht behandlungsbedürftig. Das Konzept geht maßgeblich auf die US-amerikanische Psychologin Elaine N. Aron zurück, die einen Fragebogen zur Erfassung entsprechender Merkmale entwickelte. Die Forschung dazu ist in vielen Bereichen aber noch nicht abgeschlossen. Allgemein anerkannte diagnostische Kriterien gibt es somit bislang nicht.
Vielen Menschen kann Einordnung aber dabei helfen, „das persönliche Erleben besser zu verstehen und so zu erkennen, was einem guttut und wo die eigenen Grenzen liegen“, wie Steffen Häfner sagt. Wer sich durch die eigene Reizempfindlichkeit belastet fühlt, kann beobachten, in welchen Situationen Überforderung auftritt und welche Maßnahmen anschließend entlasten – etwa Rückzug, ausreichende Erholung oder ein bewusster Umgang mit sozialen Kontakten.
Zudem sollte nicht jede Form von Überforderung vorschnell als Hochsensibilität gedeutet werden. Womöglich sind auch psychische und körperliche Beschwerden Ursache für Beeinträchtigungen im Alltag. Hier ist eine fachliche Abklärung sinnvoll.
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