Firma JRS schließt Allspan-Werk in Wilburgstetten: Mitarbeiter sind stinksauer | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 22.04.2025 14:14

Firma JRS schließt Allspan-Werk in Wilburgstetten: Mitarbeiter sind stinksauer

„Allspan German Horse“ ist spezialisiert auf die Herstellung und den Vertrieb von Einstreuprodukten auf Holzbasis. Das Unternehmen nutzt hierzu das Restholz aus der Holzindustrie wie beispielsweise in Wilburgstetten von der benachbarten Rettenmeier Holding AG. (Foto: Lisa-Maria Liebing)
„Allspan German Horse“ ist spezialisiert auf die Herstellung und den Vertrieb von Einstreuprodukten auf Holzbasis. Das Unternehmen nutzt hierzu das Restholz aus der Holzindustrie wie beispielsweise in Wilburgstetten von der benachbarten Rettenmeier Holding AG. (Foto: Lisa-Maria Liebing)
„Allspan German Horse“ ist spezialisiert auf die Herstellung und den Vertrieb von Einstreuprodukten auf Holzbasis. Das Unternehmen nutzt hierzu das Restholz aus der Holzindustrie wie beispielsweise in Wilburgstetten von der benachbarten Rettenmeier Holding AG. (Foto: Lisa-Maria Liebing)

Laut Handelsregister betreibt die Firmengruppe J. Rettenmaier & Söhne (JRS) seit Mitte 2019 das Werk „Allspan German Horse“ in Wilburgstetten. Damit soll ab kommenden Juni Schluss sein. Mehrere betroffene Mitarbeitende haben sich deshalb an die FLZ gewandt.

Von einem „Skandal um eine Arbeitsplatzgarantie“ spricht dabei beispielsweise Herbert T. (Name von der Redaktion geändert), der anonym bleiben will. Wie er schreibt, stehe die Belegschaft vor einem Scherbenhaufen. „Nachdem jahrelang Gerüchte um eine drohende Werksschließung kursierten, wurde den Mitarbeitern mehrfach eine Arbeitsplatzgarantie zugesichert. Doch jetzt erinnert sich die Geschäftsleitung der JRS Gruppe plötzlich nicht mehr an ihr eigenes Versprechen“, betont der Betroffene.

Statt vergleichbarem Arbeitsplatz gab es Kündigungen

Ein vergleichbarer Arbeitsplatz innerhalb der JRS Gruppe sei den Angestellten laut Herbert T. zwar zugesagt worden. Stattdessen hätten nun alle Mitarbeitenden Ende Januar eine Kündigung erhalten. „Obwohl die JRS Gruppe nachweislich weiterhin händeringend nach neuen Arbeitskräften sucht – und dies sogar über Flyer und Werbemaßnahmen bekannt macht – werden die ehemaligen Mitarbeiter aus Wilburgstetten nicht übernommen“, so seine Kritik.

Wie das Unternehmen auf Anfrage der FLZ in einer Pressemitteilung erklärt, habe es nach reiflicher Überlegung die Entscheidung gegeben, den angemieteten Produktionsstandort Wilburgstetten in dieser Form nicht mehr weiterzubetreiben. Mit der Aufgabe des Standorts seien ordnungsgemäße, betriebsbedingte Kündigungen verbunden gewesen. Die Produktionseinrichtungen und der Anlagenbestand würden aufgelöst werden. Wie Michael Binder, Presse-Kontaktstelle der JRS Gruppe, bestätigt, sei allen Mitarbeitenden proaktiv und frühzeitig angekündigt worden, offene Stellen an anderen JRS-Produktionsstandorten anbieten zu wollen.

Mitarbeiterin: „Mir wurde kein einziger Job angeboten”

Aber: „Voraussetzung hierbei ist ein passendes Eignungsprofil der Mitarbeiter für die jeweils neuen Aufgaben“, ergänzt Binder. Mehrfache Gespräche und Angebote seien anschließend erfolgt. „Wir freuen uns, dass sich eine ganze Reihe ehemaliger Allspan-German-Horse-Mitarbeiter mittlerweile für neue Aufgaben in der JRS Gruppe entschieden haben. Allerdings haben wir auch mehrere Absagen erhalten, beziehungsweise sind ehemalige Mitarbeiter bereits vorzeitig zu anderen Firmen gewechselt.“

„Mir wurde kein einziger Job angeboten“, betont hingegen Julia K. (Name von der Redaktion geändert), „obwohl ich mich in allen Systemen des Unternehmens perfekt auskenne. Wenn sie wirklich keine Stelle für mich haben, dann wäre das ja kein Problem, aber dann müssen sie eine ordentliche Abfindung zahlen.“ Die Mitarbeiterin hat das Anliegen nun an ihren Rechtsanwalt übergeben. „Keiner von uns wollte je einen Rechtsstreit mit der Firma, aber mit eigenen Mitarbeitern so umzugehen, ist einfach respektlos. Wir kämpfen weiter“, betont sie abschließend.

Ein Mitarbeiter spricht von „Knebelverträgen”

Kämpfen will auch Walter S. (Name von der Redaktion geändert). Der Über-60-Jährige wisse nicht, wie es weitergehen soll. „In meinem Alter ist es einfach sehr schwer, noch einen Arbeitsplatz zu finden.“

Wie er erzählt, würden nur sechs Personen der aktuell rund 20 Mitarbeitenden am JRS-Standort Rosenberg weiterbeschäftigt. „Ich weiß nicht, was da mit jedem einzelnen verhandelt wurde. Aber die Verträge, die ich gesehen habe, waren Knebelverträge. Denen wurde die Pistole an die Brust gesetzt, dass sie entweder unterschreiben oder eben ihren Arbeitsplatz verlieren.“

Pressereferent Binder betont, dass der gesamte Projektablauf „sehr kooperativ, gesetzeskonform und transparent“ gegenüber den betroffenen Mitarbeitern begleitet worden sei. Zudem werde allen, die bis zum Ende der Produktion am Standort Wilburgstetten aktiv verbleiben, eine Prämie ausbezahlt. Zu laufenden rechtlichen Vorgängen könne das Unternehmen aktuelle keine Stellung nehmen, so Binder abschließend.

north