Inmitten der Findungsphase um die neu gegründete selbstständige Bundesliga herrscht im deutschen Frauenfußball erst mal Katzenkammer. Das dramatische Ausscheiden des VfL Wolfsburg und von Eintracht Frankfurt in der Champions-League-Qualifikation passt zu der Abwanderung von immer mehr Nationalspielerinnen ins Ausland. In der Ligaphase der Königsklasse, die an diesem Freitag ausgelost wird, ist jetzt nur noch der gesetzte Doublegewinner FC Bayern München dabei.
Für den Vizemeister aus Wolfsburg und den letztjährigen Liga-Dritten aus Frankfurt geht es nur im weitaus weniger attraktiven Europa Cup weiter. „Es wird schwer, sich darauf zu freuen, um ehrlich zu sein“, sagte Eintracht-Kapitänin Laura Freigang nach dem 1:5 nach Verlängerung bei Paris Saint-Germain (Hinspiel: 1:1). Sie räumte ein: „Hinten raus fallen wir auseinander.“
Ganz bitter verlief auch der Abend für Wolfsburgs favorisierte Frauen, die zu Hause Inter Mailand noch mit 2:0 geschlagen hatten, das Elfmeterschießen auswärts aber mit 4:5 verloren. Vor allem die weinende Mara Alber, die den entscheidenden Fehlschuss abgegeben hatte, musste danach getröstet werden.
„Jetzt fühlt sich alles erst mal sehr leer an. Es ist natürlich sehr enttäuschend. Es fehlen einem noch ein bisschen die Worte. Da müssen wir gemeinsam durch“, sagte VfL-Trainer Stephan Lerch in einer ersten Reaktion. „Heute sind wir alle einfach brutal enttäuscht, da kann man gerade nicht nach vorn blicken, das geht auch nicht“.
Wolfsburg hatte 2013 und 2014 in der Königsklasse triumphiert und stand 2016, 2018, 2020 und 2023 im Finale. In der ersten Saison nach dem Abgang von Stürmerstar Alexandra Popp und Macher Ralf Kellermann (beide zu Borussia Dortmund) erlebt das VfL-Team einen herben Rückschlag. National ist den einstigen Titelsammlern ohnehin schon der FC Bayern enteilt, wie die 0:3- Niederlage im Supercup gegen die Münchnerinnen kürzlich bestätigte.
Das Aus vor allem der Wolfsburgerinnen in der Champions League wird auch Bundestrainer Christian Wück ärgern: Nationalspielerinnen wie Janina Minge, Cora Zicai, Camilla Küver und Sarai Linder fehlt dadurch die Möglichkeit, sich auf höchstem Niveau zu messen. Und das im Jahr vor der Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien.
Die internationale Wettbewerbsfähigkeit ist auch ein wesentliches Ziel der neu gegründeten Frauen-Bundesliga FBL e.V., die sich von der Saison 2027/28 an selbst organisiert und vermarktet. Der formale Weg dafür soll bei einem außerordentlichen DFB-Bundestag am 18. September frei gemacht werden.
In diesem Sommer waren Nationalspielerinnen wie Selina Cerci, Vivien Endemann und Nicole Anyomi in die deutlich finanzstärkere englische Liga abgewandert. Diese Entwicklung will der neue Ligaverband mit der Frankfurterin Katharina Kiel als Präsidentin an der Spitze stoppen.
Mit Blick auch auf die Heim-EM 2029 bleibt allen Beteiligten viel Arbeit. Die folgenschweren Niederlagen von Wolfsburg und Frankfurt sind ein weiteres Alarmzeichen. 2022 hatte der DFB ein Strategiepapier („Frauen im Fußball FF 27) aufgesetzt. Der Verband verzeichnet zwar Wachstumsschübe in so manchen Bereichen.
Ein zentrales Ziel, das bis nächstes Jahr erreicht werden soll, bleibt aber höchst ambitioniert: „Unsere Nationalmannschaften und die Vereine der Frauen-Bundesliga haben internationale Titel gewonnen.“ Zuletzt gelang das nur der U17 im Mai bei der EM in Nordirland. Der FC Bayern, der im Champions-League-Halbfinale gegen den späteren Titelgewinner FC Barcelona gescheitert war, und die DFB-Auswahl in Brasilien können das natürlich noch ändern.
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