Für Gitarrist aus Bad Windsheim ist Unterrichten „totale Erfüllung“ | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 14.05.2023 14:40

Für Gitarrist aus Bad Windsheim ist Unterrichten „totale Erfüllung“

Manfred Holub spielt Gitarre, seit er sieben Jahre alt war. (Foto: Nina Daebel)
Manfred Holub spielt Gitarre, seit er sieben Jahre alt war. (Foto: Nina Daebel)
Manfred Holub spielt Gitarre, seit er sieben Jahre alt war. (Foto: Nina Daebel)

Im Alter von sieben Jahren war der Wunsch, Gitarre spielen zu wollen, übermächtig. Bis heute hat Manfred Holub sich seine Leidenschaft für das Instrument bewahrt. Was einst als Hobby begann, wurde zum Beruf. Seit 28 Jahren ist er nun schon Profimusiker. Der 57-Jährige ist solo unterwegs, zudem in Bands und unterrichtet in seiner eigenen Schule.

Nachdem Holub seinem Heimatlandkreis 35 Jahre lang den Rücken gekehrt hatte und nur vereinzelt für Auftritte vor Ort war, hat er sich vor rund fünf Jahren in Bad Windsheim nieder gelassen. Dort hat der gebürtige Neustädter „guitars & more“ eröffnet. Mit dem Geschäftsmodell ist er nun umgezogen: vom Weinmarkt an die Krämergasse. Lange hatte er nach einem neuen Domizil gesucht, damit sich seine Schule weiter entwickeln kann. Doch das war gar nicht so einfach.

Schallschutzdecken aus alter Musikschule

Schließlich ist Holub kein Mieter, der ausschließlich Ruhe garantieren kann. Mit den neuen Räumen, zwischen Modeboutique und der evangelischen Jugend gelegen, führt er nun eine Tradition fort. Denn schon früher residierte hier eine Musikschule. Die Schallschutzdecken sind noch vorhanden. „In diesem hinteren Raum ist früher Schlagzeug gespielt worden“, sagt Holub, der an der Krämergasse nun künftig mit drei weiteren Musikern unterrichten wird.

Christian Glowatzki übernimmt Schüler, die sich für Klavier, Keyboard oder Gitarre entscheiden, Heinz Aumüller unterrichtet Akkordeon, Didgeridoo, Trompete sowie Steirische, und Matthias Kaiser ist für Querflöte, Klarinette und Saxophon zuständig. Holub selbst unterrichtet klassische-, Western- und E-Gitarre, Ukulele sowie Keyboard. Zwei weitere Musiklehrer werden noch gesucht. Noten, Gitarren und entsprechendes Zubehör wird Holub künftig ebenfalls im „guitars & more“ verkaufen.

Ganz ohne Bühne geht es nicht

Auf der Bühne stehen will er auch weiterhin. Gespielt hat er mittlerweile in rund 20 Bands verschiedener Stilrichtungen, darunter Pop, Rock, Hardrock, Soul, Blues, Schlager und Volksmusik. Aktuell ist er bei zwei Formationen: „Lou“ und „Gentle Vibes“. Zuvor war er rund 20 Jahre lang mit „Continental Breakfast“ unterwegs, hatte rund 800 Auftritte mit der Band.

Gradlinig war sein Weg zum Berufsmusiker allerdings nicht. Nach dem Abitur in Neustadt war Holub zum Studium der Geo-Ökologie nach Bayreuth gegangen. Das brach er ab und wechselte stattdessen zum Lehramtsstudium für Mathe und Musik. „Das habe ich drei Jahre lang gemacht und mitgenommen, was ich für wichtig gehalten habe“, sagt der 57-Jährige.

Es schloss sich eine kaufmännische Tätigkeit als Versicherungsmakler an. Während dieser Zeit verdiente er gutes Geld und eine Karriere in diesem Bereich stand ihm offen. Holub entschied sich dagegen und setzte stattdessen alles auf eine Karte: Er beschloss, die Musik zum Beruf zu machen und gründete seine eigene Instrumentalschule mit zwei Geschäftsstellen und zehn freiberuflich tätigen Mitarbeitern.

Instrument als Medium zum Loslassen entdeckt

Das Unterrichten ist für Holub noch immer „eine totale Erfüllung“. „Weil ich weiß, dass es den Schülern gut tun wird. Weil Musik zu machen ein Glücksgefühl ist“, sagt er. So sei es immer wieder erstaunlich, erleben zu können, wie das Erlernen eines Instruments aus zappeligen Kindern konzentrierte Schüler mache. Oder wie Erwachsene, die einem Übermaß an Perfektionismus hinterher jagen, im Instrument ein Medium zum Loslassen finden.

Aktuell besuchen rund 50 Schüler im Alter von fünf bis 70 Jahren die Instrumentalschule. Der Anteil an Erwachsenen ist Holub zufolge in den vergangenen Jahren gestiegen. „Von fünf auf 40 Prozent“, schätzt er. Viele ältere Menschen wagen neue Hobbys, für die sie früher keine Zeit hatten. Und in Zeiten von Homeoffice sowie flexiblen Arbeitszeitmodellen, hätten auch die 30- bis 40-Jährigen den Freiraum, ein Instrument zu erlernen. Mittlerweile seien angesichts von Ganztagsbetreuung und diversen Freizeitaktivitäten eher die Kinder und Jugendlichen diejenigen mit den engen Zeitfenstern.

Als Autodidakt viel geübt

Holub selbst hat in seiner Jugend mindestens rund 20 Stunden wöchentlich geübt. Freiwillig. Dass er diese Begeisterung nicht von jedem seiner Schüler erwarten kann, ist ihm klar. „Wer ein Instrument erlernen möchte, sollte Neugier mitbringen und nicht zu hohe Erwartungen haben. Denn ein bisschen Arbeit ist das schon“, sagt der 57-Jährige, der selbst auch versucht, immer wieder Neues auszuprobieren und selbst Autodidakt ist.

Nach Vorbildern in der Musikszene gefragt, muss er intensiv überlegen. Schließlich nennt er Sigi Schwab, dessen Fingerpicking er bewundert. So kann er sich noch gut an eines der Schwab-Konzerte erinnern, das er als 16-Jähriger besucht hat. „Nach dem Konzert blieb ich sitzen, bis alle 3000 Zuhörer den Saal verlassen hatten, dann bin ich zur Bühne und habe gefragt, ob ich mal die Gitarre des Künstlers spielen dürfte.“

Er durfte. Unbemerkt trat der Gitarrist Schwab während dessen hinter ihn, legte eine Hand auf seine Schulter und lobte sein Können. Für Holub war das ein Riesenantrieb und eine enorme Motivation. Später kaufte er sich die gleiche Gitarre vom gleichen Hersteller. Die hat er heute noch.

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