Für Kinder und Jugendliche am Bezirksklinikum Ansbach: Eine Schule für alle | FLZ.de | Stage

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 17.02.2025 18:24

Für Kinder und Jugendliche am Bezirksklinikum Ansbach: Eine Schule für alle

Psychisch kranke Kinder und Jugendliche zu unterrichten, kann eine schwere Aufgabe sein. Ursula Ehrlinger hat sie geliebt. Nun ist die langjährige Leiterin der Schule für Kranke am Bezirksklinikum Ansbach in den Ruhestand verabschiedet worden.

„Ich habe hier meinen Platz gefunden. Es ist mein pädagogisches Ideal“, sagte die 66-Jährige an ihrem letzten Arbeitstag. Sie hat es gereizt, jeden Tag mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, deren Probleme offen benannt waren. Und ihnen wieder die Freude am Lernen zu vermitteln, die unter all den anderen Schwierigkeiten abhanden kam.

Rund 60 Jungen und Mädchen in allen Schultypen

Die Schule für Kranke am Ansbacher Bezirksklinikum ist einzigartig. In der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie sorgen Sonderpädagoginnen und Fachlehrer in fünf Klassen dafür, dass die jungen Patienten nicht den Anschluss verlieren. Sie unterrichten rund 60 Jungen und Mädchen in allen Fächern und allen Schultypen. Die Klassen sind nach Alter, nicht nach Schultypen getrennt.

Mittelschüler sitzen neben Gymnasiasten, Realschüler neben Berufsschülern. Sie kommen aus dem gesamten westmittelfränkischen Raum. Für ihren individuellen Unterricht hält das Kollegium engen Kontakt mit den Pädagogen in den Schulen, die ihre Schützlinge vorher besucht haben und in die sie ohne große Lücken wieder zurückkehren sollen. Mehrere Wochen dauert der Aufenthalt, einige sind von morgens bis zum späten Nachmittag in der Tagesklinik, andere stationär.

Das könnte Sie auch interessieren

„Das Beste für den Menschen ist der Mensch”

In ihren rund 18 Jahren in der Schule war das für Ursula Ehrlinger Verpflichtung, sich auf die persönliche Situation der Kinder und Jugendlichen einzulassen. „Mein Grundsatz war: Das Beste für den Menschen ist der Mensch.“ Sie sei in großer Sorge, dass in vielen Schulen durch Notenzwang, Leistungsdisziplin und die Digitalisierung der persönliche Kontakt leide.

Die 66-Jährige dankte ihrem Kollegium als „wunderbares Team”, das neben den pädagogischen Aufgaben auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Klinik und deren eigene Abläufe beachten müsse. „Wir haben die Herausforderung, mit der Entwicklung der Klinik mitzuhalten, gut gemeistert.”

An Stephanie Hüttlinger, ihrer kommissarischen Nachfolgerin, überreichte die scheidende Schulleiterin einen kleinen Kranich. „Er ist in vielen Ländern ein Symbol für Glück und Gesundheit, er ist ein Lehrmeister in Geduld, in der Konzentration auf das Wesentliche, er kann gut alleine sein und schließt sich im Flug der Gemeinschaft an. Ich wünsche dir einen guten Flug.”

„Nicht diejenigen, die keiner haben will.”

Daniela Maurer, Leiterin des Pflegediensts, würdigte stellvertretend für das Klinikteam den unermüdlichen Einsatz der Schulleiterin. „Du hast es geschafft, für alle Schultypen immer Unterricht zu ermöglichen.“ Dies sei besonders nötig, weil nur in relativ kleinen Gruppen die Individualität gefördert werden könne. Gerade für psychisch kranke Kinder und Jugendliche sei es von unschätzbarem Wert, als Person angenommen zu werden, sagte Maurer. „Dadurch kommen die Kinder zurück in ihre Stammschule und wissen: Wir sind nicht diejenigen, die keiner haben will.”

Zustimmung kam von Gerhard Kleindiek, der bei der Regierung von Mittelfranken die schulaufsichtliche Verantwortung für diese ungewöhnliche Einrichtung hat. „Wir alle erinnern uns an unsere Lehrerinnen und Lehrer“, sagte er. Diese persönliche Zuwendung sei in der Schule für Kranke vorbildlich zu erleben. „Ich halte es für außerordentlich wichtig, als Lehrerin, als Lehrer für unsere Schülerinnen und Schüler da zu sein.” Durch ihre verantwortungsvolle und fürsorgliche Art sei Ursula Ehrlinger eine gedeihliche Zusammenarbeit der Lehrkräfte mit den medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Einrichtungen gelungen, so der Leitende Regierungsschuldirektor. „Das muss erst einmal unter einen Hut gebracht werden.”

Singspiel vom Kollegium: „Uschi im Glück“

Formell ist die Schule eine Außenstelle der Wolfhard-Schule Herrieden. Ihr Leiter Christian Fischer fasste die Verabschiedung für Ursula Ehrlinger zusammen. „Heute kam zum Ausdruck, dass du etwas ganz Besonderes warst.“ Das Kollegium zeigte seinen Dank mit einem halbstündigen Sing- und Schauspiel, in dem es in witzigen Szenen das Berufsleben der Sonderpädagogin und Musiktherapeutin nachzeichnete. Der Titel: „Uschi im Glück“.

Die kommissarische Leiterin Stephanie Hüttlinger ist seit fünf Jahren an der Schule, in der es keinem langweilig wird. Auch die 39-Jährige schätzt, dass hier keine starren Lehrpläne mit festen Klassen möglich sind, sondern täglich neue Herausforderungen warten.

Bis zum letzten Tag hatte Ursula Ehrlinger viel Spaß in der Schule für die Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirksklinikum Ansbach. (Foto: Manfred Blendinger)
Bis zum letzten Tag hatte Ursula Ehrlinger viel Spaß in der Schule für die Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirksklinikum Ansbach. (Foto: Manfred Blendinger)
Bis zum letzten Tag hatte Ursula Ehrlinger viel Spaß in der Schule für die Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirksklinikum Ansbach. (Foto: Manfred Blendinger)
Stephanie Hüttlinger wird nun die Schule kommissarisch führen. (Foto: Manfred Blendinger)
Stephanie Hüttlinger wird nun die Schule kommissarisch führen. (Foto: Manfred Blendinger)
Stephanie Hüttlinger wird nun die Schule kommissarisch führen. (Foto: Manfred Blendinger)
north