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Veröffentlicht am 05.10.2026 09:59, aktualisiert am 05.10.2026 13:19

Galerias neuer Insolvenzantrag – Wie geht es jetzt weiter?

Galeria betreibt 83 Warenhäuser in Deutschland. (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)
Galeria betreibt 83 Warenhäuser in Deutschland. (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)
Galeria betreibt 83 Warenhäuser in Deutschland. (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Für Galeria ist bislang nur eine erste kleine Hürde genommen: Das Amtsgericht Düsseldorf hat das vorläufige Insolvenzverfahren für die Warenhauskette angeordnet. Das geht aus einer Mitteilung des Gerichts auf dem Portal Insolvenzbekanntmachungen.de hervor (Az.: 502 IN 258/26). Nach Angaben des Gerichts handelt es sich um ein Regelinsolvenzverfahren. 

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde der Rechtsanwalt Frank Kebekus. Er soll nun prüfen, ob Gründe für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorliegen und ob die Verfahrenskosten durch das Vermögen gedeckt sind. Die Galeria S.à r.l. & Co. KG hatte am Freitag beim Gericht die Eröffnung eines Verfahrens beantragt. Für das Unternehmen ist es der inzwischen vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Ob Standorte schließen müssen, ist offen. 

Kebekus ist ein alter Bekannter bei Galeria. Er begleitete als Sachwalter bereits die Insolvenzverfahren für den Konzern in den Jahren 2020 und 2022. Der Sanierungsexperte Manfred Hunkemöller sieht seine Bestellung deshalb kritisch. „Kebekus ist ein exzellenter Sanierer. Er hat Galeria aber bereits zweimal begleitet. Für einen echten Neuanfang hätte ich einen Verwalter empfohlen, der nicht vorbefasst ist.“ Hunkemöller ist Honorarprofessor für die Fachgebiete Sanierungs- und Insolvenzmanagement an der International School of Management in Dortmund. 

Erhalten die Beschäftigten Insolvenzgeld? 

Ungeklärt ist, ob die rund 12.000 Beschäftigten von Galeria Insolvenzgeld erhalten. Das Amtsgericht Essen hat die Planüberwachung nach dem letzten Insolvenzverfahren bislang nicht aufgehoben. 

Ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit sagte im Juni: „Befindet sich ein Unternehmen weiterhin in der Planüberwachung, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden kann.“ Die Zahlungsunfähigkeit des ursprünglichen Insolvenzfalles dürfe nicht fortbestehen. Bei jeder Prüfung müsse jedoch die konkrete Situation individuell betrachtet werden. Experten rechnen im Fall von Galeria zeitnah mit einer Entscheidung. 

Das Insolvenzgeld wird über die von den Arbeitgebern getragene Insolvenzgeldumlage finanziert. Es ersetzt den ausgefallenen Nettolohn für die letzten drei Monate vor der Eröffnung des Verfahrens. 

„Der Insolvenzverwalter hat da keinen Spielraum“ 

Die laufende Planüberwachung bedeute nicht automatisch, dass die Galeria-Beschäftigten diesmal kein Insolvenzgeld bekämen, sagt der Arbeitsrechtler Gregor Thüsing. „Entscheidend ist, ob das Unternehmen nach Abschluss des Insolvenzverfahrens 2024 seine allgemeine Zahlungsfähigkeit tatsächlich wiedererlangt hatte.“ Nur dann liege ein neues Insolvenzereignis vor und entstehe erneut ein Anspruch auf Insolvenzgeld. 

Und falls nicht? Dann müssten die Gehälter mit vorhandenen Mitteln, durch Investoren oder durch eine andere Finanzierung getragen werden, sagt der Professor der Universität Bonn. Gelinge das nicht, werde eine Fortführung schnell schwierig, weil neue Masseverbindlichkeiten entstünden. „Das kann zur Schließung einzelner Filialen und im äußersten Fall auch zu einer vollständigen Betriebseinstellung führen. Der Insolvenzverwalter hat da keinen Spielraum“, sagte Thüsing. 

Ob Galeria die Gehälter in den kommenden Monaten notfalls selbst zahlen kann, ist offen. Das Unternehmen äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht. In einer internen Mitteilung an die Belegschaft schrieben die Geschäftsführer Tilo Hellenbock und Norman Krotten: „Unsere oberste Priorität ist, eure Gehaltszahlungen für die nächsten Monate zu sichern. Wir werden euch hier zeitnah und transparent informieren.“ 

Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen. Am Freitag, kurz nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags, verschickte Galeria eine E-Mail an Kunden, die für das eigene Vorteilprogramm angemeldet sind. Unter der Betreffzeile „Hol dir dein Plus für den Herbst“ warb das Unternehmen mit Rabatt-Coupons für den nächsten Einkauf – als wäre nichts gewesen. 

Neue Eigentümer seit 2024 

Vor gut zweieinhalb Jahren hatte das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, den bislang letzten Insolvenzantrag gestellt. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa. Im Zuge der Insolvenz mussten damals neun der 92 Warenhäuser schließen. Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen. 

Knapp zwei Jahre später geriet die Kette erneut in die Negativschlagzeilen. Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen. 

Erst im Juni erhielt die Warenhauskette eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Die Kreditlinie stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Sie ist durch die Ware von Galeria abgesichert und an einen Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht. Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln.

© dpa-infocom, dpa:261005-930-790534/3


Von dpa
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