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Gegen das neue Umspannwerk bei Scheinfeld formiert sich Widerstand

Konrad Ohlmann, Manfred Pettkus (er hatte seine gelbe Jacke übers Rednerpult gehängt) und Renate Harbeit (von links) trugen die Positionen und Forderungen der Bürgerinitiative vor. (Foto: Andreas Reum)
Konrad Ohlmann, Manfred Pettkus (er hatte seine gelbe Jacke übers Rednerpult gehängt) und Renate Harbeit (von links) trugen die Positionen und Forderungen der Bürgerinitiative vor. (Foto: Andreas Reum)
Konrad Ohlmann, Manfred Pettkus (er hatte seine gelbe Jacke übers Rednerpult gehängt) und Renate Harbeit (von links) trugen die Positionen und Forderungen der Bürgerinitiative vor. (Foto: Andreas Reum)

„Ich möchte, dass es eine Lösung gibt, mit der alle leben können”, sagte Dr. Christian von Dobschütz. Der Landrat ergriff ganz am Ende der gut zweieinhalbstündigen Scheinfelder Umspannwerk-Bürgerversammlung das Wort und formulierte sein Ziel bei der Debatte um das Großprojekt.

Ob dies erreichbar ist, steht noch in den Sternen. Aus den Scheinfelder Stadtteilen Hohlweiler und Oberlaimbach kommt jedenfalls Widerstand gegen den derzeit erwogenen Standort in ihrer Nähe. Die Bürgerversammlung verwandelte sich zeitweise in eine Bürgerinitiativen-Versammlung. Unter den schätzungsweise 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war etwa ein Drittel mit den gelben Protestwesten ausgestattet, die sich die Initiative zugelegt hat.

Die nun offiziell gegründete Bürgerinitiative erhielt von Bürgermeister Claus Seifert ausgiebiges Rederecht. Manfred Pettkus, Renate Harbeit und Konrad Ohlmann stellten die Positionen und Forderungen dar. Ziel sei, „dieses Projekt in dieser Form zu verhindern”, sagte Pettkus. Man sei weder gegen die Energiewende noch gegen den technischen Fortschritt, doch man wende sich „gegen Entscheidungen, die über Köpfe hinweg gefällt werden”. Die Initiative fordert eine frühzeitige und faire Mitsprachemöglichkeit.

Bayernwerk will mit dabei sein

In dieses Horn stieß auch Seifert. Das Stadtoberhaupt hatte ausführlich den technischen und planerischen Rahmen beschrieben, in dem die aktuelle Debatte geführt wird. Zum technischen Teil gehört, dass – im Zuge des Stromnetzausbaus – neue Verbindungen zwischen dem 380-Kilovolt-Übertragunsnetz und dem 110-Kilovolt-Verteilnetz nötig sind. Ein solcher Netzkoppler soll bei Markt Bibart/Scheinfeld enstehen, wo sich zwei Leitungstrassen kreuzen.

Ein weiterer technischer Aspekt, der die Größe der Anlage beeinflusst, ist der Umstand, dass nicht nur die N-Ergie als hiesiger Verteilnetzbetreiber in das Umspannwerk mit hinein will, sondern auch das Bayernwerk. Dessen Verteilnetz reicht, von Oberfranken kommend, bis in den nördlichen Rand des Landkreises.

Zum planerischen Rahmen gehört, dass Umspannwerke privilegierte Bauwerke sind. Das bedeutet, die Bauherren – in diesem Fall der Stromkonzern Tennet – müssen sich an weniger Vorgaben halten als ein gewöhnlicher Häuslebauer. Und selbst die Kommune hat wenig bis gar keine Einflussmöglichkeiten, ging aus Seiferts Erläuterungen hervor.

Eigentümer können sich kaum wehren

Sogar die Eigentümer der Grundstücke können sich kaum wehren. Verkaufen sie nicht an den Bauherrn, so könnten sie enteignet und mit dem Einheitspreis abgefunden werden, erläuterte Seifert. Da Tennet üblicherweise ein Mehrfaches des Einheitspreises anbiete, werde sich wohl kaum ein Grundstücksbesitzer auf solch ein Enteignungsverfahren einlassen, mutmaße Seifert, zumal die Chance auf einen juristischen Sieg äußerst gering sei.

Theoretisch müsse das Unternehmen mit fast niemandem im hiesigen Raum sprechen. Die Genehmigung – ein BImschG-Verfahren – laufe rein auf Behördenebene ab, erklärte der Bürgermeister. Wenn Tennet dennoch gesprächsbereit sei, bleibe offen, inwieweit die Bedenken und Anregungen Berücksichtigung finden. Seifert stufte dies als eine politische Schwäche des Verfahrens ein.

Der hiesige Landkreis sei ein Vorreiter bei erneuerbare Energien – auch deshalb, weil man die Bürgerschaft bei den Verfahren und bei der Wertschöpfung mitnehme. Wenn solch ein Umspannwerk ohne Einbindung der Bürger errichtet werde, riskiere man den gesellschaftlichen Konsens. Dies hat Scheinfelds Bürgermeister auch in Briefen an die energiepolitischen Sprecher der Berliner Regierungsparteien geschrieben samt der Aufforderung, eine angemessene Beteiligung zu ermöglichen, wie er verlas.

Infoveranstaltung am 8. Oktober

Seifert wies auch darauf hin, dass Tennet nach eigenem Bekunden seine Umspannwerke möglichst wohnbebauungsfern errichten wolle. Was unter nah oder fern zu verstehen ist, sei aber unklar. Der Bürgermeister riet dazu, die für den kommenden Mittwoch, 8. Oktober, angesetzte Tennet-Informationsveranstaltung (von 15.30 bis 20 Uhr in der Graf-Halle) zu nutzen und dem Unternehmen Fragen zu stellen.

Als einen denkbaren Standort brachte die Initiative einen Bereich zwischen Frankenfeld und Baudenbach ins Spiel. Dort könne ein Kilometer Abstand zu den Wohnbebauungen gehalten werden. Baudenbachs Bürgermeister Wolfgang Schmidt, ebenfalls unter den Versammlungsteilnehmern, wollte sich gegenüber unserer Redaktion dazu nicht ohne Rücksprache mit seinem Ratsgremium äußern.

Gegen den von der Initiativen-Co-Sprecherin Harbeit eingeräumten anfänglichen, inzwischen aber ausgeräumten Argwohn der Bürger gegenüber ihren örtlichen Politikern bezog Markt Bibarts Bürgermeister Klaus Nölp Stellung. Die Bürgermeister, Räte und auch der Landkreis handelten immer mit Rücksicht auf ihre Bürger, versicherte Nölp.

Bürgerinitiative formiert sich

Aus den Reihen der Bürgerschaft von Oberlaimbach und Hohlweiler hat sich am Dienstag offiziell eine Bürgerinitiative gegründete, wie diese am Mittwochabend unserer Redaktion mitteilte. Sie trägt den Namen „Hohlweiler–Oberlaimbach – Nein zum Umspannwerk“. An der Gründung in Oberlaimbach beteiligten sich 63 Bürgerinnen und Bürger, hieß es. Über eine bei der Bürgerversammlung am Donnerstag ausgelegte Liste sowie über die Möglichkeit, per QR-Code online beizutreten, kamen bisher noch weitere 30 Mitglieder hinzu, informierte die Bürgerinitiative am Freitag.
Zu Sprechern wurden Valentina Wehr (Hohlweiler) und Konrad Ohlmann gewählt, zu deren Stellvertretern Renate Harbeit (Hohlweiler), Uwe Barthelmeß und Janina Kern (beide Oberlaimbach).
Die Initiative will am kommenden Mittwoch, 8. Oktober, vor der Wolfgang-Graf-Halle über ihre Positionen informieren, parallel zu dem in der Halle ab 15.30 Uhr stattfindenden Infomarkt des Stromnetz-Konzerns Tennet. anr

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