Es klang wie ein Sakrileg: Am 22. Oktober meldete das Polizeipräsidium einen Diebstahl aus der Ansbacher Ludwigskirche. Mehrere religiös genutzte Messingleuchter waren verschwunden. Doch nun stellte sich heraus: Die Leuchter haben die Kirche nie verlassen.
Weil es sich um einen vermeintlichen Diebstahl aus einer Kirche handelte, schaltete sich die Kriminalpolizei ein. Das ist üblich, informierte das Präsidium auf Nachfrage der FLZ.
Die drei vermissten Kerzenleuchter sind inzwischen wiederentdeckt worden– eher zufällig. Sie waren zusammen mit einigem Müll und ein paar Briefen auf der Kanzel des katholischen Gotteshauses. „Das sah aus, als hätte sich jemand ein Nest gebaut”, sagte Pfarradministrator Dr. Norbert Jung zur FLZ. Dazu muss man wissen, dass die Kanzel in St. Ludwig so gut wie nie genutzt wird und eigentlich abgesperrt ist. Deshalb kam auch niemand auf die Idee, dort nach den Leuchtern zu suchen.
Der Verantwortliche war schnell gefunden, weil sich unter den Dingen, die dort gelagert wurden, auch Briefe fanden. Wie das Polizeipräsidium auf Nachfrage mitteilte, handelt es sich um einen 31-Jährigen, der eigentlich im Bezirksklinikum untergebracht ist. Er hatte Freigang und hat eine Nacht in der Kirche verbracht, indem er sich abends hat einsperren lassen. Wie er trotz versperrter Tür und mit den Leuchtern auf die Kanzel kam, ist noch ungeklärt. Vermutlich ist er geklettert.
Nachdem es gar keinen Diebstahl gegeben hatte, ist das Verfahren eingestellt worden. Von einer weiteren Anzeige wegen Hausfriedensbruch sah Pfarrer Jung ab. Er sprach lediglich ein Hausverbot aus.
Der Materialwert der Leuchter sei gar nicht so hoch, unterstrich Jung. Allerdings wäre es vermutlich aufwendig geworden, die drei Kerzenständer in dem Set aus insgesamt acht Stück zu ersetzen. „Allein deshalb bin ich froh, dass sie wieder da sind.”