Einen wahrlich historischen Abend erlebte Langenfeld am Dienstag bei der Nominierung der Freien-Wähler-Dorfgemeinschaft für die Kommunalwahl 2026. Nach 24 Jahren an der Spitze der Gemeinde zieht sich Reinhard Streng zurück, Wolfgang Rückert saß stolze 42 Jahre im Gemeinderat und hört dann ebenfalls auf. Anna Ebener will Streng beerben.
Sollte ihr das gelingen, wäre Ebener die erste Frau im höchsten Amt in Langenfeld. Trotz des Verlustes der Urgesteine Streng und Rückert herrschte im Sportheim Aufbruchstimmung. Die Liste ist mit einem Altersdurchschnitt von 40 Jahren bemerkenswert jung – und mit Ebener steht ein Ehrenamts- und Arbeitsdiamant in den Startlöchern, wie betont wurde.
Doch zuerst durfte Noch-Bürgermeister Streng auf seine 24-jährige Amtszeit zurückblicken. Auch wenn das, wie Rückert schmunzelnd anmerkte, ein abendfüllendes Programm werden könnte, musste sich der Amtsinhaber auf fünf Minuten beschränken. Dorflinde, Tagespflege, das Ende der fast 30-jährigen Zeit ohne eigene Gastronomie vor Ort, der Dorfladen, die systematische Altort-Entwicklung, die Unternehmensbeteiligungen: „Die Projekte sind visionär und suchen ihresgleichen in der Region”, lobte Ebener. Streng ergänzte: „Alle unsere Einrichtungen zu etablieren, stellte einen großen Kraftakt dar.”
Doch auch für das neue Team bleibt so manche Herausforderung. Mit der Konversion der BMI steht eine Pflichtaufgabe an, die ohne Ideen und Visionen von externen Investoren für die Gemeinde kaum stemmbar erscheint. Entsprechend werde es Aufgabe des neuen Gemeindeoberhaupts und Rates sein, diese Ideen „wohlwollend-kritisch” zu prüfen. Denn: „Das Objekt ist zu dominant, um es einfach laufen zu lassen.”
Streng und Rückert lobten den Zusammenhalt und die Harmonie im Gemeinderat, CSU-Freie Bürger ausdrücklich eingeschlossen. Der Bürgermeister zeigte sich sicher, dass das FW-Dorfgemeinschaftsteam konstruktive Vorschläge einbringe und „mit anpackt, wenn wie so oft Macher gefragt sind”.
Anna Ebener müsse man nicht mehr groß vorstellen, betonte das Duo. Trotzdem tat sie das selbst noch. Für sie ist die Kandidatur gewissermaßen ein Rollenwechsel – von der Unterstützungs- in die Hauptrolle. Die waschechte Langenfelderin weiß, was auf sie zukommt, ist sie doch bereits seit 2020 dritte Bürgermeisterin. Die 43-Jährige ist verheiratet, hat zwei Kinder und liebt Sport. So würde sie es wohl auch ins Poesiealbum schreiben.
Sie ist gewissermaßen familiär vorbelastet: Die Oma war die erste Frau im Langenfelder Gemeinderat, der Opa ist Ehrenbürger, die Eltern engagieren sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich. Anna Ebener selbst ist seit 2017 Geschäftsführerin im Dorfladen und werde das auch in Zukunft bleiben. Die visionären Projekte weiterzuführen, Langenfeld zu entwickeln, die Dorflinde sukzessive zu erneuern und die Kanalisation und Straßen, die teilweise 50 Jahre alt sind, auszutauschen: Das sind nur einige Vorhaben, die sie nannte.
Sie will Teamplayerin sein. Und angesichts der FW-Dorfgemeinschafts-Liste zeigte sie sich zuversichtlich, dass das auch gelingt. „Eine tolle Mischung”, so Ebener. Männer und Frauen im Gleichgewicht, mit unterschiedlichen Berufen und Lebenserfahrungen. Eine junge Liste, mit vielen in Langenfeld bestens bekannten Namen. Einige haben bereits Ratserfahrung – Christina Biedermann, Anna Ebener, Michaela Hüttl, Michaela Schmoranzer und Dominic Stellmacher treten erneut an. Nur Wolfgang Rückert, der bereits 42 Jahre im Rat saß und nun 76 Jahre alt ist, sowie Andreas Schubert kandidieren nicht mehr.
Die weiteren Personen auf der Liste sind viel in Vereinen aktiv, einige in Führungspositionen, Stefan Hoffmann beispielsweise, als Schützenmeister beim SSV Langenfeld. Alle Kandidatinnen und Kandidaten stellten sich kurz vor, nannten ihre Motivation. Häufig angesprochen: Alle Generationen sollen sich in der Gemeinde wohlfühlen und möglichst lange dort leben können.
Rückert sah eine „starke Liste”. Streng zeigte sich noch optimistischer: „Der Stabwechsel wird gelingen.” Ob Ebener Konkurrenz ums Bürgermeisteramt bekommt, wird sich noch zeigen. Denn laut Rückert hat die andere Ratsfraktion – CSU-Freie Bürger – noch nicht nominiert.
1. Anna Ebener (43 Jahre alt, Kommunikationswirtin)
2. Dominic Stellmacher (39, Kaufmann im Großhandel)
3. Michaela Hüttl (53, Öffentlicher Dienst)
4. Sascha Lehmann (41, Maschinenbauingenieur)
5. Christina Biedermann (36, Lehrerin)
6. Martin Hecht (28, Industriemechaniker)
7. Michaela Schmoranzer (52, Fachkraft für Hygiene)
8. Daniel Ehmann (32, Elektroniker)
9. Mona Teufel (24, Bauingenieurin)
10. Richard Lehmann (38, Hotel-Betriebsleitung)
11. Silke Schiefer (49, Filialleitung Bank)
12. Stefan Hoffmann (44, Feuerwehrbeamter)
Ersatzbewerber:
1. Ferry Bender (39, Heizungsbauer)
2. Katherina Hüttl (24, Industriekauffrau)
Das Alter bezieht sich auf den Wahltag am 8. März 2026.