Die evangelische Kirchengemeinde will mit einer Schweine-Lotterie Geld für die Sanierung ihres Gotteshauses zusammenbringen. Die Idee hatte der Pfarrer. Stella, Emma und Mucy wurden im Pfarrgarten gemästet.
Ihre „Dienstbesprechungen“ werden Walter Dannenbauer, Roland Fickel und Rudi Neumann vermissen. Dabei machten sie aus, wer die Schweine Stella, Emma und Mucy versorgt, die in den vergangenen sechs Monaten in Gerolfingen gehätschelt und gemästet wurden. Jetzt werden die Vierbeiner für eine Lotterie verlost.
Der Erlös soll in die Sanierung der St.-Erhards-Kirche in dem Ort im südlichen Landkreis Ansbach fließen. Denn seit dem Einzug der drei Schweine in den Pfarrgarten, in dem eigens ein Stall und ein Freilauf errichtet wurden, wurden Lose für ein Fest mit Schlachtschüssel verkauft, das am kommenden Samstag, 10. Februar, stattfindet. Hauptpreis ist ein ganzes Schwein, außerdem gibt es Fleisch- und Wurstpakete.
Die Idee für die Lotterie hatte Christian Dellert, der seit einem Jahr Pfarrer in Gerolfingen ist. Denn die evangelische Kirchengemeinde steht vor einer großen Herausforderung. Nach der Neugestaltung des Umfelds der St.-Erhards-Kirche steht die Sanierung des Gotteshauses an. Die Außenfassade, der Glockenstuhl, das Dach und die Turmuhr sollen im ersten Schritt instandgesetzt werden. Außerdem soll eine Giebelabsicherung erfolgen. Im zweiten Abschnitt steht dann die Innenrenovierung an.
Die Gesamtkosten wurden vor vier Jahren auf 1,5 Millionen Euro geschätzt, der Anteil der evangelischen Kirchengemeinde Gerolfingen auf insgesamt 320.000 Euro. Etwa 20 Prozent an Mehrkosten müsse man heute hinzurechnen, ist sich Pfarrer Dellert sicher. Ein Baustein der Finanzierung sind die drei „Pfarrgartensauen“, die liebevoll und artgerecht von Walter Dannenbauer, Roland Fickel und Rudi Neumann versorgt wurden.
Lebhaft waren die Schweine, genossen den Freilauf, Stroh und Heu im Stall und das vielfältige Futterangebot, berichtet das Trio. Viele Gemeindegruppen besuchten Stella, Emma und Mucy immer wieder, so dass die Schweine zum Gemeinschaftsgefühl in der Kirchengemeinde beitrugen.
Beim Kindergartenfest oder im Seniorenkreis wurden Rübensamen verteilt – die geernteten Rüben waren ein Festmahl für die Schweine. Landwirte haben Schrot gespendet, Treber vom Bierbrauen oder Brotreste wurden angeliefert. Dank des grandiosen Sommers und des hervorragenden Futters seien die Schweine gut gewachsen und hatten im Pfarrgarten fast ein Paradies, erzählten Dannenbauer, Fickel und Neumann. Bei Hitze erhielten die Tiere eine Dusche.
Mit etwa jeweils 30 Kilogramm Gewicht im Juli vergangenen Jahres von vielen Gemeindemitgliedern begrüßt, schätzte Dannenbauer das Gewicht der Vierbeiner vor dem Schlachten auf knapp drei Zentner. Rudi Neumann ist gelernter Feinmechaniker, Roland Fickel Bankkaufmann und der einzige „vom Fach“ war Walter Dannenbauer als ehemaliger Schweinehalter. „Prima ergänzt“ haben sie sich bei ihren Aufgaben. Immer sonntagabends wurden die Schichtpläne erstellt. Das Futter musste vorbereitet und genügend Wasser für die Tiere bereitgehalten werden. Kleinere Reparaturen waren auszuführen oder ein Kälteschutz an die Stalltür anzubringen. „Alle Aufgaben haben Freude bereitet“, betonte das Trio.
Jetzt erwartet die Tiere der Fleischer. Die Schlachtschüssel mit Verlosung findet am kommenden Samstag, 10. Februar, statt. Bis 14 Uhr, zum offiziellen Start der Verlosung, können noch Lose gekauft werden. Das Fest im neuen Feuerwehrhaus im Ortsteil Aufkirchen beginnt um 11.30 Uhr mit einem Mittagstisch, nachmittags wird Kaffee und Kuchen angeboten.
Als Wunschziel gibt Pfarrer Dellert 2500 verkaufte Lose aus und somit 10.000 Euro für die Sanierung der St.-Erhards-Kirche. Für den ersten Bauabschnitt – Anfang Mai soll der Turm eingerüstet werden – muss die Kirchengemeinde etwa 80.000 Euro aufbringen.