Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Feuchtwangen geht in den Ruhestand | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 27.12.2024 15:00

Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Feuchtwangen geht in den Ruhestand

An diesem Schreibtisch saß Gudrun Naser viele Jahre lang: Sie war für Rat suchende Menschen die erste Ansprechpartnerin. (Foto: Jasmin Kiendl)
An diesem Schreibtisch saß Gudrun Naser viele Jahre lang: Sie war für Rat suchende Menschen die erste Ansprechpartnerin. (Foto: Jasmin Kiendl)
An diesem Schreibtisch saß Gudrun Naser viele Jahre lang: Sie war für Rat suchende Menschen die erste Ansprechpartnerin. (Foto: Jasmin Kiendl)

Gudrun Naser verabschiedet sich von einer „total vielschichtigen“ Tätigkeit, wie sie es nennt. „Ich wusste nie, was der Tag so bringt.“ Das mochte sie. Sie arbeitete fast 22 Jahre für das Diakonische Werk Feuchtwangen, davon knapp neun Jahre als Geschäftsführerin. Zum 1. Januar 2025 geht sie nun in den Ruhestand.

Der Zufall führte die heute 62-Jährige nach Feuchtwangen. Daran erinnert sie sich noch gut. Gudrun Naser ist gelernte Drogistin. Nach zehn Jahren in einer Parfümerie in Ansbach wollte sie „etwas anderes machen“. Auf dem Arbeitsamt wurde ihr geraten, eine Weiterbildung in Bürokommunikation zu machen. Dazu gehörte ein sechswöchiges Praktikum.

Sie suchte dafür gerade eine Stelle, als es sich ergab, dass sie den damaligen Dekan Helmut Müller von einer kirchlichen Veranstaltung in ihrem Wohnort Dombühl zurück nach Feuchtwangen fuhr. Die beiden kamen ins Gespräch. Und da wegen Umbaumaßnahmen im Dekanatsbüro die Unterstützung durch eine Praktikantin „ganz gut“ war, bekam Gudrun Naser eine Zusage. Helmut Müller und sie lachen heute noch, wenn sie an die Geschichte denken, erzählt die 62-Jährige.

Weiterbildung zur Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen

Während ihres Praktikums unterstützte sie tagweise die damalige Geschäftsführerin des Diakonischen Werks, Irmgard Bauereiß. Nachdem diese zusätzlich die Verantwortung für die ambulante Pflege übernommen hatte, wurde jemand gesucht, der sie entlastet. Gudrun Naser bewarb sich auf die Stelle im Büro des Diakonischen Werks.

Als Bauereiß dann in Rente ging, erfolgte die Trennung der ambulanten Pflege und des Diakonischen Werks in zwei Vereine. Nach erfolgreicher Bewerbung wurde Gudrun Naser die Nachfolgerin von Irmgard Bauereiß als Geschäftsführerin des Diakonischen Werks. Zuvor absolvierte sie in Nürnberg eine Weiterbildung zur Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen – über zwei Jahre immer freitags und samstags.

Von zwölf zu 109 Berechtigungsausweisen für die Tafel

Während ihrer fast 22-jährigen Tätigkeit lag Gudrun Naser die Tafel „sehr am Herzen“. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass sie die Tafel seit deren Gründung in Feuchtwangen 2005 federführend organisatorisch geleitet hat. Am Anfang wurden zwölf Berechtigungsausweise ausgegeben, inzwischen sind es 109, hinter denen 162 Erwachsene und 84 Kinder stehen.

Die Tafel sei nicht nur die Weitergabe von Lebensmitteln, betont Gudrun Naser. Man lerne die Kundinnen und Kunden kennen, wisse um deren Sorgen, freue sich mit ihnen: „Ein Vertrauensverhältnis ist entstanden.“ Den Kontakt mit den Kundinnen und Kunden werde sie genauso vermissen, wie den mit dem ehrenamtlichen Tafel-Team, mit dem sie über die Jahre auch zwischenmenschlich zusammengewachsen sei, sagt Gudrun Naser. Sie werde die sozialen Kontakte allgemein vermissen.

Eine wertvolle Basisarbeit ist für die 62-Jährige die Kur-Beratung, die sie bis zuletzt gerne gemacht hat. Vor allem deswegen, weil sie Müttern, Vätern, Kindern und pflegenden Angehörigen dabei ganz konkret helfen konnte. Nach der Kur habe sie sich erkundigt, wie es gewesen sei, und gemerkt, dass „es was bewirkt hat“.

Gespür für die Menschen vor Ort

Gudrun Naser war auch die erste Ansprechpartnerin am Telefon. Sie hörte sich die Nöte der Menschen an, überlegte, welche Beratung die richtige war. Dabei bekam sie ein Gespür, was die Menschen vor Ort brauchen, sagt sie. Zusammen mit anderen wurden dann Angebote entwickelt, wie etwa der Trauerweg oder die Feier für Alleinstehende an Heiligenabend.

Der enge Austausch, der Kontakt und die Vernetzung mit den Kolleginnen und Kollegen von den verschiedenen Beratungsstellen sowie mit den Hauptamtlichen, die in der Stadt Feuchtwangen in der Sozialarbeit tätig sind, war Gudrun Naser ohnehin äußerst wichtig. In Erinnerung bleiben wird ihr außerdem die Betreuung und Begleitung der Gemeindehelferinnen im Dekanatsbezirk. „Es war eine tolle Gemeinschaft.“

Als Geschäftsführerin war die 62-Jährige die Repräsentantin des Diakonischen Werks Feuchtwangen nach außen. Sie informierte in kirchlichen und kommunalen Gremien sowie bei Veranstaltungen über die Arbeit des Diakonischen Werks. Und sie war dafür verantwortlich, dass immer genügend Geld da war. So bat sie einmal im Jahr in einem Spendenbrief um finanzielle Unterstützung. Denn: „Ohne Geld geht es nicht.“

Gudrun Naser freut es, dass ihre Nachfolge frühzeitig geklärt werden konnte. „Das ist für alle schön“, sagt die 62-Jährige. Bereits seit 1. Juli ist Nadja Wurzinger an Bord. Die Verantwortlichen haben sich bewusst für eine lange Einarbeitungszeit entschieden. Nicht nur, um eine geordnete Übergabe zu gewährleisten, sondern auch, damit die Menschen Nadja Wurzinger kennenlernen können und umgekehrt.

Reisen für den Ruhestand geplant

Hat sie Pläne für den Ruhestand? „Mein Mann wartet schon auf mich“, meint Gudrun Naser lachend. Er ist seit drei Jahren Rentner und freue sich nun, dass sie „auch einmal ein bisschen mehr Zeit hat und flexibler ist“. Sie wollen reisen. Zudem werde sie „privat gebraucht“. Die 62-Jährige erzählt von ihren Enkelkindern und ihrem Vater.

Gudrun Naser will in ihrem Leben als Rentnerin „erst einmal ankommen, sich sortierten und dann neu ausrichten“. Nach einer „Auszeit“ von einem halben Jahr möchte sie gerne irgendwo ehrenamtlich tätig werden, sagt sie. Nachdem sie selbst beruflich stets auf Ehrenamtliche angewiesen war, weiß sie, wie dankbar Menschen sind, wenn sich jemand findet, der sich engagiert.

Offiziell verabschiedet wird Gudrun Naser am Sonntag, 29. Dezember, im Rahmen des dekanatsweiten go+-Gottesdienstes in der Feuchtwanger Stiftskirche. Gleichzeitig wird ihre Nachfolgerin Nadja Wurzinger ins Amt eingeführt. Beginn ist um 10 Uhr.

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