Ein Autofahrer überholt auf der Landstraße und kracht mit einer Gruppe von Teenagern auf ihren Mopeds zusammen - vier junge Menschen sterben. Der Horror-Unfall am Mittwochabend nordöstlich von Berlin erschüttert eine ganze Region. Das jüngste Opfer ist erst 14.
„Alle sind total geschockt. Das ist eine ganz schlimme Tragödie“, sagt Biesenthals Bürgermeister Carsten Bruch (CDU). Blumen und Kerzen liegen am Tag danach an der freigeräumten Unfallstelle, Trauernde halten dort inne. Schwarz verkohltes Gras ist noch im Straßengraben zu sehen, gelbe Markierungen auf dem Asphalt sollen das Unfallgeschehen festhalten.
In einem Pendlerland wie Brandenburg gehören Verkehrsunfälle zum Alltag, doch der Einsatz am Mittwochabend nahe der Kleinstadt Biesenthal ist auch für die Rettungskräfte besonders belastend. Notfallseelsorger und speziell geschulte Teams betreuen Einsatzkräfte, aber vor allem Angehörige, die am Abend an der Unfallstelle sind.
Vier junge Menschen sind tot - nach Angaben der Polizei ein 14-jähriges Mädchen, die auf einem Moped mitfuhr, und drei Jungs im Alter von 15, 16 und 19 Jahren. Der 61 Jahre alte Autofahrer kommt schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber in ein Berliner Krankenhaus. Gegen ihn ermittelt die Polizwei wegen fahrlässiger Tötung. Der Unfallhergang soll von Gutachtern rekonstruiert werden.
Die Polizei teilt nach bisherigen Erkenntnissen mit, dass der 61 Jahre alte Autofahrer mehrere vorausfahrende Fahrzeuge überholen wollte. Wie schnell er dabei war, sagt sie zunächst nicht. Der Wagen kracht auf drei entgegenkommende Mopeds, überschlägt sich und brennt aus.
Der Fahrer eines vierten Mopeds kann noch ausweichen und bleibt nach Angaben der Polizei unverletzt. „Er wird ein wichtiger Zeuge sein“, sagt ein Sprecher. Ihm soll angesichts der Tragik aber auch Zeit gegeben werden, bevor er ausführlich befragt werde. Die beteiligten Fahrzeuge - Auto und Mopeds - sind für die Ermittlungen der Kriminalpolizei beschlagnahmt.
Gerade im ländlichen Raum hätten viele junge Menschen die Mopeds der Marke Simson wiederentdeckt, erzählt Bürgermeister Bruch. Er habe selbst einen 15 Jahre alten Sohn, der mit einer sogenannten Schwalbe unterwegs sei. „Das geht einem sehr nah“, sagt er mit brüchiger Stimme.
Es müsse sich um ein „riskantes Überholmanöver“ gehandelt haben, meint Bruch. Auf der Strecke sei eine Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde erlaubt. Es handele sich um eine gerade Strecke mit einer Senke, die eigentlich gut einzusehen sei. Laut Erkenntnissen des Verkehrsministeriums in Potsdam soll es sich bei der Unfallstelle auf der Landstraße L 200 nicht um einen Unfallschwerpunkt handeln.
Der genaue Unfallhergang ist aber noch unklar. Unfallforscher der Prüforganisation Dekra betonen allgemein: „Überholmanöver sind eine der kritischsten Fahrsituationen überhaupt. Beim geringsten Zweifel ist Überholen deshalb keine Option.“ Unfälle beim Überholen seien häufig das Ergebnis von Fehleinschätzungen.
Der Landrat des Kreises Barnim, Daniel Kurth, spricht tief erschüttert von einem „furchtbaren Unglück“. Der Landkreis biete den betroffenen Schulen Hilfe an. Zudem wurde Trauerbeflaggung an Schulen und Dienststellen des Landkreises angeordnet. Bis Freitag sollen die Fahnen als Zeichen der öffentlichen Trauer auf halbmast wehen.
Für den Abend (18.00 Uhr) ist in der Marienkirche im benachbarten Bernau eine Gedenkveranstaltung geplant, zu der unter anderem Freunde und Mitschüler erwartet werden. Auch Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) zeigt sich erschüttert: „Meine Gedanken sind bei ihren Familien und Freunden. Ihnen gilt mein tiefes Mitgefühl.“
Auch die Einsatzkräfte sollen Unterstützung bekommen. Sie hätten Bilder sehen müssen, die sie bislang nicht gekannt hätten, meint Bürgermeister Bruch. Der Kriseninterventionsdienst sei schon am Unfallabend bis 2.00 Uhr morgens bei den Feuerwehren gewesen.
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