Wut, Angst, Trauer und Freude gehören zu unseren primären Emotionen. Diese entwickeln sich bei Kindern schon im ersten Lebensjahr. Doch kleinen Kindern fehlt noch die Fähigkeit, ihre Gefühle selbst zu regulieren, erklärt die Kinder- und Jugendpsychiaterin Eva Möhler in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Apotheken Umschau Eltern“ (08/2026).
Erst im Alter zwischen zwei und sechs Jahren entwickelt sich der Zugang zum Präfrontalen Kortex, dem Gehirnteil, der für die Regulation zuständig ist, so die Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universitätsklinik des Saarlandes in Bad Homburg. Einstweilen sind es also die Eltern, die dabei helfen müssen.
Wie können Eltern Kinder bei starken Gefühlen also am besten begleiten? Die Ergotherapeutin und Familientherapeutin Kiran Deuretzbacher gibt dazu in der „Apotheken Umschau Eltern“ Tipps. Dazu gehört, die eigenen Emotionen im Griff zu haben und die Gefühle des Kindes ernst zu nehmen, auch wenn sie als Erwachsene eine Situation besser einschätzen können.
Ist das Kind etwa wütend, rät Deuretzbacher: erst einmal durchatmen, ruhig bleiben und nicht selbst einsteigen. Sätze wie „Beruhig dich doch mal“ machen ihr zufolge das Kind oft noch viel wütender.
Besser sei es, dem Kind das Gefühl zu spiegeln. So könne man etwa fragen: „Wie blöd findest du das eigentlich?“ Zudem kann es helfen, eine Frage zu stellen, die das Kind mit „Ja“ beantworten kann. Dabei sei es nicht das Ziel, dass das Kind direkt ruhig wird, sondern Sicherheit gewinnt, erklärt die Ergotherapeutin.
Grundsätzlich sei es wichtig, der Wut Raum zu geben. Denn sie kann ein Zeichen dafür sein, dass Grenzen überschritten wurden. Oder jemand entgegen unseren Werten gehandelt hat, so Deuretzbacher. Wut kann uns auch helfen, für uns einzustehen - oder ein Ziel zu erreichen, das uns wichtig ist. Hinter Wut kann sich aber auch Angst oder Traurigkeit verstecken.
Jeder will, dass sein Kind glücklich ist - doch Eltern sollten ihrem Nachwuchs Gefühle wie Traurigkeit und Trauer nicht absprechen, wenn etwa ein Stofftier verloren geht oder man sich von der Lieblingserzieherin verabschieden muss.
Stattdessen können Eltern ihre Kinder fragen, was sie gerade brauchen, und dann Vorschläge machen, etwa:
Oder sie fragen, ob das Kind kurz alleine sein will. Wichtig sei dann zu signalisieren: „Ich bin da, wenn du mich brauchst.“ Wenn die Traurigkeit ihren Raum bekommen hat, darf es danach weitergehen.
„Du brauchst keine Angst haben“ - den Satz hat vermutlich jedes Kind schon einmal gehört und jeder Elternteil gesagt. Doch auch Angst hat grundsätzlich eine Funktion: „Angst schützt uns“, so Deuretzbacher. Sie macht wachsamer, wenn man nicht weiß, was kommt - und für Kinder sind viele Dinge neu.
Um akute Angst etwa vor einer ungewohnten Situation zu lindern, hilft laut Deuretzbacher etwa
Sollten Ängste häufiger auftreten und so stark ausgeprägt sein, dass sie den Alltag stark einschränken, sollten Eltern mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin sprechen. Dann könne es sich um Angststörung handeln.
Übrigens: Auch bei großer Freude sollten Eltern ihre Kinder besonders beim Übergang begleiten. Damit die Stimmung nicht kippt, brauche Freude eine Landebahn - etwa nach einem Kindergeburtstag nach Hause laufen, um langsam in ruhigere Stimmung zu kommen.
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