Die Chancen stehen bestens, dass in Feuchtwangen schon bald grüner Wasserstoff produziert wird. Die Projektskizze hat das Wirtschaftsministerium in München überzeugt. Damit bekäme der Zweckverband Industrie-/Gewerbepark Interfranken in absehbarer Zeit ein vorzeigbares Projekt.
Im Raum steht eine Förderung von fünf Millionen Euro durch den Freistaat Bayern. Hinzu kommen neun Millionen Euro, die über die Nahkraft GmbH &Co. KG und Partner investiert werden sollen. Die Nahkraft ist eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Feuchtwangen.
Vorgesehen ist eine Elektrolyse-Anlage in einem Feuchtwanger Industriegebiet. Der genaue Standort ist noch nicht festgelegt. Nötig ist eine Fläche von gut 5000 Quadratmetern, erklärte Thomas Stöhr, der kaufmännische Werkleiter der Stadtwerke. Die Inbetriebnahme ist für den Herbst 2026 anvisiert. Die Anlage soll eine Leistung von fünf Megawatt haben und im Jahr 600.000 Kilogramm Wasserstoff produzieren.
Dafür sind etwa 25 Megawatt grüner Strom nötig, erläuterte Feuchtwangens Bürgermeister Patrick Ruh in seiner Funktion als Vorsitzender des Interfranken-Zweckverbands in dessen Sitzung. Etwa 90 Prozent des Stroms liefern bestehende oder bereits geplante Photovoltaikmodule, den Rest sollen Windräder erzeugen. Der Wasserverbrauch liege auf dem Niveau von 159 Haushalten, so Ruh.
Feste Abnahmegarantien mit Unternehmern stellen sicher, dass sich die Investition refinanziert. 5,50 Euro zahlen die Partner für ein Kilogramm, so Ruh. Das bewegt sich am unteren Ende der üblichen Preise, die aktuell für grünen Wasserstoff verlangt werden. Ruh räumte ein, dass Erdgas wieder sehr billig ist und Wasserstoff damit aus wirtschaftlichen Gründen weniger attraktiv. Aber: „Wenn wir uns davon abschrecken ließen, würde gar nichts mehr vorangehen in Deutschland.“
Der Feuchtwanger Bürgermeister geht davon aus, dass die Produktion von grünem Wasserstoff erst in Feuchtwangen und in einem zweiten Schritt im Interfranken-Industriegebiet „einen erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung der gesamten Region haben“ wird. In einer Pressemitteilung bezeichnet er das Vorhaben als „beispielhaft und visionär für den gesamten Landkreis und westlichen Bezirk“. Er sieht „weitreichende ökologische sowie nachhaltige Potenziale, die es jetzt zu nutzen gilt“.
Ruh hat keine Bedenken, dass die Förderung durch den Freistaat nicht fließen könnte. 65 Projektskizzen wurden für das Bayerische Förderprogramm zum Aufbau einer Elektrolyse-Infrastruktur eingereicht, berichtete er. 13 Ideen überzeugten die Verantwortlichen. Darunter auch das Projekt der Nahkraft GmbH & Co. KG, einer Tochtergesellschaft der Stadtwerke Feuchtwangen. Die Auserwählten dürfen nun Förderanträge einreichen. „Die Fördermittel reichen für alle 13 Projekte“, erklärte Ruh.
Teil des Feuchtwanger Pakets ist auch eine Wasserstofftankstelle in direkter Nähe zur Autobahn. Ein Leitungsnetz, um eine solche anbinden zu können, sei ebenfalls schon vorhanden.
Der Elektrolyseur, der später einmal im Industriegebiet Interfranken zum Einsatz kommen soll, wird nach Stand der Dinge etwa die dreifache Leistung des nun in Feuchtwangen vorgesehenen haben. Damit könne man nun Erfahrungen sammeln. Der Wasserbrauch der großen Anlage wird etwa dem von 500 Haushalten entsprechen. „Man sieht also, wir sind weit weg von einer industriellen Großproduktion“, sagte Ruh mit Blick auf Produktionsstätten wie das Tesla-Werk in Brandenburg.
Der Elektrolyseur hat das Zeug dazu, die Industriepark-Idee spürbar anzuschieben, weil es damit endlich etwas Vorzeigbares geben dürfte. Entstanden ist die Idee im Rahmen der Wasserstoff-Initiative des Zweckverbandes. Das „HyStarter“-Projekt hat der Bund gefördert. „Daraus konnten wir zahlreiche Kontakte an Wasserstoff interessierter Kooperationspartner und potenzieller Abnehmer des in Feuchtwangen produzierten grünen Wasserstoffes gewinnen“, erläuterte Lothar Beckler, Leiter der Stadtwerke und Geschäftsführer der Nahkraft.
Bei der Elektrolyse wird mit Hilfe von elektrischem Strom eine chemische Reaktion ausgelöst und damit eine Stoffumwandlung herbeigeführt. Wenn mit Hilfe von Ökostrom aus Wasser Wasserstoff erzeugt wird, spricht man von grünem Wasserstoff im Gegensatz zum grauen Wasserstoff, der mit fossilen Energieformen hergestellt wird. Dieser gilt derzeit als favorisierte Lösung, um jene Energie zu speichern, die erneuerbare Quellen wie Windkraft und Photovoltaik zu bestimmten Zeiten im Überfluss und zu anderen Zeiten nicht im ausreichenden Maße liefern.