Der Lebensmittelhändler Edeka darf in Deutschland 178 Filialen der Supermarktkette Tegut unter eigener Flagge weiterbetreiben. Das teilte das Bundeskartellamt in Bonn mit. Die Genehmigung gilt auch für den Supermarkt im Ansbacher Retti-Center.
Die Schweizer Genossenschaft Migros Zürich hatte im März angekündigt, Tegut verkaufen zu wollen. Edeka wollte ursprünglich 202 der rund 300 Supermärkte der Kette erwerben und anschließend weiterbetreiben. Die Wettbewerbshüter äußerten jedoch Bedenken. Sie befürchteten, dass Edekas Marktanteil in einigen Regionen zu hoch sein und dadurch ein wirksamer Wettbewerb behindert werden könnte. Deshalb wurde eine Übernahme in der geplanten Form abgelehnt.
Edeka verpflichtete sich deshalb, 24 der vorgesehenen 202 Tegut-Standorte für einen Zeitraum von vier Jahren nicht zu erwerben. „Damit verhindern wir, dass es in den betroffenen Regionen durch die Übernahme zu Verschlechterungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher kommt“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.
Die Behörde veröffentlichte im Internet eine Liste der Filialen, die Edeka übernehmen darf. Die meisten befinden sich in Hessen, Bayern und Thüringen. Zum Edeka-Übernahmepaket gehören auch das Tegut-Logistikzentrum in Hünfeld-Michelsrombach an der A7 in der Rhön, die Bäckerei Herzberger sowie die 41 personallosen „Teo“-Minimärkte.
In Langenfeld (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) übernimmt das Unternehmen „Tante Enso” den Dorfladen von seinem bisherigen Betreiber Tegut. Als Termin wurde der Donnerstag, 1. Oktober, von dem Bremer Unternehmen angekündigt.
Der Edeka-Verbund begrüßte die Freigabe der Übernahme durch das Kartellamt. „Das ist eine gute Nachricht für die Beschäftigten und die Menschen in den betroffenen Regionen.“ Damit erhielten rund 3700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine klare Zukunftsperspektive. Die übernommenen Filialen sollen schrittweise in den genossenschaftlichen Edeka-Verbund integriert werden.
Das Bundeskartellamt hat die geplante Übernahme seit März nach eigenen Angaben intensiv untersucht. Hintergrund sind die Wettbewerbsverhältnisse und eine zunehmende Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Der Behörde zufolge vereinten Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) sowie Aldi (Nord und Süd) 2025 zusammen mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze auf sich.
Eine einzelmarktübergreifende kollektive Marktbeherrschung der führenden Lebensmitteleinzelhandels-Unternehmen habe sich jedoch nicht feststellen lassen, teilte das Kartellamt mit.
Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe. Die Kette ist in sechs Bundesländern vertreten, die meisten Märkte befinden sich in Hessen. Laut Migros beschäftigt Tegut knapp 7.500 Menschen. Die Marke soll aufgegeben werden.