Hämmern, bohren, flechten: Im Bad Windsheimer Freilandmuseum wurde gewerkelt | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 15.10.2025 10:05

Hämmern, bohren, flechten: Im Bad Windsheimer Freilandmuseum wurde gewerkelt

Bernhard Gabert demonstriert im Bad Windsheimer Freilandmuseum, wie alte Bücher restauriert und Beschläge hergestellt werden. (Foto: Helmut Meixner)
Bernhard Gabert demonstriert im Bad Windsheimer Freilandmuseum, wie alte Bücher restauriert und Beschläge hergestellt werden. (Foto: Helmut Meixner)
Bernhard Gabert demonstriert im Bad Windsheimer Freilandmuseum, wie alte Bücher restauriert und Beschläge hergestellt werden. (Foto: Helmut Meixner)

Am Tag des dörflichen Handwerks ging es im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim ein letztes Mal in diesem Jahr in vielen der historischen Gebäude der Baugruppe West äußerst geschäftig zu. Vier Stunden lang wurde gehämmert, gebohrt und geflochten.

Büttner, Schuster und Schmiede präsentierten den Besucherinnen und Besuchern ihr handwerkliches Geschick. Mitunter konnte man selbst Hand anlegen und nicht nur Kinder mussten feststellen, dass nicht alles, was auf den ersten Blick einfach aussieht, auch einfach ist.

Noch bevor in den Mittagsstunden von den Handwerkerinnen und Handwerkern zu den Werkzeugen gegriffen wurde, bot sich den Gästen die Gelegenheit, sich Sabine Ruf anzuschließen. Sie vermittelte Einblicke in die Geschäftigkeit, aber auch in die soziale Stellung der einst im dörflichen Handwerk verwurzelten Menschen.

Leicht zu erlernen

Offenkundig wurde: In der bäuerlich strukturierten Landbevölkerung reichten die mit dem Ackerbau erwirtschafteten Produkte zum Leben häufig kaum aus. Ein zweiter Broterwerb musste her. Das war in der Regel ein solcher, der leicht zu erlernen und von der ganzen Familie, nicht selten von den Kindern, auszuüben war.

Korbmacher, Weber, Schneider oder Schuster zählten zu jenen Berufen. Sie alle waren, weil das Handwerk fast jeder Laie beherrschte, im sozialen Gefüge nicht besonders angesehen. Konkurrenz gab es zudem von den „Störleuten“, zu denen etwa der Scherenschleifer zählte: Sie waren Handwerker, die von Hof zu Hof zogen und zumeist mit Naturalien entlohnt wurden.

Schmiede besaßen eigene Werkstatt

Ganz anders sah das indes bei den Schmieden aus: Sie besaßen eine eigene Werkstatt, mussten eine fachliche Ausbildung durchlaufen und hatten Gesellen. Die Schmiede arbeiteten häufig im Team und beherrschten den Umgang mit den ganz unterschiedlichen Materialien. Zudem kam es vor, dass sie sich auf bestimmte Tätigkeiten spezialisierten und beispielsweise Hufeisen oder Nägel herstellten.

Bereits vor dem Mittagsläuten hatte Bernhard Gabert seine Werkstatt für die Besucherinnen und Besucher geöffnet. Sein Metier: Die Kunst des Restaurierens alter Bücher, dazu gehört unter anderem die originalgetreue Nachfertigung handgetriebener Buchbeschläge aus Messing sowie das Versilbern und Vergolden von in Mitleidenschaft gezogenen literarischen Werken. Diese Handwerkskunst, weckte just bei jenen Gästen die Aufmerksamkeit, die archivarisch interessiert sind, Ahnenforschung betreiben oder ganz einfach nur etwas über ein zu Hause lagerndes, vermeintlich kostbares Buch in Erfahrung bringen wollten.

Ruhe in den Wintermonaten

Im Verlauf des Nachmittags sprühten außerdem in der Schmiede von Mailheim die Funken und im Köblerhaus von Oberfelden klickte der Webstuhl. Andernorts flogen die Späne oder es wurde Wolle gesponnen. Ein letztes Mal in diesem Jahr, denn in den meisten der Werkstätten kehrt in den Wintermonaten Ruhe ein.


Von HELMUT MEIXNER
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