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Veröffentlicht am 24.09.2024 14:45

Händler wollen Einkaufsstraße in Ansbach retten

Es ist noch gar nicht so lange her, dass es in der Altstadt eine florierende Einkaufsmeile gab. Für Menschen, die in Ansbach bummeln gehen wollten, gehörte ein Besuch in der Neustadt dazu. Die aktuelle Situation stellt sich allerdings grundlegend anders dar. Nun wollen die ansässigen Händler gegensteuern und als „Wilde 13“ Zähne zeigen.

Bunte Regenschirme oder lachende Gesichter, die seit einer Initiative von Boutiquen-Besitzerin Manuela Trapp in den warmen Monaten an quer gespannten Stahlseilen über den Köpfen der Menschen im Wind flattern, verschaffen der Neustadt ein lebendiges Flair. Die verschiedenen Grautöne des Pflasters werden so ein wenig aufgebrochen. Eine wie auch immer geartete Begrünung der Neustadt hat man bei der Planung nicht berücksichtigt. Dabei war die langgezogene Straße über sieben Jahre lang Baustelle. Ein Grund für den wirtschaftlichen Niedergang, meinen die Händler unisono.

Vergilbte Bautafel und Leerstände

Wer jetzt noch in der Neustadt einen Laden betreibt, hat zweifellos Stehvermögen. Die Leerstände sind offensichtlich. An einem Ende der Straße wird die Immobilie, in der einst ein Spielzeuggeschäft Kinderaugen leuchten ließ, seit Jahren umgebaut – die inzwischen vergilbte Bautafel lässt erahnen, dass dieses Vorhaben keine Priorität mehr hat. Ein paar Hundert Meter weiter hat sich ein Automatenladen eingemietet, in dem kein Verkaufspersonal benötigt wird. Gleich nebenan wartet ein Geschäft, in dem früher hochwertige Trachten angeboten wurden, seit Monaten auf neue Pächter.

„Wir in der Neustadt sind die Stiefkinder. Für uns tut die Stadt nichts“, bringt Manuela Trapp die bei den Händlern vorherrschende Meinung auf den Punkt. „Es stimmt, dieses Gefühl ist bei uns allen so vorhanden.“ Viele Köpfe der betroffenen Händler und Unternehmer nicken bei dem Termin vor Ort zustimmend.

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Viele Rückschläge in den vergangenen Jahren

Sie haben in den zurückliegenden Jahren nicht wenige Rückschläge hinnehmen müssen, es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis alle Leitungen neu verlegt waren und die Straße komplett neu gepflastert war. Zuträglich für das Geschäft war die siebenjährige Bauzeit sicher nicht. Stadträtin Elke Homm-Vogel, die mit dem Tante-Anna-Laden am Eck zum Fermo-Platz einen Nahversorger in der Neustadt etablieren will, verpackt den Unmut diplomatisch: „Wir müssen die Neustadt ins Gedächtnis der Menschen zurückrufen.“

Dazu hat Homm-Vogel vor einigen Wochen die verschiedenen Anfragen in einem Händlertreff gebündelt. Sie ist als umtriebige Bürgermeisterin und verwaltungserfahrene Initiatorin des Nahversorgers so etwas wie ein verständnisvolles Bindeglied zur Stadt. Es geht bei dem Neustadt-Stammtisch darum, sich auszutauschen, gemeinsam Ideen zu entwickeln und daraus resultierende Projekte in die Umsetzung zu bringen.

Die „Wilden 13“ hilft sich selbst

Hilf’ Dir selbst – das könnte das Credo der „Wilden 13“ sein, wie sich der momentan aus 13 Beteiligten bestehende Zusammenschluss in Anlehnung an den Klassiker von Michael Ende augenzwinkernd nennt. Als erstes Projekt hat sich die „Wilde 13“ der Ausgestaltung der Grünen Nacht in der Neustadt am Samstag verschrieben.

Nur zur Sicherheit fragte Homm-Vogel bei den Verantwortlichen an, ob die fußläufig nur drei Minuten vom Martin-Luther-Platz gelegene Neustadt ebenfalls dabei berücksichtigt wird. „Uns wurde versprochen, dass auch die Neustadt bei der Grünen Nacht grün ist.“

Bunte Aktionen einer Privatinitiative

Doch das ist längst nicht alles: Am Ein- und Ausgang der Straße werden am Samstag grünleuchtende Kegel platziert. Über den Köpfen der Besucher, die hier ebenfalls bis 20 Uhr einkaufen können, sollen grüne Bänder wehen. Bei Tante Anna werden grüne Snacks feilgeboten, die Stadtfreunde bieten leckeres Grillgut, im gegenüberliegenden Café werden auf das Event abgestimmte Spezialitäten serviert, und das Whisky-Kontor hat Hochprozentiges von der grünen Insel Irland im Angebot.

„Wir wollen eine Brücke schlagen vom Martin-Luther-Platz in die Neustadt.“ So lautet das übergeordnete Ziel, erklärt Christian Eichinger, dessen historischer Innenhof ebenfalls zur Besichtigung offensteht. Ein paar Meter weiter vorne wird vor der Männer-Boutique getanzt, getrunken und gefeiert: Der Laden bleibt ohne Beratung und Verkauf bis 23 Uhr geöffnet, serviert werden Cocktails sowie hopfenlastige Getränke. Womöglich schwelgt dann der ein oder andere in Erinnerungen an eine einstmals florierende Einkaufsstraße.

Das ist nur ein Teil der „Wilden 13“: In der Neustadt wollen die Händler um Manuela Trapp, Elke Knöbl, Elisabeth Rössl, Christian Eichinger, Ann-Kathrin Hartmann, Michael Sichelstiel und Elke Homm-Vogel (von links) selbst initiativ werden und das Schicksal der Straße nicht nur in die Hände der Stadt legen.  (Foto: Florian Pöhlmann)
Das ist nur ein Teil der „Wilden 13“: In der Neustadt wollen die Händler um Manuela Trapp, Elke Knöbl, Elisabeth Rössl, Christian Eichinger, Ann-Kathrin Hartmann, Michael Sichelstiel und Elke Homm-Vogel (von links) selbst initiativ werden und das Schicksal der Straße nicht nur in die Hände der Stadt legen. (Foto: Florian Pöhlmann)
Das ist nur ein Teil der „Wilden 13“: In der Neustadt wollen die Händler um Manuela Trapp, Elke Knöbl, Elisabeth Rössl, Christian Eichinger, Ann-Kathrin Hartmann, Michael Sichelstiel und Elke Homm-Vogel (von links) selbst initiativ werden und das Schicksal der Straße nicht nur in die Hände der Stadt legen. (Foto: Florian Pöhlmann)

Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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