Der Augenblick war gut gewählt, Klaus Meier arbeitet an seinem Vermächtnis: Nur noch rund vier Monate wird der Neustädter Bürgermeister im Amt sein, sich anschließend stattdessen den Pflichten eines Großvaters widmen. Wie schön, dass er den Innenstadtbewohnern kurz davor noch zwei Geschenke machen kann.
Die beiden Präsente haben zwar kein Schleifchen und passen unter keinen Weihnachtsbaum, und streng genommen ist Meier auch gar nicht der Schenkende, doch zumindest die Tatsache, dass nach der Frustration und dem Ärger der vergangenen Monate wieder eine Postfiliale ins Gebäude Bamberger Straße 3 einziehen wird, dürften viele Neustädterinnen und Neustädter künftig mit der „Ära Meier” verbinden.
Zur Erinnerung: In der Bamberger Straße 3 wollte ein Geschäftsmann aus Unterfranken die traditionsreiche Buchhandlung Schmidt, die ein Jahrhundert lang genau gegenüber im Haus Nummer 4 residiert hatte, weiter betreiben. Sogar den Namenszug „Buchhandlung Schmidt” hatte er bereits an die Schaufensterscheiben geklebt und zur Freude der Neustädter sollte neben Büchern und Schreibwaren dort als Ersatz für die geschlossene Postfiliale in der Alleestraße auch eine Post-Servicestation mit den wichtigsten Dienstleistungen einziehen.
Das klappte auch zunächst ganz gut – allerdings nur für einige Wochen. Im Juni hing dann plötzlich ein Zettel an der Eingangstüre, wonach das Geschäft kurzfristig wegen „Krankheit” geschlossen sei. Dies müsse aber eine höchst langwierige Erkrankung sein, mutmaßten nach einigen weiteren Wochen viele, denn die Türen blieben verschlossen. Der Geschäftsmann war nicht erreichbar, die Post wusste zunächst von nichts, erklärte sich dann bedauernd für „nicht zuständig”, und die Postfiliale schien spätestens im Herbst nur noch ein ferner Traum zu sein.
Jetzt die Kehrtwende: „Gemeinsam mit unserem Wirtschaftsförderer Rüdiger Eisen habe ich in den vergangenen Monaten intensiv alle Möglichkeiten ausgelotet, um erneut eine Postlösung für die Innenstadt zu schaffen”, erklärte Klaus Meier in der Stadtratssitzung. Zahlreiche Gespräche habe er geführt, letztlich sei die Hartnäckigkeit von Erfolg gekrönt worden: „Voraussichtlich ab dem 12. Januar 2026 wird es in der Bamberger Straße 3 wieder eine neue Partnerfiliale der Post geben.” Just am Sitzungstag, so Meier weiter, sei ein bestätigendes Schreiben seitens der Post eingegangen.
Damit nicht genug der guten Nachrichten: Der neue Betreiber sei erfahren, was derartige Postdienststellen angeht, habe im Raum Nürnberg schon mehrere Filialen und biete Öffnungszeiten von Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 18 Uhr sowie am Samstag von 9 bis 13 Uhr. Dies sei „ein gutes Signal” für Neustadt, so Klaus Meier – vor allem ältere Menschen würden davon sehr profitieren.
Apropos „gutes Signal”: Ein weiteres Zeichen für die Belebung der Innenstadt erwächst demnächst genau gegenüber der neuen Postfiliale: Ein Lese- und Begegnungscafé. Dieses entsteht mit einigen Umbauten, die unter anderem auch die Fassade des geschichtsträchtigen Hauses betreffen, in jenem Gebäude, das bis Ende 2024 noch die Buchhandlung Schmidt beherbergt hatte: Bamberger Straße 4.
„Es ist höchste Zeit für neue Gastronomie in der Innenstadt.”
„Viel Charme” attestierte Heike Gareis (SPD) einem zukünftigen Lesecafé, und man solle dem Inhaber doch auch bei der beantragten Befreiung von der Stellplatzsatzung entgegenkommen, da das Projekt schließlich sehr unmittelbar der Innenstadt-Belebung diene. Ähnlich sahen es David Muck seitens der Grünen („Es ist höchste Zeit für neue Gastronomie in der Innenstadt”) und Reinhard Wendel für die FWG, der vor allem die in den Plänen erkennbare Fassadenumgestaltung als „klare Aufwertung” betrachtete.
Von den Auflagen der angesprochenen Stellplatzsatzung wurde der Hausbesitzer dann auch prompt befreit – mit der Begründung, dass durch die neue Nutzung mit einer in etwa zur früheren Buchhandlung vergleichbaren Publikumsfrequenz zu rechnen sei und sich somit „kein Stellplatzmehrbedarf” ergebe. Die Zustimmung zum Projekt erfolgte schließlich einstimmig; wann mit der Neueröffnung zu rechnen ist, wurde an diesem Abend nicht gesagt.