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Veröffentlicht am 19.04.2026 05:32, aktualisiert am 19.04.2026 11:12

Handball bei Hoffenheim: BVB-Profis als Schichtarbeiter

Süle erwischte einen gebrauchten Tag. (Foto: Uwe Anspach/dpa)
Süle erwischte einen gebrauchten Tag. (Foto: Uwe Anspach/dpa)
Süle erwischte einen gebrauchten Tag. (Foto: Uwe Anspach/dpa)

Der schmerzverzerrt am Boden liegende Niklas Süle war ein schönes Sinnbild für die aktuelle Version von Borussia Dortmund. Erst verletzt, dann im Liegen noch einen Handelfmeter verschuldet: So misslungen Süles Heimkehr beim 1:2 bei der TSG Hoffenheim lief, so holprig taumelt der BVB auch in Richtung Saisonende.

Zu schwach für die Bayern, zu stark für den Rest, zu unbeständig in den beiden Pokalwettbewerben: Dortmund wird zwar die Champions League erneut erreichen, doch die fehlende Konstanz und die im Saisonendspurt schwache Form dürfte die Bilanz kräftig trüben. „Es ist immer nur eine Halbzeit, die wir spielen. Eine Halbzeit sind wir eher Beobachter“, kritisierte Cheftrainer Niko Kovac. Seine Profis sind aktuell eher Schichtarbeiter.

Ricken: Kein schöner Nachmittag

Die Beobachter auf der Tribüne um Sport-Geschäftsführer Lars Ricken und Ex-Clubchef Hans-Joachim Watzke sahen in der sonnendurchfluteten Arena von Sinsheim dementsprechend bedröppelt aus. 

„Es war kein schöner Nachmittag“, sagte Ricken, der nur kurz über die beiden von Andrej Kramaric verwandelten Handelfmeter sprechen wollte. „Wir haben unsere eigenen Themen und sind uns einig: Wir brauchen nicht mit dem Finger auf den Schiedsrichter zu zeigen. Wir hätten von Anfang an mehr Mut zeigen können“, sagte Ricken.

Die Elfmeter, die Schiedsrichter Daniel Siebert jeweils erst nach ausführlichem Studium der Videobilder pfiff, waren trotzdem das Thema des Nachmittags. Kovac redete nach Abpfiff intensiv auf Siebert ein, in den Katakomben diskutierte zudem BVB-Clubchef Carsten Cramer angeregt mit dem deutschen Spitzenschiedsrichter.

Zweites Handspiel erst mit Zeitlupe sichtbar

„Der VAR ist nicht das Problem. Die Handregel ist das Problem. Sie ist für mich absurd“, sagte Kovac. In Halbzeit eins hatte Süle nach seinem Ausrutscher die Körperfläche vergrößert. 

Spät in der Nachspielzeit streifte dann ein Ball den Arm von Julian Ryerson - den zarten Kontakt hatte im Stadion keiner der 30.150 Zuschauer groß bemerkt. Erst mit Zeitlupe und Videostudium kam es zu einer Diskussion, ob Elfmeter oder nicht. 

„Auch hier ist es so, dass Ryerson Fokus auf den Ball hat. Er sieht, wo der Ball herkommt. Die Handposition, die nicht eng am Körper ist, sondern abgewinkelt auf Schulterhöhe, macht die Sache auch unter dem Strich strafbar“, begründete Siebert im Anschluss bei Sky. Kovac erklärte: „Ich möchte nicht über die Elfmeter diskutieren. Laut der Regel, die wir haben, sind sie klar. Aber sie sind nicht im Sinne des Erfinders.“

Die Fußballer des BVB erinnerten diesmal an die - vor allem bei den Frauen erfolgreiche - Handball-Abteilung des Clubs. Und besonders bitter wurde es für Süle, der vier Wochen vor seinem Abschied in Dortmund ein kleines Geschenk bekommen und in seiner alten Heimat auflaufen sollte.

Folgenreiches Geschenk für Süle

„Natürlich ist es immer wieder schön, wenn man dort spielt, wo man aufgewachsen ist. Das war die Intention“, berichtete Kovac über den ersten Bundesliga-Einsatz von Süle seit Anfang März. Der Abwehrspieler wird den Verein im Sommer nach vier Jahren verlassen, der verschuldete Handelfmeter nach dem Ausrutscher könnte seine letzte Aktion im Trikot der Borussia gewesen sein.

Im Bundesliga-Endspurt wird es für den BVB darum gehen, den zweiten Platz abzusichern. Fünf Punkte beträgt das Polster auf den formstarken Verfolger RB Leipzig. „Unser klares Ziel ist Tabellenplatz zwei. Wir wollen mit so vielen Siegen wie möglich rausgehen“, sagte Ricken. Das Tor von Joker Serhou Guirassy genügte am Samstag nicht.

Der BVB spielt noch in Gladbach und Bremen, dazu im eigenen Stadion gegen den SC Freiburg und Eintracht Frankfurt. Dann dürften unter anderem Süle und Julian Brandt verabschiedet werden. „Wir wissen, wo wir hin wollen. Ein paar Entscheidungen haben wir schon getroffen“, sagte Ricken mit Blick auf den Sommer.

© dpa-infocom, dpa:260419-930-963593/2


Von dpa
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