Heilige Drei Könige neu interpretiert: unterhaltsamer Abend in Bad Windsheim | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 22.12.2025 12:17

Heilige Drei Könige neu interpretiert: unterhaltsamer Abend in Bad Windsheim

Killen und Brigitte McNeill sowie Ebo Filipp präsentierten im Ochsenhof die Wunder – oder auch „das Wundern” – der Adventszeit (Foto: HANS-BERND GLANZ)
Killen und Brigitte McNeill sowie Ebo Filipp präsentierten im Ochsenhof die Wunder – oder auch „das Wundern” – der Adventszeit (Foto: HANS-BERND GLANZ)
Killen und Brigitte McNeill sowie Ebo Filipp präsentierten im Ochsenhof die Wunder – oder auch „das Wundern” – der Adventszeit (Foto: HANS-BERND GLANZ)

Höchste Zeit, dass auch bei den Heiligen Drei Königen endlich die Gleichberechtigung Einzug hält. Künftig sind nur noch zwei, ein Mann und eine Frau, unterwegs. Mitgebracht werden Windeln, was soll das Kind in der Krippe schließlich mit Gold, Weihrauch und Myrrhe anfangen?

Antworten auf diese und viele weitere ungestellte Fragen rund um die Weihnachtszeit gaben Brigitte und Killen McNeill zusammen mit ihrem Bühnenpartner Ebo Filipp im Bad Windsheimer Ochsenhof. Höchst vergnügliche Antworten – das sei vorausgeschickt

Mit ihrem Programm „Von Pelzmärtel bis Zwaakönig…“ standen die Drei im Rahmen der Reihe „Kunst im Ochsenhof“ am Samstag auf der Bühne. Es wurde eine gelungene Mischung aus feinsinnigem Humor, musikalischen Beiträgen und Lesungen von Brigitte McNeill. Höchst amüsant wurden da irische Weihnachtsriten aus der Heimat von Killen McNeill beschrieben, die so ganz anders als die hierzulande gewohnten Rituale sind. Dass ihr Mitbringsel – selbst gebackene Plätzchen – schon im Zug hinter Würzburg auf dem Boden des Abteils in drangvoller Enge sein Leben aushauchte, sei nur am Rande erwähnt.

Manch ein Zuhörer könnte vielleicht eigene Erlebnisse beitragen, als die vier Adventssamstage im Verkauf in den Fokus der beiden McNeills rückten. Die Verkäuferschulung „Die fränkische Freundlichkeit“ motivierte das Personal demnach nur am ersten Samstag. Danach gings stetig abwärts bis zum vierten: Der letzte Kunde wurde mit dem Stoßseufzer „jetzt haut er endlich ab“ verabschiedet. Und dass Teile von Omas fünf Stollen, „groß wie ein Wickelkind“ noch im Februar auf den Frühstückstisch kamen, war Anlass zu leiser Kritik an ihrer Backorgie.

Tag für Tag, Ereignis um Ereignis

Tag für Tag, Ereignis um Ereignis, arbeiteten sich die Drei auf der Bühne zeitlich weiter vor. Ein betrunkener Nikolaus auf der hinteren Stoßstange des alten Käfers bis zum Kinder entführenden Knecht Rupprecht waren Erlebnisse aus der Adventszeit, die Killen McNeill und Ebo Filipp im Dialog schilderten. Ein Blick auf die vielen Weihnachtsmärkte durfte natürlich auch nicht fehlen. Vor dem geistigen Auge begleiteten die Zuhörer einen Besuch am ersten Glühweinstand quer über den Markt bis zur Abfahrt des Betrunkenen „mit Blaulicht zum Magenauspumpen“.

Silvester – Dinner for one. Gelächter unter den Besuchern, als Brigitte und Killen McNeill den berühmten Sketch mit Freddie Frinton und seiner Partnerin May Warden unter dem Blickwinkel „was wäre wenn…” nachspielen wollten. Admiral von Schneider wird hier zum Wehrdienstgegner, Butler Killen ersatzlos gestrichen, ebenso wie der Sherry und andere Alkoholika – aus Jugendschutzgründen. Das Tigerfell zum Stolpern? Ein Graus für den Tierschützer und damit – natürlich – ebenfalls ersatzlos gestrichen. Und weil sich durch das Dinner Frutarier verletzt fühlen könnten, fällt auch dieses unter den noch vorhandenen Tisch.

Was bleibt übrig vom Dinner for one? Richtig, nichts. Dass das übliche Raclette in der Nacht des Jahreswechsels nur von Leuten, die nicht kochen können, zelebriert wird, ist übrigens nur eine unbestätigte Vermutung von Brigitte McNeill.

Am Ende war es ein unterhaltsamer Abend im besten Sinn, der mit seinem Ambiente und brennenden Kerzen auf den Tischen für eine schöne Einstimmung auf die ruhige Zeit sorgte, „die jetzt nach der staaden Zeit kommt”. Das gemeinsam mit den Besuchern gesungene Lied „Alle Jahre wieder“ diente dann als passender Abschluss.


Von HANS-BERND GLANZ
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