Helferkreis für Geflüchtete: „Einfach aus Mitmenschlichkeit“ in Dinkelsbühl | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 09.03.2025 12:00

Helferkreis für Geflüchtete: „Einfach aus Mitmenschlichkeit“ in Dinkelsbühl

Der Dinkelsbühler Helferkreis Geflüchtete organisiert seit zehn Jahren auch Deutschkurse für Geflüchtete. Unser Bild zeigt die Ehrenamtliche Renate Gleisenberg mit ihren Schülern. (Foto: Helferkreis Geflüchtete/Günter Schmidt)
Der Dinkelsbühler Helferkreis Geflüchtete organisiert seit zehn Jahren auch Deutschkurse für Geflüchtete. Unser Bild zeigt die Ehrenamtliche Renate Gleisenberg mit ihren Schülern. (Foto: Helferkreis Geflüchtete/Günter Schmidt)
Der Dinkelsbühler Helferkreis Geflüchtete organisiert seit zehn Jahren auch Deutschkurse für Geflüchtete. Unser Bild zeigt die Ehrenamtliche Renate Gleisenberg mit ihren Schülern. (Foto: Helferkreis Geflüchtete/Günter Schmidt)

Auf zehn Jahre ehrenamtliche Arbeit blicken die Mitglieder des Helferkreises Geflüchtete dieser Tage zurück. Rund 30 Frauen und Männer und viele Menschen im Hintergrund bringen sich ein, um die Menschen, die in Deutschland Schutz suchen, auf dem langen Weg der Integration zu begleiten.

Seit 2015 haben die Ehrenamtlichen in Dinkelsbühl Hunderte Geflüchtete in Arbeit, Ausbildung und Studium begleitet, vielen Kindern beim Einstieg in Kita und Schule geholfen und viel Nachhilfe für Schüler und Auszubildende erteilt. Sie haben unzählige Wohnungen gesucht und Umzüge organisiert, oft auch Wohnungen komplett eingerichtet – mithilfe von Materialspenden.

Beistand in vielen Situationen geleistet

Weit über 200 Fahrräder wurden repariert und zur Verfügung gestellt, und in vielen schwierigen Situationen standen die Helferkreis-Aktiven den Geflüchteten zur Seite, haben aber auch geholfen, Särge in die Heimat zu schicken. Diese Bilanz zieht Monika Hoenen, die von Anfang an in verantwortlicher Position dabei war, als 2015 eine große Welle Asylsuchender nach Deutschland kam.

Zu ihrer Bilanz treffen sich einige Helferkreis-Aktive in der neuen Dinkelsbühler Unterkunft für Geflüchtete. Der Weg, den die Stadt damit beschreite, sei anerkennenswert, meinen die Ehrenamtlichen, die ihre Arbeit vor zehn Jahren aufgenommen haben, als in der Dinkelsbühler Gymnasiums-Turnhalle Geflüchtete untergebracht werden sollten.

Viele haben sich „voll reingehängt”

Damals baten die Zuständigen des Landratsamtes Ansbach Hoenen, die Koordination der vielen bürgerschaftlichen Hilfsangebote, die sich in der Zwischenzeit in der Stadt gebildet hatten, zu übernehmen, erinnert sie sich. Nach Ostern 2015 wurde eine Notunterkunft im leerstehenden Kapuzinerkloster eingerichtet. Privatleute, Behörden, Kirchen, Clubs, Vereine, Initiativen, Künstlerinnen und Künstler, Ärzte – viele hätten damals mitgeholfen. Die Kitas und alle Schulen hätten sich „voll reingehängt“. Und: „Unglaublich viele Menschen haben ehrenamtlich mitgeholfen. Eine große Hilfsbereitschaft ist bis heute geblieben – eine wichtige und starke Ermutigung“, freut sich Monika Hoenen.

Weil allen Beteiligten schnell klar geworden sei, dass es eine hauptamtliche Beratung brauchte, habe sich der damalige Dinkelsbühler Dekan Uland Spahlinger 2016 bereit erklärt, mit dem Dekanat die Trägerschaft zu übernehmen – „damals einzigartig in Bayern“, so Hoenen in ihrem Rückblick. Sozialpädagogen, die für solche Stellen üblicherweise eingestellt werden, habe es damals keine mehr auf dem Arbeitsmarkt gegeben. „Also mussten wir selbst ran.“

Hauptamtliche Beratungsstelle

Gemeinsam mit Gudula Dreskes-Böhm und Marina Beck wurde Monika Hoenen Teil des erstes hauptamtlichen Teams der Beratungsstelle. Neben ihren Teilzeitstellen seien die drei auch im Helferkreis weiter engagiert gewesen. „Das waren wirklich wilde Zeiten – typisch für viele Orte in der Zeit.“

Die hauptamtliche Beratungsstelle begann in der noch unsanierten Dinkelsbühler Hauptschule. Die Integrationsmediathek mit ihren Lernmöglichkeiten wurde dort gegründet. Haupt- und Ehrenamt arbeiteten eng zusammen. Nach wie vor ist der Helferkreis der Stadt und dem Landratsamt dankbar für diese Räume.

Heute hat die Mediathek ihren Sitz im Jugendhaus AP 26 und die Beratungsstelle arbeitet jetzt in der Segringer Straße. Hier hat auch das „Café Globus“ eine Heimat gefunden, ergänzt Barbara Fries. Stadtjugendpfleger Stephan Putscher sei ein wichtiger Ansprechpartner. Er habe mit 28 Dinkelsbühler Vereinen gesprochen, die sich öffnen wollen für Geflüchtete.

Teils riesige Herausforderungen

In allen Wendungen der Flüchtlingshilfe mit teils riesigen Herausforderungen habe der Helferkreis fortbestanden und sich im Landkreis und auch in ganz Bayern stark vernetzt, besonders aber mit den Ehrenamtlichen in Wilburgstetten und in Schopfloch, sagt Hoenen.

Die letzte heiße Phase in Dinkelsbühl sei vor allem geprägt gewesen durch die Wiederbelegung des Klosters und die Aufnahme der vielen ukrainischen Geflüchteten.

In dieser Situation seien die gewachsenen Strukturen des Helferkreises vorteilhaft gewesen. Viele Ehrenamtliche kümmerten sich effektiv um Teilbereiche. So ist beispielsweise Mechthild Gerlach für den medizinischen Teil zuständig, Barbara Fries für das Team Deutschunterricht.

Auch wurde wieder eine Fahrradwerkstatt gegründet – kostenlos in Räumen der Firma Rommelsbacher, die von Jürgen Friedrich koordiniert wird.

Freundschaftliche Erlebnisse

Die vergangenen zehn Jahre seien aber auch geprägt gewesen von vielen schönen, heiteren und freundschaftlichen Erlebnissen, die das Team immer wieder ein Stück weitertrügen. „So gut wie alle Geflüchteten wollen sich integrieren und ihren Beitrag leisten und viele helfen gern mit“, stellt Monika Hoenen fest, die in diesem Miteinander „viele Chancen“ sieht. „Aber es braucht das Bemühen und einen langen Atem bei allen Beteiligten.“

Zu erleben, wie viele unterschiedliche Menschen sich im Helferkreis begegneten und sich ganz selbstverständlich gemeinsam einsetzten, „war und ist einfach begeisternd und manchmal richtig beglückend. Das Ganze ist immer in Bewegung und alle machen so viel und so lange mit, wie es ihnen möglich ist, und sind oft auch noch woanders für die Gemeinschaft im Einsatz. Freiwillig, einfach aus Mitmenschlichkeit und für ein friedliches und freundliches Miteinander“.

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