Obstbäume sind der Lebensinhalt von Herbert Grießer. 175 derartige Exemplare besitzt er auf eigenen Streuobstwiesen in Deffersdorf, einem Ortsteil von Wieseth im Landkreis Ansbach. Um sie sach- und fachkundig zu pflegen, hat er eine qualifizierte Baumwartausbildung absolviert. Denn: Der Umgang mit Obstbäumen ist seine Passion und Herzensangelegenheit, sagt Grießer.
Jedes Jahr im Frühjahr steht die Hauptsaison der Pflege an. Dann wird unterschieden, ob es um den Fruchtschnitt, die ökologische Pflege, oder den Pflanzschnitt bei Jungbäumen geht. Alles sei wichtig, denn, so zitiert Grießer einen seiner Ausbilder: „Der schlechteste Schnitt ist der, der nicht gemacht wird.“
Auf seinen Anlagen in dem Wiesether Ortsteils hegt und pflegt er neben Artenvielfalt vor allem auch den Altbestand mit bis zu 60 Jahre alten Bäumen. Mit ihnen werde den Insekten und Kleinstlebewesen ein Refugium gegeben, betont Grießer. Er sei insofern nicht nur Baumwart, sondern ein Hüter der Natur. Allem, was dort „kreucht und fleucht“ bietet er Lebensraum, der die Anlage zu einem „Garten Eden“ mache.
Mit Stolz verweist er auf Bäume mit mehr als zehn Nisthöhlen, die teilweise Spechte vorbereitet haben. Dazu geben Insektenhotels in Form von Schilfbündeln den Schlupfwespen, Florfliegen und Marienkäfern einen Lebensraum. „Durch die Vielfalt an Arten und Sorten sind Streuobstwiesen besondere Hotspots der Biodiversität und sie bilden schlicht ein eigenes Ökosystem“, schwärmt Herbert Grießer.
Großkronige Bäume, die als Hochstamm einzeln locker verteilt sind, seien das charakteristische Kennzeichen einer Streuobstwiese, klärt der Baumwart auf. Er selbst habe seine Anlagen um einen Wildobstbestand aus Speierling, Elsbeere, essbarer Eberesche, Mispel und Maulbeere erweitert. Das sei der krasse Gegensatz zu den monotonen Obstplantagen, findet der Fachmann.
Seine drei Anlagen sind im Vertrags-Naturschutzprogramm gemeldet, das die Pflege und den Erhalt solcher Flächen mit Streuobstbestand sichert und unterstützt. Zudem habe er sich verpflichtet, einen Altgrasstreifen stehenzulassen, eine Schnittzeitauflage zu erfüllen und keine Düngung mehr vorzunehmen.
Seine persönlichen Aktivitäten hat Herbert Grießer 1993 mit der Umwandlung vorhandener Äcker in Wiesen und der Neupflanzung von Hecken und Obstbäumen eingeleitet. Damals sei er im Ort noch belächelt und als „wahnsinnig“ angesehen worden. Dagegen habe der Landschaftspflegeverband Mittelfranken seine Ideen maßgeblich mitinitiiert und unterstützt, womit er sich auf dem richtigen Weg sah.
Und so entschied er sich, sich entsprechend zu professionalisieren und die fundamentalen Sach- und Fachkenntnisse zu erlernen. Seine Ausbildung zum Baumwart absolvierte er in den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf, wo er seitdem Mitglied im Verein „Triesdorfer Baumwarte“ ist. Inzwischen bearbeitet er auch gemeindliche Anlagen, wie die Dorfkemmather Schafhutung.
Außerdem sieht sich Grießer mit seiner Tätigkeit in der Tradition der Familie seiner Frau, deren Vater Ernst Meyer und Großvater Fritz Meyer sich dem Obstanbau verschrieben hatten. Fritz Meyer habe in den Nachkriegsjahren „als treibende Kraft“ einen Obstbaumgürtel um Deffersdorf initiiert. Damit, so die damalige Intention, wollte er angesichts der wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung die Obst-Versorgung sichern. Deffersdorf sei diesbezüglich damals zum Musterdorf geworden.
Auch heutzutage ist der Obstbaum laut Grießer durch den von der Bayerischen Staatsregierung aufgelegten Streuobstpakt wieder verstärkt in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Dieser sieht vor, dass bis 2035 in Bayern eine Million neue Obstbäume gepflanzt werden sollen. „Infolge des damit steigenden Stellenwerts sind Vermarktungsinitiativen entstanden, denen auch wir uns angeschlossen haben“, sagt Grießer.
Er sei jedenfalls mit seiner Aufgabe der glücklichste Mensch. Und er bekräftigt seine Liebe und Überzeugung für den Obstanbau mit einem Ausspruch von Martin Luther: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“