Er fordert schnellere Zulassungen. Dr. Klaus Wittich (58) ist seit 22 Jahren niedergelassener Allgemeinmediziner in Herrieden – und gern Landarzt. Er schätzt den Vorteil, sein eigener Chef zu sein. Die Patienten kommen zu ihm mit allem, was sie haben. Manche Familien kennt er bis in die dritte Generation. Auch nach ihm soll der Praxisbetrieb weitergehen.
Seit der Facharzt für Allgemeinmedizin die Praxis 2002 übernommen hat, die von seinem Vorgänger als Doppelpraxis geführt wurde, stieg die Patientenzahl um 30 Prozent. Das ist viel Arbeit. Für eine Hausarzt-Einzelpraxis „ein sportliches Pensum“, das der Mediziner mit seinen qualifizierten Mitarbeiterinnen leistet. „Wir sind ein eingespieltes Team“, sagt Wittich. Unterstützung in Aufgaben der Verwaltung und Organisation findet er auch bei seiner Frau Heike.
Den Umfang der Praxis will der Allgemeinmediziner nicht ausweiten. „Mehr geht nicht.“ Deshalb nimmt er seit fünf Jahren keine neuen Patienten mehr auf. Mit Sorge verfolgt der Hausarzt den weiteren Rückgang bei niedergelassenen Ärzten in der Region.
„Allein in der Stadt Ansbach haben fünf Praxen in den vergangenen zwei Jahren ohne Nachfolger geschlossen“, so Wittich. Die niedergelassene Ärzteschaft in Stadt und Landkreis Ansbach sei bis auf wenige Ausnahmen überaltert.
Der Versorgungsatlas Hausärzte der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gebe ein verzerrtes Bild wider. „Dort sind auch Hausärzte aufgeführt, die keine hausärztlichen Patienten versorgen, sondern Reha-Patienten.“ Im Planungsbereich Ansbach-Nord seien sieben der elf Hausärzte über 60 Jahre alt und lasse die nächste Ruhestandswelle erwarten.
Auf Annoncen in Ärztezeitungen oder Portalen der Kassenärztlichen Vereinigung bekomme man keine Rückmeldung von möglichen Kandidaten für die Nachfolge. Klaus Wittich will sich deshalb rechtzeitig kümmern und nichts unversucht lassen.
Dass der Beruf des Landarztes in den vergangenen Jahren regelmäßig schlecht geredet worden sei, kann der Mediziner nicht verstehen. Seinen Umzug aufs Land habe er nie bereut, und er nennt eine Vielzahl von Vorteilen: Treue der Patienten, Einkommen, keine Nacht- und Notdienste, und die Bürokratie sei „auch nicht so grausig“.
Geboren und aufgewachsen ist Klaus Wittich in Nürnberg und in Ansbach zur Schule gegangen. Medizin studierte er in Erlangen. Weitere Station war die Innere Medizin am Klinikum Ansbach. „Danach habe ich erst mal sechzig Bewerbungen geschrieben“, erzählt Wittich. Damals gab es noch eine Ärzteschwemme. Er machte Nuklearmedizin und war lange in der Schilddrüsen-Ambulanz der Uni Erlangen, anschließend in einer chirurgischen Praxis in Ingolstadt und dann in Hirschaid. Die freie Arztpraxis in Herrieden entdeckte er in einem Inserat im Bayerischen Ärzteblatt und war schnell beschlossene Sache.
Bei einem Netzwerktreffen der Gesundheitsregion plus Ansbach traf Wittich eine ukrainische Kollegin. Sie ist mit ihrem Mann und den beiden Kindern aus dem kriegsumkämpften Charkiw nach Deutschland geflohen und in Segringen bei Dinkelsbühl untergekommen. Olena Pawlova (35) ist eine in der Ukraine ausgebildete Allgemeinärztin, aber sie darf hier nicht praktizieren ohne Zulassung.
Dr. Wittich bot der ukrainischen Kollegin eine Hospitation an. Beschäftigen darf er sie nicht und sie auch keinerlei praktische Tätigkeiten ausüben lassen. Die Hospitation ist allein auf das theoretische Sammeln von Kenntnissen und Erfahrungen beschränkt.
Olena Pawlova kommt regelmäßig in die Praxis und freut sich über den fachlichen Austausch und die sozialen Kontakte – als beste Lernmethode fürs Sprachenlernen. Derzeit absolviert sie den Sprachkurs C1 Fachsprache bis etwa März nächsten Jahres. Die Prüfung zum Nachweis der medizinischen Kenntnisse und Kompetenzen in deutscher Fachsprache ist anspruchsvoll.
Danach kann sie den Antrag auf die Kenntnisprüfung stellen, damit sie die Approbation erhält und hier als Ärztin arbeiten kann. Das Verfahren kann bis zu zwei Jahre dauern. „Wenn seitens der Gesetzgebung und der Verwaltung keine schnellen Änderungen herbeigeführt werden, werden wir viele Fachkräfte verlieren und der Ärztemangel wird sich massiv verstärken“, befürchtet Wittich. „Die Landarztquote bei der Vergabe von Studienplätzen kam leider zehn Jahre zu spät.“