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Veröffentlicht am 09.04.2026 00:06

Hilfe, mein Kind konsumiert Lachgas! Was Eltern tun können

Kein seltener Anblick: Lachgas-Kartuschen und Luftballons liegen in Parks oder auf Gehwegen.  (Foto: Teresa Dapp/dpa)
Kein seltener Anblick: Lachgas-Kartuschen und Luftballons liegen in Parks oder auf Gehwegen. (Foto: Teresa Dapp/dpa)
Kein seltener Anblick: Lachgas-Kartuschen und Luftballons liegen in Parks oder auf Gehwegen. (Foto: Teresa Dapp/dpa)

Hat unser Kind bereits Erfahrungen mit Lachgas gesammelt? Eine Frage, die viele Eltern von Jugendlichen umtreibt. 

Anders als beim Kiffen, das sich klassischerweise durch gerötete Augen verrät, gibt es bei Lachgas keine deutlichen Anzeichen. 

„Wenn der Jugendliche sich eine Stunde vorher mit Freunden getroffen und das allererste Mal Lachgas konsumiert hat, gibt es wenig Chancen, was zu bemerken“, sagt Lea Würzinger von der Ginko Stiftung für Prävention. Hintergrund: Der Rausch, der durch das Inhalieren aus Luftballons oder direkt aus der Kartusche entsteht, ist nach maximal einer Minute wieder vorbei.

Häufiger Lachgas-Konsum hingegen kann - muss aber nicht - zu motorischen Ausfällen führen. „Dann wundert man sich als Elternteil zum Beispiel: „Huch, wie geht er denn die Treppe hoch?”. Oder es fällt auf, dass der Jugendliche kurzfristig etwas verlangsamt im Denken ist“, beschreibt Lea Würzinger. 

Trotz Verbot: Lachgas bleibt weiterhin ein Thema

Lachgas hat sich als Partydroge unter Jugendlichen etabliert. Das verraten nicht nur die leeren Kartuschen und Luftballons, die immer wieder in Parks oder auf Gehwegen zurückgelassen werden. 

Daran soll sich etwas ändern. Ab dem 12. April dürfen Minderjährige bundesweit kein Lachgas mehr kaufen oder besitzen.

Lea Würzinger geht davon aus, dass Lachgas als Rauschmittel unter Jugendlichen dadurch nicht komplett verschwinden wird. „Die, die es wirklich wollen und neugierig sind, die finden ihre Wege, es zu beziehen.“ 

Erfrierung bis Vitamin-B12-Mangel: Risiken von Lachgas

Hintergrund des Verbots ist, dass das farb- und geruchslose Gas zahlreiche Gesundheitsrisiken birgt. Ein Überblick: 

  • Akute Risiken 

Beim Inhalieren von Lachgas kann es zu einem Sauerstoffmangel kommen, der bewusstlos machen kann, erklärt das Portal „drugcom.de“ des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Stürze und Verletzungen können Folgen sein. 

Ein weiteres Risiko sind Erfrierungen. Dehnt sich nämlich das in der Kartusche komprimierte Gas aus, sinkt seine Temperatur auf bis zu - 55 Grad Celsius ab. Dabei kann auch die Kartusche so kalt werden, dass die Finger daran festfrieren.

Besonders riskant ist „drugcom.de“ zufolge das Inhalieren direkt aus der Kartusche - nicht nur, weil die Lippen daran festfrieren können. Es kann durch das rasche Ausdehnen des Gases zu Rissen im Lungengewebe kommen. 

  • Risiken durch häufigen Konsum

Mit der Zeit drohen Nervenschäden - unter anderem, weil Lachgas die chemische Struktur von Vitamin B12 verändert. Der Körper kann das Vitamin, das für die Nervenfunktion wichtig ist, dann nicht mehr nutzen. Betroffene erleben etwa ein Kribbeln und Taubheitsgefühle an Händen und Füßen, auch Muskelschwäche und Gangstörungen sind „drugcom.de“ zufolge möglich. 

Dazu kommt: Regelmäßiger und häufiger Konsum kann psychisch abhängig machen. 

Ohne Zeitdruck und mit Sandwich-Methode: Über Lachgas sprechen

Haben Eltern den Verdacht, dass ihr Kind Lachgas konsumiert, möchten sie das Thema ansprechen - verständlicherweise. Aber wie? 

Haben Eltern und Kind einen guten Draht zueinander, erleichtert das solche Gespräche enorm. „Wenn Jugendliche wissen: „Ich kann auf meine Eltern zählen, auch wenn ich Mist baue”, dann ist das immer ein Türöffner für sie, auch über schwierige Dinge zu sprechen“, sagt Lea Würzinger. 

Wichtig ist erst einmal, dass der Rahmen für das Gespräch stimmt. Es sollte also kein Zeitdruck herrschen. Oft ist auch ein Gespräch unter vier Augen hilfreicher als eines unter sechs Augen. 

Orientieren können sich Eltern beim Gesprächseinstieg an der sogenannten Sandwich-Methode. Dabei starten Eltern mit einer positiven Aussage ins Gespräch, ehe sie das kritische Thema etwa als Sorge oder Beobachtung platzieren, zum Beispiel so: „Letztens hat eine Freundin erzählt, dass ihr Sohn Lachgas genommen hat. Kennst du das auch?“ Im Anschluss folgt dann eine positive Botschaft wie: „Du bist mir wichtig und ich will wissen, was dich beschäftigt.“

Besserwisser-Modus und Co.: Das sind die Don'ts

Wenn Sorge und Ängste groß sind, ist bei Eltern oft auch der Impuls stark, im Gespräch die lange Liste an Lachgas-Gefahren runterzurattern. Dieser Besserwisser-Modus kommt Lea Würzinger zufolge bei den Jugendlichen meist nicht gut an. 

„Und auch Anschuldigungen, Lautstärke oder Beschämungen erschweren ein verständnisvolles Gespräch.“ Generell gilt: Die Grundhaltung „Wir beide gegen das Problem“ führt meist weiter als „Wir beide gegeneinander“. 

Hilfreich kann sein, dem Jugendlichen eine Expertenrolle zuzuweisen, etwa indem man sich als Mutter oder Vater vom Kind erklären lässt, was es zum Thema Lachgas weiß. Das signalisiert Wertschätzung und ermöglicht einen Austausch auf Augenhöhe.

Eine weitere Strategie, die Lea Würzinger vorschlägt: gemeinsam mit dem Nachwuchs in die Recherche zum Thema einsteigen, nach dem Motto „Lass' uns doch mal gemeinsam informieren, dann kann ich auch etwas lernen.“ 

Die Expertin rät Eltern außerdem, externe Hilfsangebote in Betracht zu ziehen. „Wenn die Situation überfordert und ein Gespräch in Ruhe gar nicht möglich ist, ist es immer angebracht, eine Elternberatung in Anspruch zu nehmen oder dem Jugendlichen eine Jugendberatung ans Herz zu legen.“ Das gilt gerade dann, wenn es schon Ausfallerscheinungen bzw. Hinweise auf eine Abhängigkeit gibt.

© dpa-infocom, dpa:260408-930-921066/1


Von dpa
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