Es regnet in Strömen, der Wasserstand der Rezat steigt zügig an, Autos auf dem Parkplatz versinken. In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Überflutungen in Ansbach. Lange haben die Fachleute überlegt, wie derartige Situationen vermieden werden können. Nun läuft der Bau des Hochwasserschutzes.
„Die Hochwasserereignisse werden immer heftiger”, sagte Thomas Keller, Leiter des Wasserwirtschaftsamts (WWA) Ansbach, auf der Baustelle am Kasernendamm. Dort befindet sich der erste Bauabschnitt des Hochwasserschutz-Projekts. Dort, wo vor wenigen Wochen noch eine grüne Wiese zu sehen war, findet sich nun ein großer Erdaushub. Bagger, Container und Co. stehen daneben.
Ein rund 220 Meter langer Teil der etwa einen Kilometer langen Hochwasserschutzmauer wird zwischen Kasernendamm und Voggenmühle gebaut und das größte der vier geplanten Schöpfwerke im Untergrund errichtet. Die gesamte Baustrecke zieht sich von der Voggenmühle bis hin zur Residenz. Es geht darum, die Stadt vor einem 100-jährlichen Hochwasser (HQ 100) zu schützen. Zusätzlich wird ein 15-prozentiger Klimazuschlag vorgesehen.
Zum offiziellen Spatenstich haben sich zahlreiche Mitarbeitende des WWA, Stadträtinnen und Stadträte, aber auch Anwohnende auf der schlammigen Baustelle versammelt. Sie alle warteten auf einen besonderen Gast, Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber.
Es geht um ein hohes Gut, um den „Schutz von Leib und Leben”, sagte dieser in seiner Rede. Er betonte, dass mehr als 1000 Menschen und etwa 200 Gebäude durch die geplanten Maßnahmen geschützt werden. Kernstück ist die über 1000 Meter lange Stahlbetonwand.
Kosten soll das Projekt rund 13 Millionen Euro, die sich der Freistaat und die Stadt Ansbach teilen. Auch EU-Fördermittel sollen fließen. Nach aktuellem Zeitplan ist die vollständige Fertigstellung der Maßnahme für das Jahr 2028 vorgesehen.
Glauber: „Der Hochwasserschutz hier in Ansbach ist herausfordernd.” Etwa wegen des Denkmalschutzes, der mitgedacht werden muss, ebenso wie ökologische Aspekte. Der Hochwasserschutz werde in Bayern immer wichtiger, sagte der Minister.
Keller verwies auf die neuerdings verschärften Regeln und Gesetze in diesem Zusammenhang. Wie sehr Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, aber auch Rettungsdienst im Jahr 2021 um die Sicherheit aller gerungen haben, rief der Minister in Erinnerung. Etwa 30 Zentimeter hätten gefehlt, bis das Wasser der Rezat in die Ansbacher Altstadt gelaufen wäre, ergänzte Oberbürgermeister Thomas Deffner.
Für den Schutz vor derartigen Wassermengen „braucht es aber Zeit zum Planen, qualifiziertes Personal zum Planen und Geld zum Planen”, sagte Thomas Keller. Mit der Planung haben sich die Stadt, das Umweltamt, Denkmalschutzamt, Feuerwehr und viele weitere Akteure ausführlich beschäftigt.
Im Anschluss an die Baumaßnahmen muss das WWA die Rezatauen wieder herstellen. Für die Stadt wäre es deshalb günstig, in diesem Zuge die gewünschte Renaturierung und Umgestaltung der Rezat abzuwickeln. Die Entscheidung, wie das Areal einmal aussehen soll, stand bei Glaubers Besuch noch nicht fest. Der Stadtrat kam erst im Anschluss zusammen, um hierüber zu beraten.