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Veröffentlicht am 24.02.2026 10:52, aktualisiert am 24.02.2026 12:04

Einschnitt bei Holstein Kiel: Ära Rapp ist vorbei

Nicht mehr Trainer von Holstein Kiel: Marcel Rapp. (Foto: Daniel Bockwoldt/dpa)
Nicht mehr Trainer von Holstein Kiel: Marcel Rapp. (Foto: Daniel Bockwoldt/dpa)
Nicht mehr Trainer von Holstein Kiel: Marcel Rapp. (Foto: Daniel Bockwoldt/dpa)

Bei Holstein Kiel ist eine Ära zu Ende gegangen. 2024 führte Marcel Rapp die „Störche“ als ersten Verein aus Schleswig-Holstein in die Fußball-Bundesliga. Heute musste Trainer nach einer fast anderthalbjährigen sportlichen Talfahrt gehen. „Ich blicke mit großer Dankbarkeit und ebenso großer Überzeugung auf meine Zeit bei Holstein Kiel zurück“, sagte der 46-Jährige zum Abschied.

Nach vier Niederlagen in Serie schwebt der Erstliga-Absteiger auch in der zweiten Liga in akuter Abstiegsgefahr. Der Tabellen-14. ist nur noch einen Punkt vom Relegationsplatz entfernt. Wer beim nächsten Spiel gegen die SV Elversberg (Samstag, 13.00 Uhr/Sky) auf der Bank sitzen wird, ist noch unklar. Vorerst leitet der erfahrene Co-Trainer Dirk Bremser das Training. Ein Kandidat für die Nachfolge ist nach Sky-Informationen der frühere HSV-Trainer Tim Walter, der von 2018 bis 2019 schon einmal in Kiel war.

Warme Worte für Rapp

„Nach eingehender Analyse der sportlichen Entwicklung und intensiven Gesprächen mit meinen Präsidiumskollegen und dem Aufsichtsrat sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass es eine Veränderung braucht“, wird Sport-Geschäftsführer Olaf Rebbe in einer Mitteilung des Clubs zitiert.

Dieser Schritt falle den Verantwortlichen sehr schwer. Denn „Marcel hat mit seinem Team in den vergangenen viereinhalb Jahren KSV-Geschichte geschrieben“, so Rebbe. „Seine Arbeit, sein Engagement und sein Umgang mit den Menschen war außergewöhnlich und wird immer in Erinnerung bleiben.“  

Der 46 Jahre alte Rapp hatte die Kieler im Oktober 2021 als Nachfolger von Ole Werner übernommen. Seine fast viereinhalbjährige Amtszeit endete ausgerechnet mit einer Niederlage in seiner badischen Heimat: Das 1:3 beim Karlsruher SC war am vergangenen Samstag sein letztes Spiel als Holstein-Trainer. Für den KSC spielte er einst in der Jugend und in der 2. Bundesliga.

Trainer wollte weitermachen

Zum Abschied machte Rapp deutlich, dass er seine Arbeit in Kiel gerne fortgesetzt hätte. „Wir haben in den vergangenen Jahren gemeinsam eine klare sportliche Identität entwickelt, Strukturen aufgebaut und mit dem Aufstieg in die Bundesliga Vereinsgeschichte geschrieben“, sagte er. „Ich bin überzeugt, dass wir die sportlichen Herausforderungen gemeinsam erfolgreich gemeistert und die Saison stabil gestaltet hätten. Ich respektiere die Entscheidung des Vereins und gehe meinen Weg mit voller Energie weiter.“

Seine Zeit in Kiel wird immer mit dem 11. Mai 2024 in Verbindung gebracht werden. Da feierten die „Störche“ durch ein 1:1 gegen den direkten Konkurrenten Fortuna Düsseldorf den Aufstieg in die Bundesliga.

Dort gelangen dem Neuling einige Achtungserfolge wie ein 4:2 gegen Borussia Dortmund oder ein 2:2 beim damals noch amtierenden deutschen Meister Bayer Leverkusen. Doch am Ende stand der Abstieg schon vor dem letzten Spieltag fest.

Fehler bei der Kaderplanung

Rapp war in Kiel lange Zeit als Entwickler junger Talente wie Tom Rothe (jetzt Union Berlin) oder Nicolai Remberg (jetzt Hamburger SV) erfolgreich. Doch ausgerechnet nach dem Bundesliga-Aufstieg verließ den Verein das Gespür bei der Personalauswahl.

Die meisten Neuzugänge halfen den Kielern in der ersten Liga nicht weiter. Und auch nach dem erneuten Umbruch nach dem Wiederabstieg passte die Kaderzusammenstellung nicht. Vieles ist auf Entwicklung und Perspektive ausgerichtet - aber nicht auf den harten Zweitliga-Abstiegskampf.

Rapp sieht das anders. „Nach dem Umbruch im Sommer befanden wir uns in einem anspruchsvollen, aber aus meiner Sicht sehr gut geplanten Entwicklungsprozess“, sagte er. Es gibt aber auch warnende Beispiele: Zuletzt war Arminia Bielefeld 2023 direkt aus dem Oberhaus in die 3. Liga durchgereicht worden.

© dpa-infocom, dpa:260224-930-728014/3


Von dpa
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