Das staatliche Berufliche Schulzentrum Ansbach-Triesdorf startet in Ansbach im nächsten Schuljahr mit einer neuen Form der zweijährigen Kinderpflegeausbildung. Sie zeichnet sich durch eine stärkere Praxisorientierung aus.
Kiprax wird der Modellversuch genannt, mit dem der Beruf attraktiver gemacht werden soll, sodass mehr junge Menschen für das Arbeitsfeld der frühkindlichen Bildung gewonnen werden. Statt einem Praxistag pro Woche sind es im neuen Modell zwei. Zudem startet die Praxis schon mit dem Ausbildungsbeginn am 1. September statt wie bisher erst nach den Herbstferien. Im Gegenzug bekommen die Schülerinnen und Schüler eine Vergütung, deren Höhe der Träger der Praxisstelle festlegt. Bei der traditionellen Form der Ausbildung, die weiter angeboten wird, gibt es keine Bezahlung. Statt der üblichen Schulferien haben die Teilnehmenden am neuen Modell etwa 30 Tage Urlaub während der Ferien.
Schulleiter Dietmar Gaffron glaubt, dass die neue Form, die auf einen Landtagsbeschluss zurückgeht, in erster Linie für überdurchschnittlich engagierte Bewerberinnen und Bewerber geeignet ist. Sie sammeln schon während der Ausbildung mehr praktische Erfahrung, müssen sich aber auch der Herausforderung stellen, dass die schulischen Inhalte innerhalb kürzerer Zeit vermittelt werden. „Wir hoffen, dass die Eltern unterstützen und die Kids motivieren”, sagte der Schulleiter bei einem Pressegespräch. Die Abschlussprüfung bleibt in beiden Varianten gleich.
Außerdem ist es nötig, zunächst eine Ausbildungsstelle zu finden, mit der sie einen Praktikumsvertrag schließen. Dafür ist eine Bewerbung mit den üblichen Unterlagen nötig. Infrage kommen dafür sozialpädagogische Einrichtungen, die mit der Berufsfachschule für Kinderpflege eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen haben. Auf den Bewerbungsprozess hat die Schule keinen Einfluss, betonen Doris Hennemann und Claudia Schauer, die als Fachbetreuerinnen am BSZ die Verantwortung für die Berufsfachschule für Kinderpflege tragen.
Für die Kinderpflegeausbildung braucht man mindestens einen erfolgreichen Mittelschulabschluss, ein erweitertes Führungszeugnis und sehr gute Deutschkenntnisse. Außerdem muss man gesundheitlich geeignet sein.
Für Kiprax wurde der Lehrplan weiterentwickelt und an aktuelle fachliche Anforderungen angepasst. Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Reflexion, Partizipation, Resilienz und Feinfühligkeit rücken stärker in den Mittelpunkt. Dies entspricht laut den BSZ-Verantwortlichen einem langjährigen Wunsch vieler Einrichtungen und Praxisanleitungen, da praktische Erfahrungen im pädagogischen Alltag eine wichtige Grundlage für die berufliche Entwicklung darstellen.
Die Berufsaussichten sind nach Einschätzung des BSZ sehr gut. Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger arbeiten meistens in Kindergärten, Krippen und Horten. Sie unterstützen dort bei pädagogischen Angeboten und Projekten sowie bei der Pflege und Versorgung der Mädchen und Jungen. Außerdem gibt es viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Der Frauenanteil in der Ausbildung liegt seit Jahren ziemlich konstant bei 80 bis 90 Prozent. „Wir sind aber offen für junge Männer”, betont der Schulleiter. Die meisten starten direkt nach dem Schulabschluss, aber es gibt auch Berufswechselnde, die zum Beispiel nach der Familienphase eine neue Perspektive suchen.
Wer sich für die Kinderpflegeausbildung interessiert, kann mit der Schule unter der Telefonnummer 0981/4884620 oder per E-Mail an verwaltung@bsz-ansbach.de einen Termin für ein Beratungsgespräch vereinbaren.