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Veröffentlicht am 05.09.2023 16:11

In der Region fehlen immer mehr Fahrer und Reinigungskräfte

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde. Doch die Prognosen für die kommenden Jahre machen nicht allzu viel Hoffnung auf Besserung. Eine Studie hat nun die Arbeitsmarkt-Situation bis ins Jahr 2035 in allen bayerischen Städten und Landkreisen unter die Lupe genommen. Ein Blick auf die regionalen Zahlen:

In Mittelfranken werden im Jahr 2035 fast 79.000 Arbeitskräfte fehlen. Die bereits bestehende Lücke wird sich damit von heute rund 57.000 um weitere etwa 22.000 Personen vergrößern. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Regionale Arbeitslandschaften“, welche die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) in Auftrag gegeben hat.

Höhepunkt schon 2031 zu erwarten

Den Höhepunkt an fehlenden Arbeitskräften erreicht der Regierungsbezirk demnach sogar noch früher, nämlich schon im Jahr 2031. Hier werden rund 89.600 Arbeitskräfte fehlen.

„Wir beobachten in ganz Bayern ein Nord-Süd-Gefälle und eine günstigere Entwicklung des Arbeitskräfteangebotes in den Ballungszentren. Der Saldo zwischen Angebot und Nachfrage fällt in Mittelfranken insgesamt weniger stark aus als in anderen Regierungsbezirken“, erklärte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt laut einer Pressemitteilung.

Erwerbsfähige werden immer weniger

Die Engpässe insbesondere in den ländlichen Kreisen im Norden Bayerns führt die Studie auf einen „starken Rückgang der dort lebenden erwerbsfähigen Bevölkerung“ in den nächsten Jahren zurück. Der massenhafte Renteneintritt der Baby-Boomer-Generation schlägt also auch in Westmittelfranken voll durch.

In der Stadt Ansbach geht das Arbeitskräfteangebot, also die Zahl der theoretisch Erwerbstätigen, laut der Studie von 2022 bis zum Jahr 2035 um 7,8 Prozent zurück. Im Landkreis Ansbach beträgt das prognostizierte Minus 10,0 und im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim sogar 11,3 Prozent.

Die Studie befasst sich außerdem mit dem relativen Arbeitskräftesaldo. Dieses beschreibt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt. Denn nicht nur die Zahl der zur Verfügung stehenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird zurückgehen. Vor allem durch die fortschreitende Digitalisierung wird auch der Bedarf an Arbeitskräften in den kommenden Jahren sinken. Allerdings gibt es laut der Studie in Bayern im Jahr 2035 dennoch in keiner einzigen Berufsgruppe ein spürbares Überangebot an Arbeitskräften.

Jede zehnte offene Stelle nicht nachbesetzbar

In der Stadt Ansbach beträgt der zu erwartende relative Arbeitskräftesaldo laut den Berechnungen im Jahr 2035 -10,8 Prozent, im Landkreis Ansbach -12 und im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim -11,1 Prozent. Das heißt, dass in Westmittelfranken dann mehr als jede zehnte offene Stelle nicht mehr nachbesetzt werden kann.

Noch interessanter ist der regionale Blick auf einzelne Berufsgruppen. Als traurigen Spitzenreiter prognostiziert die Studie hier den Bereich Führen von Fahrzeugen und Transportgeräten. Hier kann demnach im Jahr 2035 rund jede dritte benötigte Stelle in der Region nicht mehr besetzt werden (Ansbach: -30,3 Prozent; Landkreis Ansbach -31,4; Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim- 34,7).

Auch in der Kategorie Reinigungsberufe wird es laut der Berechnung zu einem deutlichen Arbeitskräftemangel kommen (Ansbach -31,4 Prozent; Landkreis Ansbach -32,6; Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim -29,1). Kaum besser sieht es für die Schutz-, Sicherheits- und Überwachungsberufe (Ansbach -30,6 Prozent; Landkreis Ansbach -16,9; Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim -27,6) sowie für die gebäude- und versorgungstechnischen Berufe (Ansbach -30,9 Prozent; Landkreis Ansbach -18,1; Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim -20,1) aus.

Soziale Berufe sind weiterhin betroffen

Wenig Entlastung stellt die Studie außerdem für die sozialen und medizinischen Berufe in Aussicht. Im zusammengefassten Bereich Erziehung, soziale und hauswirtschaftliche Berufe und Theologie wird demnach in der Region 2035 fast jede fünfte benötigte Stelle unbesetzt bleiben (Ansbach -18,5 Prozent; Landkreis Ansbach -19,9; Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim -18,9). Nicht ganz so groß ist der vorhergesagte Fachkräftemangel bei den medizinischen Gesundheitsberufen (Ansbach -7,2 Prozent; Landkreis Ansbach -14,0; Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim -11,2).

Der vor allem während der Corona-Pandemie schwer getroffene Bereich Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe wird auch noch 2035 mit Fachkräftemangel zu kämpfen haben (Ansbach -6,0 Prozent; Landkreis Ansbach -15,8; Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim -20,1).

Die Verfasser der Studie kommen insgesamt zu dem Fazit, dass Arbeitslosigkeit als gesellschaftliche Herausforderung in den kommenden Jahren mehr und mehr an Bedeutung verlieren wird. Dagegen muss die Mehrheit der Branchen wohl mit zum Teil deutlichen personellen Engpässen rechnen.

Etliche Familien sind auf eine zuverlässige Beförderung von Schulkindern angewiesen. In der Berufsgruppe, zu der auch die Busfahrer gehören, wird es laut einer Studie in Westmittelfranken in den nächsten Jahren allerdings zu einem massiven Mangel an Arbeitskräften kommen. (Foto: Volker Raab (Archiv))
Etliche Familien sind auf eine zuverlässige Beförderung von Schulkindern angewiesen. In der Berufsgruppe, zu der auch die Busfahrer gehören, wird es laut einer Studie in Westmittelfranken in den nächsten Jahren allerdings zu einem massiven Mangel an Arbeitskräften kommen. (Foto: Volker Raab (Archiv))
Etliche Familien sind auf eine zuverlässige Beförderung von Schulkindern angewiesen. In der Berufsgruppe, zu der auch die Busfahrer gehören, wird es laut einer Studie in Westmittelfranken in den nächsten Jahren allerdings zu einem massiven Mangel an Arbeitskräften kommen. (Foto: Volker Raab (Archiv))

Philipp Zimmermann
Philipp Zimmermann
Redakteur für Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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