Das virtuelle Training zur Innenbrandbekämpfung soll eine innovative Möglichkeit sein, realitätsnah zu üben und dadurch Einsätze effektiver und sicherer abzuwickeln. Nachdem das System ausgiebig getestet wurde, werden nun alle Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern mit dieser Technik ausgestattet. Eine der Brillen war jetzt in Dinkelsbühl stationiert.
Im Keller der Atemschutzübungsstrecke des Landkreises Ansbach haben der Fachkreisbrandmeister Marcus Lechner (Schnelldorf) und Atemschutzausbilder Markus Simon (Dinkelsbühl) die Technik aufgebaut. Das zirka fünf mal fünf Meter große Übungsfeld ist mit vier Stativen abgemarkt, der Computer mit der notwendigen Software bereits hochgefahren.
Maximilian Bittel, Niklas Bittel, Moritz Scherb und Heiko Wenk von der Arberger Feuerwehr warten schon auf ihren Übungseinsatz, der zunächst wie ein Computerspiel wirkt. Bevor jeder mit der Brille in der virtuellen Welt Brände löschen und Gefahren einschätzen soll, gibt es eine theoretische Einweisung in das System, das auch ein mit den notwendigen Trackern ausgestattetes Strahlrohr einschließlich eines C-Schlauches beinhaltet.
Markus Simon erklärte den vier Feuerwehraktiven den Ablauf der Übung in der virtuellen Realität. Um das System kennenzulernen, stehen am Anfang zunächst einige Geschicklichkeitsübungen, die einem Computerspiel ähneln.
Obwohl sich nur der Übende in dieser animierten Welt bewegt, sehen auch alle anderen, was dort vor sich geht, denn das Szenario wird auf eine Leinwand projiziert. Und im Computer gespeichert. Das ist vor allem wichtig, um die simulierten Brandeinsätze unter Atemschutz nachzubesprechen, wie der Fachkreisbrandmeister Lechner erklärt.
Als Teilnehmer der Übung müssen die jungen Ehrenamtlichen die Lage, in die sie in der virtuellen Welt geworfen werden, richtig einschätzen. In einer brennenden Küche steht viel Rauch, fliegen Feuerzungen durch den Raum und der Kollege ist unter seiner Atemschutzmaske nur schwer verständlich. Eben genau so wie im wirklichen Löscheinsatz. Und genauso wenig vorhersehbar.
Der Fachkreisbrandmeister bekennt, dass er anfangs etwas skeptisch gewesen sei. Doch jetzt gebe es ein richtiges Ausbildungskonzept, das es ermögliche, „im absolut sicheren Bereich“ der virtuellen Realität zu üben. Der Fokus liege dabei auf dem richtigen Vorgehen bei einem Einsatz.
Aber Lechner sagt auch: Die VR-Brille soll die Ausbildung der Atemschutzgeräteträger ergänzen, nicht ersetzen. Und, auch das betont Lechner: „Die Ausbildung soll ja auch Spaß machen. Gerade für junge Feuerwehrkräfte ist die VR-Brille ein Anreiz.“
Im Landkreis Ansbach gibt es 1900 ehrenamtliche Feuerwehrleute, die eine Atemschutzausbildung haben. In Dinkelsbühl waren zehn Schulungstermine mit der VR-Brille angesetzt. In Schnelldorf waren es zuvor zwölf und in den kommenden Monaten ist das mobile Gerät im Rothenburger Raum im Einsatz, erläutert der Fachkreisbrandmeister.
Im Freistaat Bayern werden schrittweise über 100 VR-Anlagen für die Atemschutzausbildungsstätten der kreisfreien Städte und Landkreise beschafft. Dafür stellte das Bayerische Innenministerium insgesamt rund 780.000 Euro zur Verfügung.