So ohne Weiteres wird die Gemeinde Neuendettelsau das geplante Gewerbegebiet beim Ortsteil Aich nicht realisieren können. In den umliegenden Ortsteilen formiert sich ein Protest gegen das Vorhaben. Bei einer Ortsbegehung am Wochenende machten die Menschen ihre Bedenken öffentlich – und kündigten an, eine Bürgerinitiative zu gründen.
Über 60 Menschen waren zu der landwirtschaftlich genutzten Fläche östlich des Ortsteiles Aich gekommen, wo das etwa zwölf Hektar große Gewerbegebiet entstehen soll. Zu der Ortsbegehung hatten die Neuendettelsauer Ortsgruppe des Bundes Naturschutz (BN) sowie Bürger aus Aich und Mausendorf geladen.
Man sei nicht grundsätzlich gegen ein Gewerbegebiet, sagte BN-Ortsvorsitzende Charlotte Busch. Aber „uns ist das zu unkonkret, um so einen großen Schritt mitzugehen“. Macht das Vorhaben an dieser Stelle Sinn? Braucht man ein Gewerbegebiet auf der grünen Wiese? Das sind Charlotte Busch zufolge Fragen, auf die es vonseiten der Gemeinde noch keine Antworten gibt.
Das Areal sei eine landwirtschaftlich wertvolle Fläche, die zeitgleich ein wichtiger Puffer zur Autobahn und Lebensraum für Tiere ist, führte die Ortsvorsitzende aus. Werde das Areal versiegelt, kühle der Boden nicht mehr und speichere auch kein Wasser mehr. Es gehe eine Lebensgrundlage für zukünftige Generationen verloren.
„Wird man hier verarscht oder will man nur nicht, dass die Bürger informiert sind?“, fragte Harald Meyer als Vertreter des Bürgerprotestes Aich/Mausendorf. Er meinte damit den Beschluss des Gemeinderates für das Gewerbegebiet – obwohl es ihm zufolge Anfang des Jahres noch geheißen hatte, dass das Projekt auf Eis liegt. Durch den Ausbau der Autobahn A6 und das Gewerbegebiet „wird der Verkehr sicherlich nicht weniger“.
Mehr Verkehr und Firmen bedeuten auch mehr Lärm, wie er weiter ausführte. „Vom Lärm ist einiges zu erwarten. Das merkt man schon jetzt, wenn hier Erntearbeiten laufen.“ Meyer zitierte auch Bürgermeister Christoph Schmoll, der vor kurzem gesagt hatte, Neuendettelsau soll lebenswerter werden. „Ich sage, Aich soll lebenswert bleiben.“
Die Bewohner des Ortsteiles Aich seien schon zur Genüge belastet. Deshalb „sollten wir schauen, das Gewerbegebiet zu verhindern“. Auch deshalb kündigte Meyer an, dass eine Bürgerinitiative gegründet werden soll. „Bei den zwölf Hektar“ wird es nicht bleiben, prophezeite Dr. Herbert Sirois vom Verein „Wörnitztal mit Zukunft“ und spielte damit auf das Interfranken-Projekt an, das ihm zufolge zu Beginn auch viel kleiner geplant war. „Wenn ein Gewerbegebiet gemacht werden muss, dann sinnvoll.“
Ebenfalls ihre Bedenken äußerten Felix Busch von den Neuendettelsauer Grünen und Dieter Zippel aus Aich. Busch mahnte zum Beispiel, das Folgekosten wie etwa Lärmschutzwände nicht bedacht wurden. Zudem hob er die Konkurrenzsituation der Kommunen auf dem Arbeitsmarkt hervor. Dieter Zippel äußerte derweil die Befürchtung, dass sich auf dem Areal ein Logistikunternehmen ansiedelt oder dass ein Autohof aufgrund der Nähe zur Autobahn gebaut werde.