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Veröffentlicht am 03.10.2024 13:59

In Wassertrüdingen können sich Geflüchtete künftig beraten lassen

In der Notunterkunft an der Oettinger Straße ist ein Teil der geflüchteten Menschen untergebracht, die der Stadt Wassertrüdingen zugewiesen wurden. Weitere Personen sind in anderen Unterkünfte einquartiert. (Foto: Albert Schülein)
In der Notunterkunft an der Oettinger Straße ist ein Teil der geflüchteten Menschen untergebracht, die der Stadt Wassertrüdingen zugewiesen wurden. Weitere Personen sind in anderen Unterkünfte einquartiert. (Foto: Albert Schülein)
In der Notunterkunft an der Oettinger Straße ist ein Teil der geflüchteten Menschen untergebracht, die der Stadt Wassertrüdingen zugewiesen wurden. Weitere Personen sind in anderen Unterkünfte einquartiert. (Foto: Albert Schülein)

In Wassertrüdingen (Landkreis Ansbach) soll es künftig eine Flüchtlings- und Integrationsberatung vor Ort geben. Die Stadt beteiligt sich mit monatlich 3800 Euro am dazugehörigen Personaleinsatz der Beratungsstelle für Integration und Teilhabe des Dekanats Dinkelsbühl und sorgt außerdem für passende Räume.

Thema war das neue Angebot in der Sitzung des Wassertrüdinger Stadtrates, der die Finanzmittel bewilligte. Wie der Dinkelsbühler Dekan Uland Spahlinger mitteilte, sei das Dekanat der Träger der Beratungsstelle für Integration und Teilhabe. Sie wurde 2015 ins Leben gerufen. Bei der damaligen Flüchtlingswelle sei schnell klar geworden, dass die ehrenamtliche Betreuung alleine nicht ausreiche und zusätzlich noch unterstützend Fachwissen nötig sei. Allerdings gebe es bei der Finanzierung solcher Beraterstellen über Förderprogramme gewisse Kontingentierungen. Das neue Angebot in Wassertrüdingen würde diesen Rahmen bereits überschreiten.

Das Kontingent ist ausgereizt

Was das genau bedeutet, erläuterte die Leiterin der Beratungsstelle, Christina Ilg. Die Einrichtung verfügt derzeit über 2,25 Stellen in der Flüchtlings- und Integrationsberatung, finanziert über ein Landesprogramm. Dazu gibt es noch eine halbe Stelle der vom Bund unterstützten Migrationsberatung für Erwachsene. Bei der Finanzierung der Stellen muss das Dekanat jeweils 40 Prozent der Kosten selbst tragen, 60 Prozent kommen aus den Förderprogrammen. Dabei wird aber regional nur eine bestimmte Zahl an Stellen bezuschusst. Wie Ilg deutlich machte, seien derzeit die Kontingente schon ausgereizt.

Unter dem Strich heißt das, dass beim Einsatz von Fachpersonal in Wassertrüdingen die Stadt einen finanziellen Beitrag leisten muss. Wie aus den Sitzungsunterlagen der Ratsmitglieder hervorgeht, soll die noch anzustellende Person vor Ort agieren, wobei die Kommune dafür eine Räumlichkeit bereit stellt.

Derzeit 92 Personen in der Notunterkunft

Der Antrag des Dekanats auf Kostenunterstützung ist laut Ilg zunächst auf eine Betreuung der Bewohner der Wassertrüdinger Notunterkunft gerichtet. Man sei sich aber durchaus bewusst, dass es in der Stadt darüber hinaus noch weitere Geflüchtete gebe.

Darauf hatte Bürgermeister Stefan Ultsch zu Beginn des Tagesordnungspunktes hingewiesen. Auch für diese Menschen seien Beratung und Betreuung nötig. Nach Angaben der Pressestelle des Landratsamtes sind in der Notunterkunft derzeit 92 alleinstehende Männer einquartiert. Wie lange sie dort bleiben werden, könne nicht abgeschätzt werden. Insgesamt 120 Personen sind in anderen Unterkünften in Wassertrüdingen untergebracht.

Gedacht sind die Beratungsangebote für Migranten und Geflüchtete ab 27 in den ersten Jahren ihres Aufenthalts in Deutschland, um ihnen ein Fußfassen in der Region zu erleichtern und Aufenthaltsfragen zu klären.


Das Thema brennt uns schon lange unter den Nägeln.

Klaus Schülein

CSU-Sprecher Peter Wittmann begrüßte das für Wassertrüdingen geplante Angebot der Beratungsstelle. Es sei dem Stadtrat von Beginn an klar gewesen, dass die der Kommune zugewiesenen Geflüchteten vernünftig betreut werden müssten. Viele Ehrenamtliche brächten sich in diese Aufgabe bereits tatkräftig ein. Kritik äußerte Wittmann indes am Landratsamt, das auf bestimmte Wünsche der Stadt hinsichtlich der Versorgung der Menschen nicht eingegangen sei.

Auf die Bürgerinnen und Bürger sei Verlass, würdigte auch Katharina Bucher, Sprecherin der Parteiunabhängigen Fraktion, das geleistete Engagement. Das zusätzliche Beratungsangebot werde die Ehrenamtlichen entlasten. Bucher legte Wert darauf, dass die Beratung in Wassertrüdingen weitergeführt werde, falls die Notunterkunft geschlossen werden sollte. Denn der Beratungsbedarf werde sicher nicht ausgehen. Diesen Aspekt griff das Gremium schließlich in seinem Beschluss auf.

Michael Dommel (Grüne) schloss sich mit seinem Lob an die vielen Helfenden an die Worte seiner Vorredner an. Die Grünen unterstützten die Initiative für eine Beratungsstelle vor Ort voll und ganz. Zweiter Bürgermeister Klaus Schülein begrüßte, dass der neue Dienst nun unter Dach und Fach gebracht werden kann. „Das Thema brennt uns ja schon sehr lange unter den Nägeln“, sagte er. Deshalb habe er auch kürzlich die Initiative ergriffen, Gespräche geführt und sich darum gekümmert, dass das Thema jetzt auf die Tagesordnung kommt. „Wir brauchen dringend Unterstützung für die Geflüchteten und Ehrenamtlichen.“

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