Nicht alle der anfangs gut fünf Dutzend Gäste hielt es bis zum Ende in der nur dürftig geheizten alten Turnhalle. Denn obwohl sich Bürgermeister Markus Liebich und die Verwaltung bemühten, ihre Informationen heuer „etwas kompakter zu präsentieren”, war die Bürgerversammlung mit dreieinviertel Stunden nicht viel kürzer als die im Vorjahr.
Auf Anregung von Teilnehmenden der Versammlung im vergangenen Jahr, die über dreieinhalb Stunden gedauert hatte, waren diesmal der Aufbau verändert und die Fachvorträge gekürzt worden. Die nüchternen Zahlen aus dem Einwohnermeldeamt rückten ganz ans Ende, und auch der Blick in den Haushalt fiel knapp aus.
Umfangreich war dagegen einmal mehr der Blick von Ingenieur Marcus Stieber hinter die Kulissen des Kommunalunternehmens KUL. Nachdem just ein Jahr zuvor in der Bürgerversammlung die Hiobsbotschaft von einer fast 25-prozentigen Kostensteigerung beim Kläranlagen-Neubau überbracht worden war, ging er nun abermals auf die Ursachen dafür ein: Überraschungen beim Bauen im Bestand, aber auch geänderte Pläne und allgemeine Kostensteigerungen in der Baubranche. Seit Anfang des Jahres laufe das Klärwerk mit voller Reinigungsleistung und liefere die gewünschten Werte. Aktuell werde das Betriebsgebäude erweitert.
Um die Baukosten – insgesamt über 15 Millionen Euro – abrechnen und umlegen zu können, erfolgt derzeit noch die Flächenermittlung durch eine Fachfirma, die vor einem Jahr begann. Etwa 30 Einheiten in Leutershausen und rund 80 in den Stadtteilen stünden aktuell noch aus, berichtete KUL-Chef Dietrich Negrea. Anhörungstermine dazu seien im Februar zu erwarten. Mit den finalen Abrechnungsbescheiden sei erst 2027 zu rechnen.
Auch die Trinkwasserversorgung war ein Thema. In der Kühnberg-Siedlung laufe mit Hochdruck der Austausch der maroden, alten Graugussleitungen, erläuterte Stieber. Und er kündigte an, dass ab dem kommenden Jahr schrittweise auf digitale Wasserzähler umgestellt werde, die das Ablesen erübrigen. Künftig werden die Daten per Funk übermittelt – sicher und verschlüsselt, wie der KUL-Ingenieur betonte. Der Tausch beginne 2026 in zwei Dutzend Stadtteilen und werde „ein paar Jahre dauern”.
Auf vollendete, laufende und künftige Baumaßnahmen ging Markus Schmitt, der Leiter des Bauamtes, ein. Der neue Bauhof werde im Frühjahr fertig und soll am 27. Juni 2026 eingeweiht werden. Auf die Nutzung des Zisternenwassers für die WC-Spülung habe man bei dem Projekt bewusst verzichtet, erklärte er auf eine Anfrage. Aufgrund hoher Auflagen in öffentlichen Gebäuden stünde der Aufwand für Wartung und Unterhalt in keinem Verhältnis zum Nutzen, sagte er. Das gesammelte Wasser solle zum Gießen verwendet werden.
Weitere Termine hatte Schmitt parat: Die Verkehrsfreigabe für den neuen Kreisverkehr an der Ostspange soll noch im Dezember erfolgen. Der Ast in Richtung Gewerbegebiet soll dann ab Frühjahr gebaut werden. Dann werde auch die zu 80 Prozent abgeschlossene Sanierung der Gemeindeverbindungsstraße Hinterholz-Tiefenthal vollendet. Und das Stadion, dessen energetische Erneuerung sich dem Ende nähere, werde am 14. Mai 2026, dem Himmelfahrtstag, eingeweiht.
Eine umfangreiche Debatte löste Schmitt aus, als er das Projekt Feuerwehrhaus am Standort Leutershausen-Ost anschnitt. Aus den Reihen der Bürgerinnen und Bürger wurden grundsätzliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines Neubaus vis-a-vis des Schützenhauses in Wiedersbach laut.
Breiten Raum nahm auch der letzte Fachvortrag des Abends ein, in dem Gerald Ulrich ausführlich auf Klima- und Umweltschutzmaßnahmen einging. Eindringlich warb er für die Energiewende als „Demokratiemotor” und für dezentrale Energieversorgung als Wertschöpfung vor Ort. Mehrere Bürgerwindprojekte seien derzeit in konkreter Planung. In den Gebieten 206 (Buch am Wald Ost) und 207 (Hinterholz Südwest) könnten bis 2027 oder 2028 sechs bis sieben Windkraftanlagen entstehen. Für den Beginn des kommenden Jahres kündigte er eine große Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger, die sich beteiligen möchten, an.
Fortschritte gebe es auch beim Ausbau der Photovoltaik auf öffentlichen Gebäuden, berichtete Ulrich. Zudem ging er auf den Stand der Planungen für ein kommunales Wärmenetz ein. Dafür gebe es in Leutershausen zwar sehr gute Voraussetzungen. Konkrete Fahrpläne könne man aber erst aufstellen, wenn ausreichend Anschluss-Bereitschaft zu verzeichnen sei.
Eine weitere Bürgerversammlung findet am Donnerstag, 27. November, ab 19 Uhr im Wiedersbacher Schützenhaus statt.