Das Knauf-Museum in Iphofen zeigt in seiner neuen Sonderausstellung „Das Gold der Akan“ höfischen Goldschmuck aus Westafrika. Die aus Kärnten stammende Familie Liaunig sammelt seit Jahrzehnten in höchster Kunstfertigkeit an der Elfenbeinküste geschaffene Schmuck- und Kultobjekte aus Gold, die nun erstmals in Deutschland gezeigt werden.
Die Volksgruppe der Akan besteht aus den königlichen Stämmen der Asante, Baule, Fante, Bono und weiterer Untergruppen, die in 120 offiziell anerkannten traditionellen Staaten organisiert sind. Ihnen allen gemeinsam ist die Sprache „Twi“, Glaubensinhalte, eine überwiegend über weibliche Verwandtschaftslinien organisierte Gesellschaftsstruktur und insbesondere die Kunst der Goldverarbeitung in einer außergewöhnlichen ästhetischen Qualität an Machart und Design. Aus Gold gegossene oder goldplatinierte Objekte und Ornamente dienen als Rang-Insignien und kennzeichnen den gesellschaftlichen Status.
Die Häuptlingswürde etwa ist am üppigen Ornat abzulesen – goldverzierte Kronen, Amulette, massive Armreife oder vergoldete Sandalen, die der Regent bei der Inauguration anlegt, definieren den Rang eines „Paramount Chiefs“ ebenso wie sein kunstvoll verzierter Staatsstuhl, der auch nach seinem Tod zu seinem Andenken aufbewahrt wird. Gold ist zudem zentraler Bestandteil politischer Ereignisse und auch Kriegsgerät – von Schwertern über Speere, Schilde und Feuerwaffen – ist mit goldenen Motiven überzogen. Goldene Prestigeobjekte wie Sprecherstäbe, die dem jeweiligen Träger das Wort zuweisen, Schauringe, Seelenscheiben als Andenken an Verstorbene oder fantasievolle Tierdarstellungen ziehen schnell die Blicke auf sich.
Alle Exponate stammen aus der Sammlung der Familie Liaunig in Kärnten, die weltweit neben dem British Museum in London, dem Museum of Fine Arts in Houston und dem Gold of Africa Museum in Kapstadt zu den bedeutendsten Sammlungen zu diesem Thema zählt. Die über 300 Exponate stammen zum Großteil aus dem 19. und 20. Jahrhundert, einzelne Stücke sind weitaus älter. Sie umfassen alle relevanten Objekttypen des Akan-Goldes – von imposanten Rangabzeichen, filigranen Schmuckstücken bis zu eleganten Holzschnitzereien.
Museumsleiter Markus Mergenthaler wurde erstmals bei einer Ausstellung in Zürich auf diese besonderen Stücke aufmerksam und nahm Kontakt mit dem Museum Liaunig in Kärnten auf, das der österreichische Kunstsammler Herbert Liaunig (1945–2023) ins Leben gerufen hat. Dort wird neben zeitgenössischer Kunst in einem eigens entwickelten Annex unter der Erde eine Auswahl afrikanischer Objekte gezeigt. Man kam ins Gespräch und wurde sich einig, dass das „Gold der Akan“ auch in Deutschland gezeigt werden soll.
„Die Akan sind keine längst ausgestorbene, sondern eine lebendige Kultur. Bei Zeremonien spielt das Gold immer noch eine große Rolle“, erklärt Leihgeber Peter Liaunig seine Faszination. Die Goldarbeit habe eine sehr lange Tradition unter den Akan-Stämmen. Würdenträger werden bei besonderen Anlässen auch schon einmal mit Goldstaub bemalt, um prachtvoller zu wirken.
An einem Medientisch wird eine Auswahl von circa 50 Symbolen der Akan gezeigt, die wie eine Schrift wirken – jedes hat seine eigene Bedeutung. Diese findet man dann wiederum auf den Ausstellungsobjekten in den Schauräumen und kann als Besucher somit gleich Kunstwerk und Bedeutung zuordnen.
Die Ausstellung läuft von Sonntag, 17. März, bis Sonntag, 10. November. Herausgegeben vom Museum Liaunig ist der Begleitband „Gold der Akan“, der an der Museumskasse des Knauf-Museums in Iphofen und im Buchhandel zu erwerben ist. Für Neugierige im Alter ab acht Jahren gibt es das Begleitheftchen „Gipsi auf der Suche nach dem Gold der Akan“ im Museumsshop.