Alles andere als optimal waren die Voraussetzungen bei den Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften in Leverkusen. Starker Westwind stand wie eine Wand gegen die Sprinter und Hürdenläufer auf der Zielgeraden. In der M15 gewann Jakob Sand vom TSV 1860 Ansbach die Bronzemedaille im Neunkampf.
Mitten in einem weiteren Wachstumsschub ging Jakob Sand nicht ganz so unbeschwert und leichtfüßig wie im bisherigen, langen und kräftezehrenden Saisonverlauf an den Start. Trotzdem war der 15-Jährige schnellster Sprinter und Hürdenläufer im Feld der 30 Starter. Die Zeiten von 11,44 sec über 100 Meter (650 Punkte) und 10,83 sec über 80 Meter Hürden (633) brachten im bremsenden Gegenwind aber nicht so viele Punkte, wie die Bestleistungen ergeben hätten.
Sehr gut gelang Jakob Sand der Kugelstoß mit 14,22 m (634), nur vier Zentimeter unter seiner Bestleistung aus einem Einzelwettkampf. Ein Novum war der Stabhochsprung, der erstmals bei einer Freiluftmeisterschaft in einer Leichtathletikhalle stattfand. Dies ist nach einer Regeländerung seit dieser Saison erlaubt. Vor den Augen von Niklas Kaul, Welt- und Europameister im Zehnkampf, überquerte Sand 3,90 m für 631 Punkte.
Wieder im heftigen Gegenwind fand der Weitsprung statt. Der Ansbacher kam in den Böen nie richtig auf das Absprungbrett. So waren 5,88 m zwar Saisonbestleistung, aber mit 580 Punkten nicht das Wunschergebnis. Da gerade die führenden Athleten unter den widrigen Umständen kaum neue Bestleistungen in die Wertung brachten, war Sand weiter auf Medaillenkurs.
Auch die 35,58 m mit dem Speer (533 Punkte) und 1,65 m im Hochsprung (554) waren im Bestleistungsbereich. Eine Enttäuschung gab es jedoch beim Diskuswurf. Hier kam der Wind von rechts vorne und seine beiden weitesten Würfe wurden wie in einer Boomerang-Kurve nach links aus dem Sektor getragen. Nur ein eigentlich missglückter Wurf mit 36,32 m kam in die Wertung, rund 15 Meter und etwa 150 Punkte unter Bestleistung.
In der achten von neun Disziplinen bedeutete dies den Absturz auf Rang sechs. Doch wer geglaubt hatte, dass Jakob Sand jetzt den Wettkampf abschreiben würde, hatte nicht mit seiner Entschlossenheit gerechnet. Wenn schon Gold außer Reichweite lag, sollte wenigstens eine Medaille her.
Hinter dem besten gemeldeten 1000-Meter-Läufer, der Rang zwei in der Gesamtwertung absichern wollte, ging Sand die ersten 200 Meter in 30 Sekunden an. Das Duo setzte sich klar vom Feld ab, 300 Meter vor dem Ziel attackierte Sand sogar und ging als Führender in die Schlusskurve. Eingangs der Zielgeraden kam der Konter und wieder beschleunigte Sand. Er ging erneut in Führung, es folgte noch ein Führungswechsel und 20 Meter vor dem Ziel ein letzter bissiger Angriff von Sand mit dem Spurt in 2:48,13 min zum Sieg. Gänsehaut bei allen Beobachtern.
Mit deutlicher Bestleistung und 631 Punkten gelang dem Ansbacher der Sprung auf Rang drei der Gesamtwertung. Die Gesamtpunktzahl von 5424 bedeutete auch eine Verbesserung seines eigenen Kreisrekords im Neunkampf um 230 Punkte. Nach der Nominierung in den Landeskader kann sich Jakob Sand nun auch Hoffnungen machen, vom Bundestrainer in den Nationalkader der Mehrkämpfer berufen zu werden.