Bei vier Arbeitsphasen im Jahr kommen junge Jazz-Musikerinnen und Jazz-Musiker aus Bayern zusammen, um gemeinsam die Grenzen zwischen Improvisation und notierter Musik auszuloten. Was daraus entstanden ist, war jetzt bei Jazzarise zu hören.
Entstanden ist unter der Ägide des Bayerischen Musikrates das Landes-Jugendjazzorchester Bayern (LJJB). Am Samstagabend eröffnete es mit einem hoch bejubelten Konzert in den Ansbacher Kammerspielen das Jazzarise-Festival.
Jazzarise – das bedeutet: viele Veranstaltungen mit renommierten Größen im Bereich Jazz, aber vor allem interaktive Angebote für den lokalen Jazznachwuchs und das an Jazz interessierte Publikum. Das junge Wanderfestival wählt bewusst Regionen abseits der großen Metropolen. Und, wie Oberbürgermeister Thomas Deffner in seiner Begrüßungsrede nicht ohne Stolz bemerkte, ist Ansbach mit seiner Jazz-Begeisterung genau der richtige Austragungsort. Legendär ist hier die seit 1972 bestehende Jazztime-Reihe, die Walter L. Henne über ein halbes Jahrhundert geprägt hat, und beispielhaft die intensive Nachwuchsförderung in der Bigband des Platen-Gymnasiums.
Die Mitglieder des LJJB heißen Klara, Luca, Eva, Theo, Wilhelmine, Philipp, Nicole, Florentin, Sebastian – die Namensliste könnte man noch verlängern – und alle haben eines gemeinsam: Sie bewegen sich entschlossen mit kraftvoller Energie und hörbarer Spielfreude auf dem Höhenkamm zwischen Freiheit und Tradition.
Dabei agierte das junge Orchester als ein Kollektiv erstaunlich selbstbewusster Individuen mit dem Dirigenten und künstlerischen Leiter Julian Ritter als Maestro, der sensibel und behutsam die kreativen Impulse kanalisierte. Es war begeisternd zu erleben, wie er mit herzlicher Atmosphäre, Empathie und Vertrauen seine jungen Schützlinge ihre Ideen entwickeln ließ.
Die präsentierten Stücke und Arrangements waren keinesfalls Bigband-Durchschnitt. Spannend von der ersten bis zur letzten Note agierten Trompeten, Saxophone und Posaunen immer im Einklang mit dem feinnervigen Schlagzeuger, der die Rhythmen vielschichtig pushte und so eine flexible Basis für beachtliche Sessions erzeugte.
Weniger bekannte Titel wie „The Optimist“, „Watergame“, „Magic Fly“ oder „Ocean 11“ wechselten sich mit Evergreens ab. Das berühmte „Take Five“ von Paul Desmond oder „God Bless the Child” von Billie Holiday und Arthur Herzog Jr. durften nicht fehlen.
Nicht nur die Saxophon-, Posaune-, Tastenspieler- oder Gitarrensolos sorgten für Highlights, sondern auch ein durchaus souverän agierendes Vokalensemble. Julian, Julia, Sophia, Alina und Mara hatten es aber trotz Mikrofonen teilweise schwer, sich akustisch gegen die geballte Bläserkraft durchzusetzen. Einen wunderschönen Ruhepunkt setzten sie a cappella mit ihrer Interpretation des Beatles-Songs „In My Life“. Aber auch Poparrangements von „Blood, Sweat and Tears“ passten hervorragend zu ihren Stimmen. Zwischendurch traten Einzelstimmen solistisch aus dem Gruppenklang heraus, um sich danach sogleich wieder in das Kollektiv einzufügen.
Zusammen mit dem Orchester traten sie den Beweis dafür an, dass harte Arbeit, professionelles Coaching und unbändige Freude am Musizieren die Bestandteile einer soliden musikalischen Karriere sind. Dieser Nachwuchs begeisterte in Ansbach auf der ganzen Linie. Der Applaus wollte nicht enden. Auf den Punkt gebracht: Da wächst Gutes heran!