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Veröffentlicht am 19.02.2026 00:06

Joghurt im Glas oder Becher - was ist besser für die Umwelt?

Es kommt auch auf die Größe an: Wer Joghurt kauft, sollte für eine bessere Ökobilanz lieber zu XL-Verpackungen greifen, statt zu vielen kleinen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Es kommt auch auf die Größe an: Wer Joghurt kauft, sollte für eine bessere Ökobilanz lieber zu XL-Verpackungen greifen, statt zu vielen kleinen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Es kommt auch auf die Größe an: Wer Joghurt kauft, sollte für eine bessere Ökobilanz lieber zu XL-Verpackungen greifen, statt zu vielen kleinen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Im Müsli, zum Dippen, für die Marinade - egal, was man nun mit dem Joghurt anstellen will: Die Verpackung landet anschließend in der Regel in einer Tonne. Aber stimmt es, dass Joghurt in der Plastikverpackung schlechter für die Klimabilanz ist als Joghurt im Glas? 

„Ganz so einfach ist es nicht“, sagt Katharina Istel vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Zwar beruht die Herstellung von Plastik meist auf Erdöl - und falsch entsorgt kann sich das Plastik zersetzen und Mikroplastik in die Umwelt gelangen. Aber beim Transport sei Plastik „unschlagbar leicht“. Und das reduziere die Emissionen, so die Referentin für Kreislaufwirtschaft. 

Herstellung, Transport und Recycling betrachten

Hinzu kommt: „Es kostet sehr viel Energie Glas herzustellen und wieder fürs Recycling einzuschmelzen“, sagt Istel. Nach Angaben der Verbraucherzentrale verbinden sich die Bestandteile Quarzsand, Soda und Kalk erst bei Temperaturen ab 1.600 Grad Celsius zu einer zähen Glasschmelze.

Geht es um die gesamte Ökobilanz von Verpackungen, reicht es Istel zufolge aber nicht, nur die Umweltauswirkungen der Materialproduktion zu betrachten. Wichtige Kriterien sind auch, wie viel Material man für die Verpackung benötigt, wie viel Treibhausgase und Schadstoffe durch den Transport ausgestoßen werden und wie gut sich das Material recyceln lässt. Man betrachtet also die negativen Auswirkungen auf das Klima, den Ressourcenverbrauch und die Schadstoffemissionen. 

Das führt dazu, dass bei Joghurtverpackungen das leichte Plastik bei diesen Kriterien viel besser abschneidet als schweres Einwegglas. Istels Fazit: „Auf Joghurt und Desserts in Einweg-Gläsern sollte man unbedingt verzichten.“

Joghurt aus der Region kaufen

Und wie sieht es mit Mehrweg-Gläsern aus? Sie werden immerhin vielfach befüllt und mehrfach genutzt - das schont Ressourcen. Allerdings gibt Istel zu bedenken, dass „der große Deckel aus Weißblech“ dabei immer nur einmal genutzt werde. Und gerade dessen Herstellung sei sehr energieintensiv. Und: „Wenn das Mehrweg-Glas einmal quer durch Deutschland gefahren werden muss, um erneut befüllt zu werden, wirkt sich dies natürlich negativ auf den Schadstoffausstoß und die Klimabilanz aus“, so Istel. Wer zu einem Joghurt im Mehrweg-Glas greift, achtet am besten darauf, dass der Joghurt aus der Region stammt. 

Dafür können sich Verbraucher bei Joghurt und Molkereiprodukten an dem europäischen Identitätskennzeichen orientieren. In dem ovalen Zeichen steht oben das Länder-Kürzel und links das Kürzel für das Bundesland, in dem das Produkt bearbeitet oder verpackt wurde.

Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff

Übrigens: Auch unter den Einwegbechern aus Plastik gibt es ökologisch bessere und schlechtere – abhängig davon, aus welchem Kunststoff sie bestehen. 

„Becher aus Polypropylen werden häufiger recycelt und sind daher ökologisch empfehlenswert“, sagt Istel. Verbraucher finden unten auf dem Becher den Hinweis dazu. Der Recyclingcode „05“ steht laut Verbraucherzentrale für Polypropylen, abgekürzt PP.

Und wie lautet nun das Fazit? Beim Vergleich von Joghurtverpackungen sind Mehrweg-Gläser aus der Region für die Ökobilanz eine gute Wahl. Recycelbare Plastikbecher mit Pappbanderole sind ebenfalls eine sinnvolle Wahl, wenn sie aus Polypropylen bestehen. 

Dann ist nur wichtig, auf die richtige Mülltrennung zu achten. „Wenn sie eine Pappbanderole haben, ist es wichtig, dass Verbraucherinnen und Verbraucher am Ende die einzelnen Bestandteile richtig entsorgen“, sagt Istel. „Also die Pappbanderole ins Altpapier werfen und den Alu-Deckel vom Plastikbecher abmachen, und beides einzeln in die Gelbe Tonne stecken.“ Außerdem sollte man mehrere Becher besser nicht zusammengestopft in die Tonne werfen.

Auf Einweg-Gläser sollten umweltbewusste Verbraucher hingegen verzichten. Und: Am besten ist es, Verpackungen ganz zu vermeiden. Also besser einen großen Joghurt statt viele kleine, einzeln verpackte Becher kaufen.

© dpa-infocom, dpa:260218-930-705975/1


Von dpa
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