Der Schulentscheid bei „Jugend debattiert“ im Neustädter Friedrich-Alexander-Gymnasium (FAGs) ist eine mittlerweile etablierte Veranstaltung, die sich für die Schule aus Sicht von Melany Döhler, einer der beiden Schulkoordinatorinnen, voll auszahlt.
Damit ist nicht der Wettbewerb gemeint, sondern die gesamte Unterrichtseinheit in Debattenkultur. Ob das was bringt? „Ja, total“, antwortet Döhler spontan. Selbst aus anderen Fachbereichen bekämen die Deutschlehrkräfte die Rückmeldung, dass die Jugendlichen besser zuhören und sich treffender ausdrücken. „Debatten werden mittlerweile sogar schon in Geografie und Geschichte abgehalten. Sogar in Physik, wenn es um ethische Fragen geht.“
In der neunten Klasse wird jeder und jede darin geschult, wie so eine Debatte abläuft – nach ganz strengen Regeln nämlich. Am Anfang steht ein „Ohröffner“, der dafür sorgen soll, dass die Gegenseite auch neugierig auf das lauscht, was man zu sagen hat. Dann kommt der Austausch der Argumente: Dabei muss man jeweils auf das eingehen, was der Vorredner oder die Vorrednerin gesagt hat, es dann aber durch eine eigene Aussage widerlegen. Die muss natürlich begründet, mit lebensnahen Beispielen und fundierten Studien untermauert werden.
Am Schluss steht ein Fazit, in dem man jeweils noch einmal die Inhalte so zusammenfasst, dass die eigene Überzeugung von möglichst vielen geteilt werden kann. „In den Klassen lassen wir manchmal vor und nach der Debatte über ein Thema abstimmen. Hin und wieder ist das Ergebnis sehr unterschiedlich.“
„Zunächst wirkt dieses Korsett auf die jungen Leute oft künstlich, aber es ist wie ein Geländer, an dem man sich entlanghangeln kann.“ Schließlich müsse man gleichzeitig zuhören und die eigene Erwiderung im Kopf vorbereiten, so Döhler, die zusammen mit Lena Steinruck Schulkoordinatorin ist.
Die Wichtigkeit, die diese konstruktive Streitkultur am FAG hat, wird dadurch unterstrichen, dass eine schriftliche Schulaufgabe durch eine Debatte ersetzt wird. Auch die Erfolge bei und die Teilnahme an dem Wettbewerb „Jugend debattiert“ sind Belege für die erfolgreiche Umsetzung an der Schule.
Am Donnerstag traten die Klassenbesten gegeneinander an. Es sei gar nicht so einfach, genug Teilnehmende zu gewinnen, denn der Aufwand sei hoch, berichtet Döhler. Drei Themen müssen vorbereitet werden und: Man muss sowohl in der Lage sein, die Pro- als auch die Contraseite überzeugend zu vertreten. „Die Jugendlichen lernen auch, sich zum Anwalt für eine Sache zu machen, die sie gar nicht vertreten“, erläutert die Lehrerin.
Leichter sei es dagegen, Mitglieder für die Jury zu finden, in der Lehrkräfte und Jugendliche gleichberechtigt nebeneinander sitzen. Die Jury erhält eine eigene Schulung und lernt dabei, ein positives Feedback zu geben. Statt destruktiver Kritik gibt es dann wertvolle Tipps für die nächste Debatte.
Die jeweils zwei Erstplatzierten jeder Altersgruppe vertreten das FAG im Bezirksentscheid. Das sind in der Sekundarstufe I Antonia Wenzel (9a) und Elena Hüser (10b), Peter Hofmann und Konrad Schaffer hatten ebenfalls das Finale erreicht. In der Sekundarstufe II werden Michelle Becker (11b) und Ben Dreßel (Q12) die Schule vertreten, Julius Hofmann (11b) und Daniel Teixeira da Fonseca (11a) waren mit ihnen in die Schlussrunde eingezogen.