Junge Ansbacher kämpften 1973 im „Spiel ohne Grenzen“ | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 21.04.2023 15:25

Junge Ansbacher kämpften 1973 im „Spiel ohne Grenzen“

Es ist die Ära der großen Fernsehshows gewesen. Wenn das „Spiel ohne Grenzen“ lief, saßen in Europa mehrere Generationen vor dem Schirm. 1973 sahen die Menschen in Ansbach besonders genau zu. Eine Mannschaft aus der Stadt kämpfte um den Sieg – in Bellinzona im Tessin und vorher schon national im badischen Gaggenau.

Vor 50 Jahren, am Ostersonntag, 22. April 1973, war im ersten Fernsehprogramm die Zeit für das „Spiel ohne Grenzen“ und für seinen populären Moderator Camillo Felgen. In Gaggenau begrüßte er die Teams aus der gastgebenden Stadt und aus Ansbach.

Charlotte Vogt, damals Krimmer, und Erich Grau (beide heute 68) kämpften da mit um den Sieg. Die Studentin Charlotte Krimmer war Volleyballerin und Turnerin. Im Turnen war die spätere Sportlehrerin 1972 mit anderen Deutsche Meisterin im Gruppenwettstreit.

Der Platen-Gymnasiast Erich Grau, später auch Sportlehrer und Quarterback in der deutschen Football-Nationalmannschaft, hatte sich damals schon als Hochspringer, Hürdenläufer und Zehnkämpfer einen Namen gemacht. „Es ging beim ,Spiel ohne Grenzen‘ viel um Geschicklichkeitsspiele“, erzählt er.

Wasser von einem Ort zum anderen

„Zum Glück hatte ich in Bellinzona als Hochspringer, verkleidet als Bonbon, mit Horst Goppelt ein Hüpfspiel“, fügt er lachend hinzu. Man habe ja alles zugelost bekommen, erläutert Charlotte Vogt. „Wir mussten in Gaggenau Wasser transportieren, das mit Feuerwehrschläuchen eingefüllt worden ist.“ Sie berichtet von Regen. Sie und ihre Teampartnerin seien patschnass gewesen.

Wie wählte man die Teilnehmer aus? „Wir waren im Winter an einem Samstagnachmittag in der Platen-Turnhalle“, schildert Erich Grau. Es habe gegolten, Geschicklichkeitsspiele zu bewältigen. Gekommen seien vielleicht 30 sportliche junge Frauen und Männer, „und die bessere Hälfte haben sie halt dann genommen“. Charlotte Vogt ergänzt: „Wir waren am Sonntagmorgen noch am Trimm-dich-Pfad.“

Mindestalter waren gemäß Erich Graus Worten für junge Männer 18 Jahre, und „in Bellinzona haben sie zwei, drei Mädchen mehr gebraucht, die aber 16 sein mussten“. Als Trainer der Ansbacher wirkten Hans Seeger und Klaus Müller.

Die Show in Gaggenau war ein deutsches Spiel. Als Gewinner zogen die Ansbacher zur europäischen Runde am 20. Juni 1973 nach Bellinzona weiter. Hier erreichten sie dann den vierten Platz.

Die jungen Athleten traten jeweils vor einem Millionenpublikum auf. Das „Spiel ohne Grenzen“ war an den Sendetagen das mediale Ereignis. „Das war schon eine Ehre“, findet Charlotte Vogt, „es war für alle toll.“ Erich Grau: „Heutzutage hüpft im Fernsehen halt einer herum, aber wir haben die ganze Stadt vertreten.“ Damals sei diese auch noch sehr stolz auf ihre Sportler gewesen.

Für viele heute noch ein Begriff

Dass Kameras alles aufnahmen und Millionen von Menschen zusahen, habe er sich seinerzeit allerdings nicht bewusst gemacht. „Wir waren halt Sportler untereinander.“ Da es eine Mannschaft gewesen sei, habe jeder den anderen aufgefangen, erläutert Charlotte Vogt. Wie beim Kneipenquiz sei niemand alleine verantwortlich gewesen.

„Ich glaube, der Name Bellinzona ist für viele in Ansbach heute noch ein Begriff“, blickt Erich Grau zurück. „Die Trainingsjacke habe ich lange aufgehoben“, erinnert er sich. Die seien – ganz im Stil der 70er Jahre – quietschgelb gewesen, sagt Charlotte Vogt. „Scheußlich.“

Die drei damaligen Teammitglieder Charlotte Vogt, Erich Grau und Günther Kiermeier, der ehemalige Präsident des TSV 1860 Ansbach, organisierten für Samstagabend in der Stadt ein Treffen. Für diesen Tag, den Jahrestag, „hat uns die Stadt eingeladen“, stellt Erich Grau fest. Oberbürgermeister Thomas Deffner ist bei dem Treffen dabei.

Drei Athleten sind schon verstorben, zum Beispiel der spätere Oberbürgermeister Ralf Felber oder Hubert Müller, später Stadtrat. Alle noch lebenden aber, über ein Dutzend, und ein Trainer wollen kommen. Sie möchten auch das Gruppenfoto von 1973 vor der Abfahrt nach Gaggenau nachstellen.

Charlotte Vogt und Erich Grau erinnern sich an ihre Zeit als „Spiel ohne Grenzen“-Athleten. (Foto: Oliver Herbst)
Charlotte Vogt und Erich Grau erinnern sich an ihre Zeit als „Spiel ohne Grenzen“-Athleten. (Foto: Oliver Herbst)
Charlotte Vogt und Erich Grau erinnern sich an ihre Zeit als „Spiel ohne Grenzen“-Athleten. (Foto: Oliver Herbst)
Die Ansbacher Teilnehmer fuhren im April 1973 ins badische Gaggenau ab. (Archivfoto: Otto Koller)
Die Ansbacher Teilnehmer fuhren im April 1973 ins badische Gaggenau ab. (Archivfoto: Otto Koller)
Die Ansbacher Teilnehmer fuhren im April 1973 ins badische Gaggenau ab. (Archivfoto: Otto Koller)
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